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Full text of "Die Organisation der Ziegel-Verkaufsvereinigungen [microform] .."

MASTER 
NEGATIVE 

NO. 94-82007 




COPYRIGHT STATEMENT 



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The Columbia University Libraries reserve the right to refuse to accept a 
copying order if, in its judgement, fulfillment of the order would involve 
violation of the Copyright law. 



Author: 



Faehre, Hans 



Title: 



Die Organisation der 
Ziegel-... 

Place: 

Berlin 

Date: 

1915 



MASTER NEGATIVE * 



COLUMBIA UNIVERSITY LIBRARIES 
PRESERVATION DIVISION 

BIBLIOGRAPHIC MICROFORM TARGET 



ORIGINAL MATERIAL AS FILMED - EXiSTING BIBLIOGRAPHIC RECORD 



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Faohre, Hans, 1885- 

Die Organisation der z iegel- verkauf svereinigun- 
gen. ... Von Hans Faehre... Berlin, rBöckler-, 
1915. 

xii, lf^9 p. 24-2 cm, 

Thesis, Bonn, 1915. 
Bibliography: p. ^ix^-xü. 




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RESTRICTIONS ON USE: 



TECHNICAL MICROFORM DATA 



RLM SIZE: SSm^i 



DATE FILMED: 



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INITIALS: 



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Die Organisation 
der Ziegel -\?erl(aufsvereinigungen. 

LIBRARY 
SCHOOL OF BUSINESS 

Inaugural - Dissertation 

zur 

Erlangung der Doktorwürde 

genehmigt 
von der Philosophischen Fakultät 

der 
Rheinischen Friedrich -Wilhelms -Universität 

zu Bonn. 

Von 

Hans Faehre 

aus Dortmund. 



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Promoviert am 12. März 1915. 



Berlin 1915. 



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Berichterstatter: 
Professor Dr. Hermann Schumacher. 



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Meiner Mutter 

und 

dem Andenken meines Vaters. 



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Inhalt 



Erster Teil. 

Die rechtliche Organisation der Ziegel» 
Verkaufsvereinigungen. 

1. Abschnitt. Seite 
Die Rechtsformen der Ziegel- Verkaufsvereinigungen 3— It) 

I. Die Rechtsformen der Ziegel-Verkaufsvereinigungen mit rilb- 
ständiger Verkaufsstelle 3 

A. Die Ziegel- Verkaufsvereinigungen, deren Verkaufsstelle durch 
eine schon vorhandene Firma verwaltet wird 3 

B. Die Ziegel- Verkaufsvereinigungen, die für die Abwicklung ihrer 
Verkaufsgeschäfte eine besondere Handelsgesellschaft ge- 
gründet haben 8 

n. Die Rechtsformen der Ziegel-Verkaufsvereinigungen, die zugleich 
ihre Verkaufsstelle sind 9 

2. Abschnitt. 

Einige der wichtigsten Gründe für die Bevorzugung der Gesell- 
schaft m. b. H. als Rechtsform einer Ziegel - Verkaufs- 
vereinigung 11—17 

ZweiterTeil. 

Die wirtschaftliche Organisation der Ziegel= 
Verkaufsvereinigungen. 

1. Abschnitt. 

Die Regelung der Erzeugung . . . , 21—50 

I. Die Leistungsfähigkeit der Betriebe und die Beteiligungsziffer 
der Ziegeleibesitzer 21 



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Seite 

A. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit oder die Festsetzung 

der Beteiligungsziffer 22 

1. Die Merkmale für die Einschätzung der Leistungsfähig- 
keit 22 

2. Die mit der Einschätzung der Leistungsfähigkeit be- 
trauten Personen 29 

B. Das Verhalten der Ziegel-Verkaufsvereinigungen gegenüber 
Aenderungen in der Leistungsfähigkeit und daraus sich er- 
gebenden Anträgen auf Aenderungen in der ursprünglichen 
Beteiligungsziffer 31 

IL Die Kontingentierung der Erzeugung 34 

A. Die Ermittlung des voraussichtlichen Bedarfs und die Fest- 
setzung des jährlichen Gesamtkontingents 34 

B. Die Verteilung des Gesamtkontingents unter die Ziegelei- 
besitzer oder die Festsetzung der Lieferberechtigung der 
einzelnen Kartellmitglieder 39 

1. Begriff und Umfang der „Lieferberechtigung* .... 39 

2. Die Verpflichtung des einzelnen Ziegeleibesitzers zur 
Herstellung seiner Lieferberechtigung 43 

3. Die Bedingungen für die Uebertragung einer Lieferbe- 
rechtigung 47 

4. Die dauernde Stillegung einzelner Kartellwerke .... 49 

2. Abschnitt. 

Die Regelung der Preise 51—60 

I. Der Mindestpreis 51 

A. Die verschiedenen Arten von Mindestpreisen 51 

1. Der Ankaufspreis als Mindestpreis 52 

a. Der Netto-Ankaufspreis als Mindestpreis 52 

b. Der Brutto- Ankaufspreis als Mindestpreis .... 54 

2. Der Verkaufspreis als Mindestpreis 55 

3. Einige Vor- und Nachteile bei der Anwendung der ein- 
zelnen Arten der Mindestpreise 56 

B. Die Festsetzung der Mindestpreise 58 

II. Der tatsächliche Verkaufspreis 59 

3. Abschnitt. 

Der Alleinan- und -verkauf der kartellierten Ziegeleierzeugnisse 

durch die Ziegel-Verkaufsvereinigung 61—102 

L Die rechtliche Stellung der Verkaufsstelle den Kartellmitgliedern 

und andern gegenüber 61 

II. Die Abnahmepflicht der Verkaufsstelle 63 

A. Die Abnahmepflicht im allgemeinen 63 

B. Die Verteilung der Lieferungsaufträge durch die Verkaufs- 
stelle unter die Kartellmitglieder 65 



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Seite 

1. Die bei der Verteilung zu beachtenden Grundsätze . . 65 

2. Der Lieferungsausgleich 68 

a. Allgemeine Maßregeln zur Erleichterung des Lieferungs- 
ausgleichs 68 

b. Der einfache natürliche Ausgleich der Mehr- und 
Minderlieferungen 69 

c. Der natürliche Ausgleich mit Zinsvergütung .... 71 

d. Der geldliche Ausgleich der Mehr- und Minder- 
lieferungen 72 

III. Die Lieferpflicht der Gesellschafter 76 

A. Der Umfang der Lieferpflicht und die Folgen ihrer nicht 
vertragsmäßigen Erfüllung 76 

1. Die Menge, zu deren Lieferung der einzelne Ziegelei- 
besitzer verpflichtet ist 76 

2. Die Haftung der Ziegeleibesitzer für die Erfüllung des 
Lieferungsauftrags und für die Beschaffenheit der ge- 
lieferten Ziegel 77 

3. Die Verwertung minderwertiger Ziegel 79 

B. Die Ausnahmen von der Lieferpflicht 80 

1. Die Selbstverkäufe , 80 

a. Der örtliche Kleinverkauf 80 

b. Der Verkauf nach auswärts 82 

2. Der Selbstverbrauch 87 

IV. Die geldliche Abwicklung der zwischen der Verkaufsstelle 

und den Kartellmitgliedern getätigten Geschäftsabschlüsse . . 95 

A. Die Abrechnung im allgemeinen 95 

B. Die Verteilung der Ueberschüsse 97 

C. Die Deckung der Unkosten, Mindererlöse und sonstigen 
Verluste 101 

4. Abschnitt. 

Die Einrichtungen zur Sicherung der Durchführung des Kartell- 
vertrags und zur Schlichtung von Streitigkeiten 103—107 

I. Die Beleihung gestapelter Ziegel 103 

II. Die fortlaufende Ueberwachung der Bücher 105 

III. Die Vertragsstrafen, die Sicherheitsleistungen und das Schieds- 
gericht 106 

5. Abschnitt. 

Einiges über Vertragsdauer und Auflösung der Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen 108-111 

I. Die Gründe für einen langfristigen oder gegen einen kurz- 
fristigen Vertragsabschluß 108 

II. Einige Gründe zur Auflösung einer Ziegel-Verkaufsvereinigung 

und ihre Kritik 109 



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— VIII — 

DritterTeil. 

Die MaBnahmen der Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
zum Schutze der Grenzbezirke ihres Vertragsgebietes gegen 
den Wettbewerb einer Nachbarvereinigung. ^^^ 

Vorbemerkung 115 

1. Abschnitt. 

Der Schutz der Grenzen im Fall ihrer Ueberschneidung . . 118-121 
I. Der Abschluß einer Preiskonvention für das bestrittene Gebiet 1 18 
IL Die Beteiligung der einen Verkaufsvereinigung mit einem 
festen Kontingent am Absatz des Nachbarkartells 119 

III. Die Gründung einer gemeinsamen Verkaufsstelle im bestrittenen 
Gebiet 120 

IV. Die Gründung einer neuen selbständigen Verkaufsvereinigung 
durch die in das bestrittene Gebiet hauptsächlich liefernden 
Ziegeleibesitzer 120 

2. Abschnitt. 

Der Schutz der Grenzen im Fall ihrer bloßen Berührung . . 122—129 
I. Die Schutzverträge und ihre wichtigsten Bestimmungen ... 122 
IL Die Zentralkartelle, ihre Organisation und ihr Wesen . . . 123 



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Literatur « Verzeidinis. 



I. Allgemeine Literatur: 

1 . Liefmann : Die Unternehmerverbände, ihr Wesen und ihre Bedeutung, 

Freiburg/ Leipzig/Tübingen 1897. 

2. Lief mann: Kartelle und Trust, Stuttgart 1905. 

3. Grunzel: Ueber Kartelle, Leipzig 1902. 

4. Pohle: Die Kartelle der gewerblichen Unternehmer, Leipzig 1898. 

5. Nicklisch: Kartellbetrieb, Leipzig 1909. 

6. Flechtheim: Die rechtliche Organisation der Kartelle, Mannheim/ 

Leipzig 1912. 

7. Schriften des Vereins für Sozialpolitik, Band 60 (1894), Band 61 

(1895), Band 116 (1906). 

8. Kontradiktorische Verhandlungen über deutsche Kartelle, Band 1, 

Berlin 1903. 

9. Die Kartellrundschau, Jahrgänge 1—9, Wien 1903—1904, Karlsruhe 

1905-1906, Düsseldorf 1907—1913. 

10. Fridrichowicz: „Kartelle" in der Zeitschrift für die gesamten Staats- 

wissenschaften, Jahrgang 51, Tübingen 1895. 

11. Huber, F. C: Deutschland als Industriestaat, Stuttgart 1901. 

IL Besondere Literatur: 

1. Zwick: Die Natur der Ziegeltone und die Ziegelfabrikation, Wien/ 

Leipzig 1894. 

2. Dümmler: Handbuch der Ziegel-Fabrikation, Halle 1900. 

3. Bock: Die Ziegelei als landwirtschaftliches und selbständiges Ge- 

werbe, Berlin 1893. 

4. Heinemann: Die wirtschaftliche und soziale Entwickelung der deut- 

schen Ziegel-Industrie unter dem Einflüsse der Technik, Leipzig 1909. 

5. Silberberg: Richtlinien für Ziegeleikartelle, Berlin 1911. 

6. Senholdt: »Die Ziegelindustrie" im Handbuch der Wirtschaftskunde 

Deutschlands, Band 3, Leipzig 1904. 

7. Wirminghaus: »Tonwarenindustrie* im Wörterbuch der Volkswirt- 

schaft, Jena 1907. 



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Zeitschriften: 

1. Tonindustrie-Zeitung, Jahrgänge 14-37, Berlin 1890-1913. 

2. IDeutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Jahrgänge: 18, 19, 25, 27, 29 

bis 42, Halle 1887, 1888, 1894, 1896, 1898-1911. 

3. Bauwelt, Jahrgang 1, Berlin 1910. 

4. Gut Brand, Zentralblatt für die deutsche Ziegelindustrie, zugleich 

Vereinsorgan des Gewerkvereins der Ziegler in Lippe (Wochen- 
beilage zur Lippischen Landeszeitung), Detmold 1911, 1912. 

5. Deutsche Industrie-Zeitung, Jahrgang 30. Nr. 3, Berlin 1911. 

Jahresberichte: 

1. Rheinisch-Westfälisches Ziegel-Syndikat G. m. b. H., Dortmund 

1901 bis 1910. 

2. Dortmunder Verkaufs-Verein für Ziegelei-Fabrikate A.-G., Dortmund 

1900 bis 1910. 

3. Ziegel-Syndikat für Hamburg und Umgegend G. m. b. H., Hamburg 

1903, 1906. 

4. Bochumer Verkaufs-Verein für Ziegelei-Fabrikate G. m. b. H., 1904, 

1905, 1907 bis 1910. 

5. Herner Verkaufs-Verein für Ziegelei-Fabrikate G. m. b. H., Herne 

1899 bis 1908. 1910. 

6. Lünener Verkaufs-Verein für Ziegelei-Fabrikate G. m. b. H., Lünen 

1908 bis 1910. 

7. Verkaufs-Vereinigung Thüringer Tonwerke G. m. b. H., Meiningen 

1909. 

8. Ziegel-Verkaufs-Verein Recklinghausen G. m. b. H., Recklinghausen 

1909 bis 1910. 

Gesellschafts- und Lieferungs-Verträge: 

1. Ziegel-Syndikat Aachen G. m. b. H., Aachen. 

2. Märkisches Ziegel-Syndikat e. G. m. b. H., Berlin 1911. 

3. Erster Oberschlesischer Ziegeleiverband G. m. b. H., Beuthen 0. S. 

4. Verkaufsstelle der vereinigten Ziegeleien von Stadt- und Landkreis 

Bielefeld G. m. b. H., Bielefeld. 

5. Ringofen-Ziegelei-Vereinigung Bochum, Bochum 1894. 

6. Ringofen-Ziegelei-Vereinigung Bochum G. m. b. H., Bochum 1902. 

7. Braunschweiger Ziegelei-Gesellschaft m. b. H., Braunschweig. 

8. Vereinigte Ziegeleien zu Breslau G. m. b. H., B.'eslau. 

9. Kölnisches Ziegel-Syndikat A.-G., Cöln. 

10. Krefelder Ziegelwerke G. m. b. H , Krefeld. 

11. Backsteinverkaufsstelle Darmstadt G. m. b. H., Darmstadt. 

12. Vereinigte Ziegelwerke des Plauenschen Grundes G. m. b. H., 

Deuben. 

13. Dortmunder Verkaufs- Verein für Ziegeleifabrikate A.-G., Dortmund 1891. 

14. Dortmunder Verkaufs-Verein fürZiegcleifabrikate A -G., Dortmund 1905 



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15. Dresdner Ziegel-Konvention, Dresden. 

16. Verkaufsstelle für Ziegelsteine G. m. b. H., Dülken 1906. 

17. Verkaufskontor für Ziegelsteine G. m. b. H., Düsseldorf 1903. 

18. Verkaufskontor für Ziegelsteine G. m. b. H., Düsseldorf 1911. 

19. Essener Ziegel-Verkaufsverein G. m. b. H., Essen-Ruhr 1905. 

20. Essener Ziegel-Verkaufsverein G. m. b. H., Essen-Ruhr 1911. 

21. Frankfurter Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b H., Frank- 

furt a. Main. 

22. Sächsisch-Thüringischer Ziegelverkaufsverein G.m.b.H., Gera 1907. 

23. Verkaufsgesellschaft vereinigter Ziegeleien G. m. b. H., Göttingen. 

24. Hallescher Verkaufs- Verein für Ziegel fabrikate A.-G-, Halle a. d. Saale. 

25. Ziegel-Syndikat für Hamburg und Umgegend G. m. b. H., Hamburg 1901. 

26. Ziegel-Syndikat für Hamburg und Umgegend G. m. b. H., Hamburg 1903. 

27. Ziegel-Syndikat für Hamburg und Umgegend G. m. b. H., Hamburg 1905. 

28. Hammer Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b. H , Hamm 

i./W. 1900. 

29. Hammer Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b. H., Hamm 

i./W. 1908. 

30. Verkaufsgesellschaft Hannoverscher Ziegeleien G. m. b. H., Hannover. 

31. Herner Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate zu Herne G. m. b. H., 

Herne 1900. 

32. Herner Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b. H., Herne. 

33. Herner Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m.b.H., Herne 1911. 

34. Verkaufs- Vereinigung der Ziegeleien von Hof und Umgegend G.m.b.H., 

Hof. 

35. Iserlohner Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b. H., Iserlohn. 

36. Verein der Ziegeleien in und um Landshut E.-V., Landshut 1886. 

37. Lünener Verkaufs-Verein für Ziegelei-Fabrikate G. m. b. H., Lünen. 

38. Ziegelei-Vereinigung G. m. b. H., Mainz. 

39. Oberrheinische Backstein-Verkaufsstelle G. m. b. H., Mannheim 1905. 

40. Verkaufsvereinigung Thüringer Tonwerke G. m. b. H., Meiningen. 

41. Verkaufsvereinigung Lothringer Ziegeleien G. m. b. H., Metz. 

42. Münchener Ziegelei-Verein E.-V., München 1909. 

43. Vereinigte Ziegelwerke von München-Gladbach G. m. b. H., München- 

Gladbach 1910. 

44. Ziegel-Konvention für Neustadt und Umgebung, Neustadt i./S. 1909. 

45. Mittelbadische Ziegelverkaufsstelle G. m. b. H., Offenburg. 

46. Ziegel-Konvention für Pirna und Umgebung, Pirna 1908. 

47. Verkaufsvereinigung sächsisch -thüringischer Tonindustrieller der 

Saale- und Orlagegend G. m. b. H., Pößneck. 

48. Ziegel-Verkaufs-Verein Recklinghausen G. m. b. H., Reckling- 

hausen 1910. 

49. Verkaufsverein süddeutscher Ziegel werke G. m. b. H., Schorndorf 

(Württemberg). 

50. Ziegelverkaufsverein Siegerland G. m. b. H., Siegen. 

51. Ziegelverkaufsstelle Stuttgart G. m. b. H., Stuttgart 



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— XII — 

52. Verkaufsverein süddeutscher Ziegelwerke G. m. b. H., Stuttgart 1911. 

53. Vereinigte Ziegeleien von Tilsit, Ragnit und Umgegend G. m. b H 

Tilsit 1911. 

54. Vereinigte Ziegeleien und Kalksandsteinwerke G. m. b. H., Wilhelms- 

haven. 

55. Märkischer Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate G. m. b. H.. Witten- 

Ruhr 1905. 

56. Vertrag einer Ziegelei-Verkaufs-Vereinigung, Musterentwurf aus dem 

Tonindustrie-Kalender 1908 der Tonindustrie-Zeitung. 

57. Thüringer Ziegelstein-Syndikat G. m. b. H., Meiningen. 

58. Rheinisch-Westfälisches Ziegel-Syndikat G. m. b. H , Dortmund. 

59. Entwurf eines Gesellschafts- und Lieferungsvertrags zu einer allge- 

meinen Zusammenschließung der Ziegeleien des rheinisch-west- 
fälischen Industriebezirks, Dortmund 1910. 






ERSTER TEIL. 



Die rechtliche Organisaüon 



der 



Ziegel -Verkaufsvereinigungen, 



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1. Abschnitt. 

Die Reditsformen 
der Ziegel -Verkaufsvereinigungen. 

Wenn man die Ziegel-Verkaufsvereinigungen Deutsch- 
lands in Hinsicht auf ihre Rechtsfofmen betrachten will, er- 
scheint es zweckmäßig, sie zunächst in zwei Gruppen zu 
scheiden. Die erste Gruppe soll dabei die Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen umfassen, bei denen neben der auf Grund 
bestimmter als kartellartige gekennzeichneter Vereinbarungen 
errichteten Vereinigung als solcher eine selbständige Ver- 
kaufsstelle besteht; zur zweiten dagegen sollen die gehören, 
bei denen das Kartell an sich und die Verkaufsstelle in einer 
Gesellschaft vereinigt sind. Innerhalb der ersten Gruppe sind 
ferner die Vereinigungen, deren Verkaufsstelle durch eine 
schon vorhandene Firma verwaltet wird, zu trennen von 
denen, deren Verkaufsstelle in einer neuen Gesellschaft be- 
steht, die von den Mitgliedern des eigentlichen Kartells für 
die Übernahme der Verkaufsgeschäfte besonders gegründet 
worden ist. 




I. Die Rechtsformen der Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen mit selbständiger 

Verkaufsstelle. , 

A. Die Ziegel-Verkaufsvereinigungen, deren Verkaufs-^ 
stelle durch eine schon vorhandene Firma verwaltet 
wird. 

Wenn der Ziegeleibesitzerverband mit dem Verkauf 
seiner Erzeugnisse eine schon vorhandene, ihm nur irgend- 
wie nahestehende Firma betraut hat, ist nach den Ergeb- 



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nissen der jüngsten Literatur über die Rechtsformen der 
Kartelle mit Recht anzunehmen, daß die Ziegeleibesitzer unter 
sich in der Regel, d. h. wenn in den Satzungen nicht aus- 
drücklich eine andre Rechtsform als Gesellschaftsform der 
Vereinigung angegeben ist, einen nicht rechtsfähigen Verein*) 
bilden. Denn für diese Ziegel-Verkaufsvereinigungen trifft das 
zu, was nach außen den nicht rechtsfähigen Verein von der 
Gesellschaft des bürgerlichen Rechts unterscheidet: sie be- 
sitzen nicht nur eine selbständige Organisation (Vorstand, 
Hauptversammlung usw.) nach Art der Organisation einer 
juristischen Person, sondern sie können und sollen zugleich 
auch wie eine solche in den Rechtsverkehr treten.**) 

Ganz selten haben sich die Ziegeleibesitzer zu dem Kar- 
tell als solchem auch in der Form einer eingetragenen Ge- 
nossenschaft zusammengeschlossen, so z. B. die Besitzer der 
Vereinigten Ziegeleien in Breslau (1Q08— IQIO). 

Die Firma, der die Kartellgenossen dieser Ziegel-Ver- 
Icaufsvereinigungen ,die Aufgabe der Abwicklung ihrer Ver- 
kaufsgeschäfte übertragen haben, ist entweder die eines Kar- 
tellmitglieds, eines Ziegelhändlers oder eines Bankhauses. 

Ehirch ein Kartellmitglied wird unter andern die Ver- 
kaufsstelle der Vereinigten vier Vietzer Ziegeleien in Vietz 
an der Ostbahn und wurde bis zum Jahre 1912 auch die der 
Radeberger Ziegelkonvention in Radeberg i. S. verwaltet. 

Im ganzen genommen ist die Zahl der Fälle, wo die 
Geschäftsstelle des Kartells den Händen eines Mitglieds an- 
vertraut worden ist, nur sehr klein. Für eine solche Über- 
tragung spricht zwar, daß man dabei vor allem die Verwal- 
tung in durchaus sachkundigen Händen weiß. Doch zweierlei 
läßt sich auch gegen eine solche Wahl der geschäftsführenden 
Firma einwenden. Einerseits ist in diesem Fall stets ein per- 



*) über die Eintragungsfähigkeit und die zweckmäßige innere Ge- 
staltung dieser Vereine vgl. Dr. K. Wilke, „Der eingetragene Verein 
als Preiskonvention**, Tonindustrie-Zeitung, Jahrgang 1Q14, Nr. 12, 
S. 161 ff. 

**) Vgl. darüber: Flechtheim: Die rechtliche Organisation der 
Kartelle, Mannheim/Leipzig 1^12, insbesondere Seite 24 f. und 61. 



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sönHcher Einfluß des Inhabers der leitenden Firma auf die 
gesamte Geschäftsgebarung der Verkaufsstelle zu befürchten, 
so daß von den andern Ziegeleibesitzern bei irgendwelchen 
Anlässen, wie namentlich bei der Verteilung der Lieferungs- 
aufträge, gegen die Unparteilichkeit der Geschäftsführung 
Mißtrauen gehegt werden könnte. Anderseits besteht die Ge- 
fahr, daß eine nicht gänzlich unbeteiligte Firma damit rechnet, 
nach Auflösung des Kartells die Kunden, denen sie im Ge- 
schäftsverkehr persönUch nahe getreten ist, für ihr Unter- 
nehmen zu gewinnen. 

Die Mehrzahl der Ziegel-Verkaufsvereinigungen, die von 
der Gründung einer besondern Gesellschaft als Geschäfts- 
stelle haben absehen wollen oder, wie es meistens der Fall 
ist, noch aus andern, später zu erwähnenden Gründen haben 
absehen müssen, hat es daher vorgezogen, den Verkauf ihrer 
Erzeugnisse durch unbeteiligte Firmen betreiben zu lassen. 

Die Sicherheit für eine durchaus unparteiliche Behand- 
lung jedes Kartellmitglieds erreichten einige dieser Vereini- 
gungen schon dadurch, daß sie den Vertrieb durch Ziegel- 
händler besorgen ließen. So verfuhren z. B. die Zwickauer 
Ziegelkonvention in Zwickau (1900 — 1912) und die Vereinig- 
ten Ziegeleien, e. G. m. b. H. in Breslau (1908—1910). Beide 
Kartelle hatten die den Absatz der Ziegel ihrer Mitglieder 
übernehmenden Händlerfirmen durch notariellen Vertrag ver- 
pflichtet, nur Ziegel der kartellierten Unternehmer zu ver- 
kaufen, und zwar nur zu dem vom Kartell festgesetzten 
Preis*). 

Zumeist jedoch haben die zur Erörterung stehenden 
Ziegel -Verkaufsvereinigungen für ihre Vertretung andern 
gegenüber ein Bankhaus gewählt. Ein solches verbürgt ihnen 
nämlich nicht nur völlige Unparteilichkeit bei der Abwick- 
lung der Geschäfte ihren Gesellschaftern gegenüber, sondern 
auch eine gänzliche Gleichgültigkeit bezüglich ihres eigenen 
Unternehmens gegenüber der Kundschaft. Ein dritter Grund, 
der gerade für die Übertragung der Verwaltung der Ver- 



*) Vgl.: Die Kartellrundschau, 1908, Seite 294. 




— 6 — 



kaufsstelle an eine Bank spricht, hat uns später noch zu 
beschäftigen. 

Als besonders beachtenswertes Beispiel für diese Art 
der Geschäftsübertragung sei die Dresdner Ziegelkonvention 
genannt. Diese hat bei ihrer Erneuerung im Jahre 1907 die 
Allgemeine deutsche Creditanstalt in Dresden als Verwalterin 
ihrer Verkaufsstelle gewählt. Dieselbe Anstalt oder ihre 
Zweigstelle ist in gleicher Weise als Qeschäftsführerin der 
Ziegelkonventionen von Meißen, Kötzschenbroda, Pirna und 
Neustadt-Kamenz tätig. Als weiteres Beispiel dafür, daß eine 
Bank das Ziegelkartell als solches andern gegenüber vertritt, 
sei hier noch die Mauerziegel-Verkaufsvereinigung Riesa in 
Riesa erwähnt, die die Verwaltung ihrer Geschäftsstelle der 
Riesaer Bank, Aktiengesellschaft, übertragen hat. 

Während die bisher genannten Bankfirmen den Kartell- 
mitgliedern gegenüber als Selbstkontrahentinnen auftreten, 
vermittelt unter andern die Spar- und Kreditbank Mittweida 
den Verkauf der Erzeugnisse der Vereinigung der Ziegelei- 
besitzer von Mittweida und Umgegend nur als Kommis- 
sionärin. Ein gleiches Vertragsverhältnis besteht auch 
zwischen der Ziegeleivereinigung Oschersleben und der dor- 
tigen Zweigniederlassung der Mitteldeutschen Privatbank, 
Aktiengesellschaft, und zwischen den Vereinigten Ziegeleien 
in Freiberg i. S. und dem Freiberger Bankverein, Aktien- 
gesellschaft. — 

Die Übertragung des gemeinsamen Verkaufs an eine 
schon vorhandene Firma haben die Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen in der Regel dort gewählt, wo entweder nur eine 
kleine Zahl von Ziegeleibesitzern oder zwar an Zahl mehr, 
aber kapitalschwache Unternehmer kartelliert werden sollten. 
Denn dort mußten die Gründer unter Umständen gewärtig 
sein, daß die mit der Verwaltung einer selbständigen Ge- 
schäftsstelle verknüpften Unkosten auf die anzuschließen- 
den Berufsgenossen besonders stark belastend und vielleicht 
sogar von der Beteiligung am Kartell abschreckend wirkten. 
Das bedeutende Überwiegen gerade von Bankfirmen unter 
den von kapitalschwachen Ziegel-Verkaufsvereinigungen als 



< 



— 7 — 



l 4. 



Geschäftsführer gewählten Organen erklärt sich jedoch aus 
folgendem. 

Für kapitalschwache Verkaufskartelle, namentlich für die, 
deren Mangel an Arbeitskapital auf der geldlich gedrückten 
Lage ihrer Mitglieder beruht, kommt es nämlich bei der 
Wahl der Geschäftsstelle nicht nur auf die Gewißheit einer 
völligen Unparteilichkeit, die Vermeidung neuer Geschäfts- 
unkosten usw., sondern ganz besonders auch darauf an, daß 
-sie ihnen für die Abwicklung der An- und Verkaufsgeschäfte 
A^on vornherein eine geldlich gesicherte Grundlage bietet, 
d. h. daß sie jederzeit über ausreichende flüssige Geldmittel 
verfügt. Denn nur bei Erfüllung dieser Anforderung kann den 
Kartellgenossen unter allen Umständen der Vorteil wirklich 
geboten werden, der ihnen von allen Annehmlichkeiten, die 
sie sich von der Mitgliedschaft eines Verkaufskartells ver- 
sprechen, der hervorragendste scheint, nämlich die unbe- 
<lingt pünktliche und bare Bezahlung ihrer Lieferungen. Den 
Ziegeleibesitzern diesen Vorteil zu gewähren, vermag aber 
unter allen für die Geschäftsführung eines solchen Kartells 
in Frage kommenden kaufmännischen Einrichtungen am ehe- 
sten eine Bank. Sie hat stets flüssiges Kapital in Händen 
und kann daher die Forderungen der Mitglieder ihrer Auf- 
traggeberin nach Wunsch wöchentlich oder spätestens 
monatlich sofort in bar, nur unter Abzug einer verhältnis- 
mäßig geringen Provision begleichen. Da es ihr aus dem- 
selben Grunde für gewöhnlich auch leicht fällt, nötigenfalls 
den Käufern ein längeres Ziel zu gewähren, so kann sie die 
von den Kartellgenossen an sie gestellten Ansprüche zudem 
auch dann befriedigen, wenn der Gegenwert von den Ab- 
nehmern noch nicht eingegangen ist. 

Aus diesen besondern Vorzügen einer Bank erklärt sich 
also auch ihr verhältnismäßig häufiges Auftreten als ge- 
schäftsführendes Organ einer Ziegel-Verkaufsvereinigung. 



— 8 



r 



■\ 



B. Die Ziegel-Verkaufsvereinigungen, die für die Abwick- 
lung ihrer Verkaufsgeschäfte eine besondere Han^ 
delsgesellschaft gegründet haben. 

Bei den Ziegel-Verkaufsvereinigungen, die den Vertrieb 
ihrer Erzeugnisse durch eine von den Kartellgenossen be- 
sonders dazu errichtete und selbständig organisierte Handels- 
gesellschaft besorgen lassen, stehen die Ziegeleibesitzer als 
Mitglieder des Kartells an sich in dem Rechtsverhältnis einer 
Gesellschaft des bürgerlichen Rechts. Das findet seine Be- 
gründung insbesondere darin, daß es „geradezu ein Prinzip 
des ganzen Aufbaues (dieser Kartelle) ist, daß der Verkehr 
des Syndikats mit der Außenwelt von der zu diesem Zweck 
geschaffenen Handelsgesellschaft im eigenen Namen vor- 
genommen wird", während das eigentliche Kartell selbst 
hier nicht in den Rechtsverkehr treten soll*). 

Die Rechtsform der von den kartellierten Ziegelei- 
besitzern errichteten selbständigen Verkaufsstelle ist entweder 
die der Aktiengesellschaft oder der Gesellschaft m. b. H., 
wobei an Zahl die zweite Gesellschaftsform die erste aus 
Gründen, die in einem besondern Abschnitt besprochen wer- 
den sollen, bei weitem überwiegt. Als Aktiengesellschaft 
haben die unter sich im Rechtsverhältnis der Gesellschaft des 
bürgerlichen Rechts stehenden Ziegeleibesitzer ihre Verkaufs- 
stelle organisiert z. B. bei dem Dortmunder Verkaufsverein 
für Ziegeleifabrikate, Aktiengesellschaft, in Dortmund und 
dem Kölnischen Ziegelsyndikat, Aktiengesellschaft, in Cöln. 
Eine Gesellschaft m. b. H. ist dagegen die Geschäftsstelle der 
in derselben Weise vereinigten Ziegeleibesitzer beim Herner 
Verkaufsverein für Ziegeleifabrikate, Gesellschaft m. b. H., in 
Herne, bei der Oberrheinischen Backstein-Verkaufsstelle, Ge- 
sellschaft m. b. H., in Mannheim und vielen andern. 

Kann man bei der vorstehenden rechtlichen Organisation 
vielleicht mit Grund annehmen, daß beim Zustandekommen 
des ganzen Kartells sozusagen eine Doppelgründung vor sich 
gegangen ist : erst die der Gesellschaft des bürgerlichen Rechts 
für die eigentliche Kartellvereinigung, dann die der Handels- 



^) Vgl. Flechtheim: a. a, O. Seite 25. 



' - 9 - . 

gesellschaft für die Verkaufsstelle, so muß man doch unbe- 
dingt im Auge behalten, daß beide Gesellschaften nach außen 
hin stets als ein einheitliches Ganze auftreten und auch aufzu- 
treten wünschen. Die gemeinsame Verkaufsstelle, die hier als 
Geschäftsführerin des Kartells neben die Ziegel-Verkaufsver- 
einigung als solche tritt, ist nämlich im Grunde genommen 
nur ein die geschäftliche Tätigkeit ausübendes Organ des 
Kartells; sie ist demnach immer nur ein bloßes Mittel zum 
Zweck, nie aber Selbstzweck. Aus diesem Grund muß aber 
ebenso davor gewarnt werden, bei diesen Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen die Rechtsform der Verkaufsstelle auch für 
die des Kartells an sich zu halten. Eine solche Verwechslung 
liegt nämlich sehr nahe, da stets nur die Verkaufsstelle als 
„das Kartell'* in den Rechtsverkehr tritt. 



/ 



II. Die Rechtsformen der Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen, die zugleich ihre Verkaufs- 
stelle sind. 

Der größte Teil aller Ziegel-Verkaufsvereinigungen ist 
rechtlich so organisiert, daß ihre Gründer das eigentliche 
Kartell und die Verkaufsstelle in einer Gesellschaft vereinigt 
haben, daß also das Kartell selbst auch die Verkaufsstelle ist. 
Diese Vereinigung von Kartell und Verkaufsstelle in einer 
Gesellschaft hat man namentlich deshalb gewählt, weil man 
so durchsichtigere Rechtsverhältnisse erzielen zu können 
glaubt, als wenn man beide voneinander trennt. 

Als Rechtsform dieser Ziegel -Verkaufsvereinigungen 
kommen natürlich nur die Gesellschaften des Handelsrechts 
in Frage. Denn die Gesellschaft des bürgerlichen Rechts 
ist für sie wegen der bei ihnen unmittelbar mit dem Kartell 
verbundenen geschäftlichen Tätigkeit des Verkaufs ihrer ge- 
samten rechtlichen Struktur wegen als Rechtsform nicht ge- 
eignet. Der Verein aber scheidet deshalb aus, weil er, so- 
bald er seine Aufgaben unmittelbar auf einen wirtschaftlichen 
Geschäftsbetrieb, wie den gemeinsamen Verkauf, richten 
würde, zu einem wirtschaftlichen Verein werden, dann aber 



* ^ 



10 — 



2ur Erlangung der jetzt für die Abwicklung seiner Verkaufs- 
geschäfte unerläßlichen Rechtsfähigkeit der staatlichen Ge- 
nehmigung bedürfen und so in seiner Entstehung sehr be- 
hindert sein würde. 

Von den Rechtstypen der Handelsgesellschaften finden 
wir weiter nur die Aktiengesellschaft, die Gesellschaft mit be- 
schränkter Haftung und die eingetragene Genossenschaft 
unter diesen Ziegel-Verkaufsvereinigungen vertreten. Eine 
Aktiengesellschaft ist beispielsweise der Hallesche Verkaufs- 
verein für Ziegeleifabrikate, Aktiengesellschaft, in Halle a.S. 
Für die als Gesellschaft mit beschränkter Haftung organi- 
sierten Ziegel-Verkaufsvereinigungen seien unter überaus 
Vielen andern nur genannt: die Verkaufsgesellschaft Han- 
noverscher Ziegeleien, Gesellschaft m. b. H., in Hannover, 
das Ziegelsyndikat Aachen, Gesellschaft m. b. H., in Aachen 
und die Ringofenziegelei-Vereinigung Bochum, Gesellschaft 
m. b. H., in Bochum. Eingetragene Genossenschaften endlich 
sind z. B. die Ziegeleigenossenschaft in Königsberg i. Pr. 
und das Kartell der Vereinigten Ziegeleien zu Danzig in 
Danzig. 

Zahlenmäßig steht auch unter den als einheitliche Ge- 
sellschaft organisierten Ziegel -Verkaufsvereinigungen die 
Rechtsform der Gesellschaft m. b. H. an erster Stelle. Im 
ganzen, d. h. mit dem Fall, wo die Verkaufsstelle eine von 
dem Kartell als solchem getrennte selbständige Handels- 
gesellschaft ist, ist die Gesellschaft m. b. H. unter den etwa 
200 Ziegel -Verkaufsvereinigungen Deutschlands mit etwa 
^5 V. H. vertreten. Die Aktiengesellschaften und die ein- 
getragenen Genossenschaften machen dagegen zusammen nur 
etwa 5 V. H. aus. 



2. Abschnitt. 

Einige der wichtigsten Gründe für die Bevorzugung 
der Geselisdiaft m. b. H. als Reditsform einer 

Ziegel« Verkaufsvereinigung. 

Im folgenden soll mit einigen kurzen Bemerkungen das 
am Schluß des vorhergehenden Abschnitts in Zahlen wieder- 
gegebene große Überwiegen der Gesellschaften m. b. H. 
unter den Rechtsformen der Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
oder ihrer Verkaufsstellen erklärt werden. Wenn auch über 
die Frage der geeignetsten Rechtsform eines Kartells eine 
allgemein gehaltene Literatur schon reichlich vorhanden ist, 
so kommen doch gerade für ein Ziegelkartell noch einige 
besondre Gesichtspunkte in Betracht. So soll denn kurz 
gesagt werden, was hauptsächlich in erster Linie gegen die 
eingetragene Genossenschaft, dann aber auch gegen die 
Aktiengesellschaft als Rechtsform eines Kartells überhaupt, 
insbesondere aber eines Ziegelkartells spricht, und welche 
Vorteile dagegen die Gesellschaft m. b. H. bietet. 

Zuerst einige wichtige Gründe, die die eingetragene Ge- 
nossenschaft als Gesellschaftsform für eine Ziegel-Verkaufs- 
vereinigung ungeeignet machen: 

Jedes Mitglied einer eingetragenen Genossenschaft hat 
zunächst, ganz unabhängig von der Größe seines Betriebs, 
in der Gesellschafterversammlung nur eine Stimme. Die be- 
teiligten Genossen müssen also von fast gleicher wirtschaft- 
licher Stärke sein, wenn ihr Zusammenhalt nicht fortgesetzt 
unter Reibereien leiden soll. Nun hat zwar innerhalb der 
Bezirke, die für Ziegelkartelle allein in Betracht kommen, 



~ 12 



— 13 



zumeist ein ziemlich durchgreifender Größenausgleich unter 
den Betrieben stattgefunden. Aber dieser Ausgleich ist doch 
noch nicht so weit gediehen, daß jede Gefahr in der ange- 
deuteten Richtung ausgeschlossen wäre. Da aber auch sonst 
schon infolge der gerade bei den Ziegeleibesitzern oftmals 
sich widerstreitenden persönlichen Anschauungen in wirt- 
schaftlichen Fragen erst recht unter den Mitgliedern von 
Ziegelkartellen mit dem Zwecke des gemeinsamen Verkaufs 
zahlreiche Uneinigkeiten Anlaß zu innern Kämpfen geben, 
so macht die obige Bestimmung die eingetragene Genossen- 
schaft als Rechtsform einer Ziegel-Verkaufsvereinigung dop- 
pelt bedenklich. 

Zu Bedenken gegen die eingetragene Genossenschaft gibt 
ferner Grund die leichte Art, wie in dieser Gesellschaft 
der Austritt aus dem Vertragsverhältnis erwirkt werden kann. 
Jeder Genosse kann in der Regel ohne besondern Grund 
zu Beginn eines neuen Jahres ausscheiden, wenn er nur drei 
Monate vor dem Jahresschluß gekündigt hat. Diese Kün- 
digungsfrist kann allerdings vertraglich in einem für ein 
Kartell günstigem Sinn geändert werden, aber doch nur in 
sehr beschränktem Maße: sie kann nämlich auf höchstens 
zwei Jahre festgesetzt werden. Inwiefern aber gerade eine 
Ziegel-Verkaufsvereinigung, wenn ihre Mitglieder nur auf 
so kurze Frist gebunden werden können, niemals ihren Zweck 
mit dauerndem Erfolg erreichen kann, davon ist später noch 
einmal zu sprechen. Hier sei nur schon so viel gesagt, 
daß zwei Jahre höchstens dazu reichen, die bei der Grün- 
dung des Kartells zumeist mehr oder weniger im argen liegen- 
den Verhältnisse der Ziegeleibesitzer einigermaßen wieder 
in geordnete Bahnen zu bringen und so erst die Grundlage für 
ein weiteres gedeihliches Wirken der Vereinigung zu schaffen. 

Die eingetragene Genossenschaft ist weiter einer strengen 
Revisionspflicht unterworfen. Gerade einem Verkaufskartell 
aber ist jede Einmischung eines andern in seinen innern, 
Betrieb äußerst unangenehm. 

Schließlich macht noch die Rechtsform der eingetragenen 
Genossenschaft als Gesellschaftsform besonders eines Ziegel- 
kartells der Umstand in sehr vielen Fällen geradezu unmög- 



lich, daß die Zahl der Mitglieder einer Genossenschaft min- 
destens 7 betragen muß. Bei den Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen kommt es nämlich sehr häufig vor, daß die Anzahl 
der zu kartellierenden Ziegeleibesitzer, da diese sich stets 
nur auf einen engbegrenzten Bezirk verteilen, die vor- 
geschriebene Mindesthöhe nicht erreicht oder nur so dicht 
daran grenzt, daß möglicherweise der Austritt eines Mit- 
glieds die Auflösung der ganzen Genossenschaft notwendig 
macht. Hier sei als Beweis für die beschränkte Mitglieder- 
zahl zahlreicher Ziegel-Verkaufsvereinigungen die zeitige An- 
zahl der beteiligten Ziegeleien einiger solcher Kartelle des 
rheinisch-westfälischen Industriebezirks gegeben: die Ver- 
kaiifsvereinigung in Barmen-Rittershausen umfaßte zeitweilig 
nur 7 Ziegeleifirmen, die in Dülken 8, in Haspe 2, in 
Herne 8, Hilden-Benrath 5, Lüdenscheid 2, Velbert 3 usw. 
Man kann daraus ohne weiteres schließen, wie gering die 
Mitgliederzahl mancher Ziegelkartelle in den weniger in- 
dustriereichen und ausgesprochen ländlichen Bezirken des 
Nordens und Ostens Deutschlands ist. 

Die so besonders hervorgehobenen Bestimmungen aus 
dem Gesetz, betreffend die Erwerbs- und Wirtschafts- 
genossenschaften, begründen das äußerst seltene Vorkommen 
der eingetragenen Genossenschaft als Rechtsform einer Ziegel- 
Verkaufsvereinigung wohl zur Genüge*). 

Von den obigen Nachteilen der eingetragenen Genossen- 
schaft sind zwar die andern genannten Gesellschaftstypen 
des Handelsrechts: die Aktiengesellschaft und die Gesell- 
schaft m. b. H. beide vollständig frei. Insbesondre bietet 
jede von ihnen als Kapitalgesellschaft im Gegensatz zur ein- 
getragenen Genossenschaft als Personalgesellschaft ihren Mit- 
jgliedern nicht nur die Möglichkeit, sich völlig gemäß ihrem 
Interesse an der Kartellierung mit Kapital zu beteiligen, son- 
dern auch die, ihre Stimme ganz nach dem Verhältnis ihrer 
Leistungsfähigkeit in die Wagschale werfen zu können. 



*) Vgl. über die eingetragene Genossenschaft als Rechtsfonn 
einer Ziegel-Verkaufsvereinigung auch die Ausführungen bei Dr. 
L. Silberberg: Richtlinien für ZiegeleikarteUe, Berlin 1911, Seite 10 
bis 11, Verlag Tonindustrie-Zeitung. 



— 14 — 



Aber was begründet weiter die hervorragende Bevor- 
zugung der Gesellschaft m. b. H. nunmehr der Aktiengesell- 
schaft gegenüber? 

Das ist an erster Stelle der große Unterschied in der recht- 
lichen Beschaffenheit der Anteile dieser beiden Qesellschafts- 
foilnen. Hier die leicht bewegliche Aktie, dort der kraft 
zwingenden Rechts nur unter besonders erschwerten Vor- 
aussetzungen übertragbare Geschäftsanteil der Gesellschaft 
m. b. H. Die sonst große Beweglichkeit der Aktie haben 
zwar die Aktiengesellschaften unter den Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen heute sämtlich durch Einführung der Namens- 
aktie beschränkt, deren Veräußerung an die Genehmigung 
der Gesellschaft gebunden ist und notariell beglaubigt sein 
muß. So haben sie wenigstens eine erhöhte Sicherheit dafür 
erreicht, daß ihre Mitgliedschaft stets nur den Ziegelei- 
besitzern selbst vorbehalten bleibt. 

Doch den Vorteil, den die Aktiengesellschaft erst auf 
Umwegen, durch die Beschränkung der freien Veräußer- 
lichkeit der Anteile, erreicht, hat die Gesellschaft m. b. H. 
v«on vornherein und in gewisser Beziehung sogar in er- 
höhtem Maße. Denn ihre Geschäftsanteile sind für die Speku- 
lation gänzlich ungeeignet. Ihre Veräußerung kann nur durch 
einen in gerichtlicher oder notarieller Form getätigten Ver- 
trag geschehen. Zudem kann noch die Übertragung der An- 
teile der Gesellschaft m. b. H. vertraglich an die Genehmi- 
gung der Gesellschaft geknüpft werden, eine gesetzliche Be- 
fugnis, von der natürlich jede als Gesellschaft m. b. H. 
errichtete Ziegel-Verkaufsvereinigung Gebrauch macht. Ein- 
zelne Teile eines Geschäftsanteils, die vielleicht Gegenstand 
der Spekulation werden könnten, sind gesetzlich an diese 
Genehmigung gebunden. Alles das bietet der Gesellschaft m. 
b. H. im Gegensatz zur Aktiengesellschaft zunächst einmal 
die denkbar größte Gewähr dafür, daß ihre Anteile nicht 
zu spekulativer Ausnutzung in unbefugte Hände geraten, 
was begreiflicherweise jedes auskömmliche und erfolgreiche' 
Zusammenarbeiten unmöglich machen würde. 

Doch auch die Höhe der Geschäftsanteile der einzelnen 
Mitglieder läßt sich bei einer Gesellschaft m. b. H. in einem 



— 15 



der Leistungsfähigkeit jedes Werks mehr gerecht werden- 
den Maße festlegen als bei der Aktiengesellschaft. Als Ge- 
schäftsanteil einer Gesellschaft m. b. H. ist jede durch 100 
teilbare Summe zulässig. Die Aktiengesellschaft aber kann 
im besten Fall durch die erwähnte Beschränkung des Be- 
sitzüberganges ihrer Aktien eine Teilbarkeit durch 200 er- 
reichen. Diese Eigentümlichkeit der Gesellschaft m. b. H. 
ist gerade für eine Ziegel-Verkaufsvereinigung von ganz be- 
sonderer Wichtigkeit. 

Als weiterer Vorteil kommt der Gesellschaft m. b. H. 
zugute, daß ihr Gesellschaftsvertrag viel weniger an ge- 
setzliche Vorschriften gebunden ist, als der der Aktien- 
gesellschaft. Auch die Gründung der Gesellschaft geht weit 
einfacher vor sich, da keine Prüfung des Gründungshergangs 
durch Unbeteiligte erforderlich ist. Vor allem ist auch der 
Gründungsakt nicht mit so hohen Kosten verbunden wie der 
der Aktiengesellschaft. Nicht, als ob die Gründer einer 
Ziegel-Verkaufsvereinigung stets vor der Höhe dieser Kosten 
zurückscheuen müßten, wenn auch sie sehr oft noch neben 
allem andern gegen die Aktiengesellschaft sprechen mag. 
Aber diese Sonderausgaben erscheinen den sich kartellieren- 
den Ziegeleibesitzern zumeist gar nicht von vornherein als 
lohnend; denn ein Kartell wird niemals auf Dauer, sondern 
stets nur auf eine bestimmte, meist verhältnismäßig geringe 
Anzahl von Jahren geschlossen, und die in dieser kurzen 
Zeit erzielten Vorteile stehen unter Umständen in keinem 
^''erhältnis zu den für die Gründung gemachten Aufwen- 
dungen. 

Nicht zuletzt machen noch die zahlreichen allgemeinen 
Umständlichkeiten der Geschäftsführung einer Aktiengesell- 
schaft, wie besonders ihre große Öffentlichkeit, diese Ge- 
sellschaftsform bei allen Kartellen und so auch bei den Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen als Rechtsform sehr wenig beliebt; 
denn sie alle gewähren selten gern einem Außenstehenden 
einen Einblick in ihr inneres Getriebe. Der Gesellschaft m. 
b. H. dagegen ist weder die Veröffentlichung einer Bilanz, 
noch die Herausgabe von Geschäftsberichten gesetzlich vor- 
geschrieben. 



— IG — 

Schließlich steht an kaufmännischer Beweglichkeit, der 
Fähigkeit, geschäftliche Konjunkturen rasch und ergiebig aus- 
zunutzen, die Gesellschaft m. b. H. der Aktiengesellschaft 
um nichts nach. 

Aus all diesen Gründen erklärt sich die der Gesellschaft 
tti. b. H. in der Praxis zuteil gewordene Bevorzugung. 



Das bisher über die rechtliche Organisation der Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen Gesagte mag hier genügen. Wie die 
Ziegeleibesitzer als Mitglieder nur der äußern Rechtsform 
ihres Kartells oder der ihrer Verkaufsstelle, d. h. der Ge- 
sellschaft m. b. H. usw., ihre Gesellschafts Verhältnisse zu- 
einander geregelt haben, das soll hier, da darüber eine ein- 
gehende Schrift*) bereits vorliegt, nicht weiter erörtert 
werden. Es sei nur kurz erwähnt, daß die darauf gerich- 
teten Abmachungen sich im großen und ganzen auf Bestim- 
mungen über Gesellschafts-Firma, -Zweck, -Organe**), -Ka- 
pital usw. beschränken, wie sie unter Umständen für den Ver- 
trag einer der oben besprochenen Gesellschaftsformen vom 
Gesetz vorgeschrieben sind. Sie sind zumeist ziemlich 
schematisch und nötigenfalls in strenger Anlehnung an die 
entsprechenden Paragraphen der einschlägigen Gesetze ab- 
gefaßt. Diese rein formal-juristischen Bestimmungen sind 
übrigens in der Regel auch dann, wenn die Ziegel-Verkaufs- 
vereinigung als eine Gesellschaft organisiert ist, in den 
Satzungen zu einem in sich geschlossenen Ganzen zusammen- 
gefaßt. Sie bilden dann allein den Inhalt des eigentlichen 
Gesellschaftsvertrags, also des Vertrags des Kartells nur 
als einer Gesellschaft m. b. H. usw. Die von den Kartell- 



*) Dt. Ludwig Silberberg: Richtlinien für Ziegeleikartelle, Ber- 
lin 1911. 

**) Dazu sei bemerkt, daß die als Gesellschaft m. b. H. organi- 
sierten Ziegel-Verkaufsvereinigungen, sobald sie größer sind, audi 
einen Aufsichtsrat haben, obwohl sie gesetzlich nicht dazu ver- 
pflichtet sind. Denn es hat sich bei ihnen stets die Notwendigkeit 
eingestellt, neben dem Geschäftsführer und der Hauptversammlung 
noch ein Organ zu haben, das sozusagen die konzentrierte Gesdl- 
sdhafterversammlung ist. 



i 



— 17 ~ 

genossen über Erzeugung, Preis und Absatz getroffenen Ver- 
einbarungen sind sodann ebenfalls in einem besondem Ver- 
trag, dem sogenannten „Lieferungsvertrag''*), niedergelegt 
Der Inhalt nur dieses Sondervertrags, der die in irgend- 
einer der oben behandelten Gesellschaftsformen errich- 
tete Verkaufsvereinigung erst als ein Kartell kennzeichnet 
und die Mittel und Wege zeigt, mit denen die MitgHeder den 
wirklichen Zweck ihrer Vereinigung zu erreichen suchen, soll 
Gegenstand der weitern Ausführungen sein. 



*) über den redhtlichen Charakter dieses Lieferungsvertrags 
vgl.: Flechtheim: a. a. O. Seite 81 ff. 








ZWEITER TEIL 



Die wirfschafilidie Organisation 



der 



Ziegel - Verkaufsvereinigungen. 



1. Abschnitt 






Die Regelung der Erzeugung. 

I. Die Leistungsfähigkeit der Betriebe und die 
Beteiligungsziffer der Ziegeleibesitzer. 

Der unmittelbare Gesellschaftszweck einer Ziegel-Ver- 
kaufsvereinigung ist zwar der Alleinankauf und Allein- 
verkauf der kartellierten Ziegeleierzeugnisse. Erklärlicher- 
weise kann jedoch dieser gemeinsame Ankauf und Verkauf 
der Erzeugnisse nur dann zweckentsprechend durchgeführt 
werden, wenn zuvor Erzeugung und Preise gleichmäßig ge- 
regelt worden sind. Hier liegen demnach die wichtigsten 
Aufgaben, die das Kartell als Vorbedingung eines erfolg- 
reichen Wirkens vor allem andern zu erledigen hat. 

Um ferner die Regelung der Erzeugung wirkungsvoll 
durdiführen zu können, bedarf es zunächst einer sachgemäßen 
und in jeder Beziehung gerechten Einschätzung der Lei- 
stungsfähigkeit der einzelnen Betriebe. Eine allen Anforde- 
rungen entsprechende Erledigung dieser Arbeit ist nicht nur 
für den gesamten Innern Geschäftsbetrieb der Verkaufs- 
stelle, sondern auch für den Bestand der Vereinigung als 
solcher von größter Bedeutung. Denn der Umfang der 
Leistungsfähigkeit bildet nicht nur die Grundlage für die 
Berechnung der Höhe der Kapitaleinlage der einzelnen kar- 
tellierten Ziegeleibesitzer, sondern ist auch gleichbedeutend 
mit ihrer in Ziegeln ausgedrückten Beteiligung an der Ge- 
samterzeugung des Kartells, d. h. mit ihrer .Beteiligungsziffer. 
Nach der Beteiligungsziffer richtet sich wiederum die so- 



— 22 — 

genannte Lieferberechtigung, das ist das Kontingent jedes 
Werks und bedeutet den prozentischen Anteil des einzelnen 
an der kontingentierten Gesamterzeugung, d. h. an dem vor- 
aussichtlichen Gesamtjahresabsatz. Nach der Lieferberechti- 
gung schließlich richten sich die Verteilung von Überschuß 
und Verlust und alle sonstigen Verrechnungen, die im Ge- 
schäftsbetrieb der Verkaufsstelle vorkommen. 



A. Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit oder die 
Festsetzung der Beteiligungsziffer. 

1. Die Merkmale für die Einschätzung der Lei- 
stungsfähigkeit. 

So wichtig eine richtige Einschätzung der einzelnen Be- 
triebe zur Festsetzung ihrer Beteiligungsziffer für die Ziegel- 
Verkaufsvereinigung ist, ebenso zahlreichen Schwierigkeiten 
begegnet sie. Daher ist auch nicht nur eine Art der Ein- 
schätzung für sämtliche Verkaufsvereinigungen maßgebend 
geworden, sondern man hat die verschiedensten Versuche 
gemacht, um zu einem möglichst vollkommenen und zu- 
gleich befriedigenden Ergebnis zu gelangen. 

Hier sollen jedoch nicht alle die verschiedenen Bestim- 
mungen wiedergegeben werden, die den Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen in den mannigfachsten Zusammenstellungen als 
Richtlinien bei der Ermittlung der Höchstleistung ihrer Kartell- 
werke gedient haben und noch dienen. Dies ist zum größten 
Teil auch schon vor einer Reihe von Jahren in einem Aufsatz 
des verstorbenen Geschäftsführers des Verbands deutscher 
Tonindustrieller, Dr. Fiebelkorn (Berlin), in der Kartellrund- 
schau*) geschehen. Es sollen im folgenden vielmehr nur die 
Grundsätze erörtert werden, die für die Regelung der vor- 
liegenden Frage hauptsächlich leitend geworden sind. Da- 
bei kommen in erster Linie drei Ermittelungsarten in Be- 
tracht, auf denen sich sämtliche andern Verfahren mit allen 



*) Die Kartellnindsc^hau, Jahrgang I, Heft 14: Dr. Fiebelkorn, Die 
Verträge der deutschen Ziegelverkaufsvereinigungen. 



— 23 — 

ihren größern oder kleinern Abweichungen aufbauen: 
Die Leistungsfähigkeit einer Ziegelei kann festgestellt wer- 
den: erstens auf Grund der ordnungsmäßig geführten 
Bücher; zweitens durch Aufmaß der Ringöfen, wobei man 
sich entweder mit diesem Aufmaß begnügt oder zur Prü- 
fung seines Ergebnisses auch noch ein Aufmaß einzelner 
oder sämtlicher sonstwie für die Ziegelherstellung notwen- 
digen Anlagen vornimmt; drittens durch Probebrand, Probe- 
trocknen und Probestreichen oder Probepressen. 

Wird das erste Verfahren angewandt, so gilt als Lei- 
stungsziffer in der Regel der Durchschnitt der nach den 
Geschäftsbüchern in den letzten 2, 3 oder 5 Jahren her- 
gestellten Ziegel. Diese Durchschnittsziffer wird unter Um- 
ständen ergänzt und befestigt durch ehrenwörtliche Aussagen 
des Ziegeleibesitzers darüber, wie groß der Absatz ist, den 
er für sich im kommenden Jahr erwartet, wie er demgemäß 
seine Einrichtungen getroffen, und allenfalls noch, welche 
Lieferungsabschlüsse er schon vorliegen hat. 

Erweisen sich die Bücher und der gesamte übrige Be- 
trieb des Ziegelwerks als ordnungsmäßig geführt, was von 
berufener Seite auf den ersten Blick leicht erkannt werden 
kann, so ist diese Berechnungsart der Höchstleistung die be- 
quemste und sicherste zugleich. Was sich zahlenmäßig aus 
den Büchern, vielleicht auch noch aus den Meisterabrech- 
nungen und sonstigen Geschäftspapieren feststellen läßt, das 
kann einerseits die Verkaufsstelle ohne Bedenken als maß- 
gebend annehmen, und dagegen kann anderseits das Kartell- 
mitglied selbst niemals begründeten Einspruch erheben. Nach 
Möglichkeit sollte daher dies Ermittlungsverfahren überall 
angewandt werden. Aber leider hat es sich in der Praxis, 
zum mindesten als einziges, in den meisten Fällen als durch- 
aus unzulänglich erwiesen. Denn es begründet sich nur auf 
schriftliche Belege und mündliche Aussagen des Ziegelei- 
besitzers und somit letzten Endes auf seine Zuverlässigkeit. 
Als aber in der Ziegelindustrie die ersten Verkaufsvereini- 
gungen ins Leben traten, offenbarte die Einrichtung des ge- 
meinsamen Vertriebs der Waren in der kaufmännischen Füh- 
rung unzähliger Werke zahlreiche grobe Mißstände. Wo 



— 24 — 



— 25 — 



wirklich eine kaufmännische Buchführung vorhanden war, da 
konnte aus ihr doch nur ganz selten die tatsächliche An- 
zahl der hergestellten Ziegel befriedigend und glaubwürdig 
nachgewiesen werden. So mußte man in diesen Ziegel-Ver- 
kaufsvereinigungen, wenn es nicht schon von vornherein 
geschehen war, sehr bald von der buchmäßigen Feststellung 
d^r Leistungsfähigkeit wieder abstehen. Doch auch heute 
noch, wo die kaufmännische Einrichtung der Ziegeleibetriebe 
an Ordnungsmäßigkeit und Zuverlässigkeit, gewiß nicht zu- 
letzt dank dem Vorgehen der Ziegelkartelle, beträchtlich zu- 
genommen hat und zweifellos fast durchweg gut ist, ent- 
schließt man sich ungern zu diesem Ermittlungsverfahren, 
Einerseits ist es durch seine frühere Unzuverlässigkeit un- 
gebräuchlich geworden, anderseits aber wird seine Anwen- 
dung durch das Mißtrauen der Berufsgenossen untereinander 
verhindert. Eine gewisse Scheu der Ziegeleibesitzer, sich 
von andern eingehender, als es ihnen zur allgemeinen Über- 
wachung des Geschäftsgebarens durch die Verkaufsstelle 
nötig dünkt, in die Bücher sehen zu lassen, ist immer noch 
nicht verschwunden. Zu allem aber läßt sich schon seit 
Jahren aus der tatsächlichen Herstellung von Ziegeln auf 
die höchste Leistungsfähigkeit der Werke kaum noch un- 
mittelbar schließen, da alle Ziegeleibesitzer ihre Erzeugung 
"wegen der großen Übererzeugung auch schon vor ihrem 
Anschluß an die Verkaufsvereinigung mehr oder weniger 
haben einschränken müssen. 

In der Regel biWet daher zurzeit das Aufmaß der Ring- 
öfen mindestens die Grundlage für die Berechnung der Lei- 
stungsfähigkeit und damit der Beteiligungsziffer der Werke. 
Die Anzahl der Ziegel, die in einem Ringofen während einer 
Calmpagne gebrannt werden kann, wird dabei nach dem 
Kubikinhalt des Ofens und der durchschnittlichen Anzahl 
der Um- oder Rundbrände bemessen. Bei der Berechnung 
des Kubikinhalts eines Ofens wird als Länge die Mittellinie 
des Brennkanals, als Höhe die Entfernung von der Sohle 
bis zur halben Höhe der Wölbung gerechnet. Auf den 
Kubikmeter des Kubikinhalts kommen für jeden Brand 270 
bis 300 Stück Ziegel deutschen Reichsmaßes = 25 :12:6,5 cm. 



Für Ziegel andern Maßes wird die Zahl besonders berech- 
net. Man rechnet z. B. große Hamburger Geestziegel (22 
: 10,5: 6,5 cm) 450, kleine Hamburger Geestziegel (18:8,6 
:4,6 cm) 600, Ziegel in Kieler Maß (23:11:5,5 cm) 450, in 
preußischem Klostermaß (28,5:13,5:8,5) 180, in sächsischem 
Maß (25:12:7) 290 Stück auf den Kubikmeter*). 

Die Zahl der Um- oder Rundbrände wird zumeist auf 
{durchschnittlich 20 für das Jahr angenommen, wobei ein 
täglicher Brennfortschritt von 7 — 8 m zugrunde gelegt ist. 

Bei der Einschätzung einer Ziegelei nach dem Auf- 
maß des Ringofens wird aber sehr oft noch darauf ge- 
achtet, ob auch die sonstigen Betriebsanlagen der Leistungs- 
fähigkeit des Ofens entsprechen, d. h. ob sie mehr oder 
weniger Ziegel zum Brande vorbereiten können, als der Ofen 
brennen kann. So wird in erster Linie die Aufnahmefähig- 
keit der Trockenanlagen mit der Brennmöglichkeit des Ofens 
verglichen. Sie wird nach dem Flächeninhalt der Trocken- 
schuppen oder nach der Größe und Anzahl der Trocken- 
gerüste bemessen. Die Anzahl der Trocknungen in der 
Campagne richtet sich danach, ob Luft- oder Ofentrocknung 
gebräuchlich ist. Begnügt man sich mit dieser Vergleichung, 
so gilt, wenn die Trockenleistung geringer ist als die Ofen- 
leistung, die Trockenleistung, wenn sie größer ist, die Ofen- 
leistung als höchste Leistungsfähigkeit. 

Sehr viele Ziegel-Verkaufsvereinigungen unterziehen 
aber zur Vergleichung mit der Höchstleistung der Brenn- 
öfen auch noch die Leistungsfähigkeit einiger andrer Fabri- 
kationseinrichtungen des Ziegelwerks einer strengen Prüfung 
und Berechnung: Es sind dies bei Handstrichbetrieben die 
in diesem Fall meist durch Pferde getriebenen Göpelton- 
schneider und die Streichtische, bei Maschinenziegeleien die 
Dampftonschneider und die Ziegelpressen. Bei den Göpel- 
•werken und den Streichtischen wird nach ihrer Anzahl, bei 
den Dampftonschneidern und den Ziegelpressen nach der 
sie treibenden Dampfkraft eine durchschnittliche Tages- 
leistung bei meist zehn- bis zwölfstündiger Arbeitsdauer be- 



") Weitere Maße vgl. Tonindustrie-Kalender 1915, II. Teil, S. 15 ff. 




— 26 — 

rechnet. Diese Tagesleistung wird vervielfacht mit der für 
den entsprechenden Teil der Ziegelherstellung üblichen An- 
zahl von Arbeitstagen und so die Jahreshöchstleistung der 
Tonschneider usw. festgestellt. Bei der Vergleichung der 
Leistungsfähigkeit der Tonschneider usw. mit der der Ring- 
öfen wird dann wiederum die jeweils geringere als die Höchst- 
leistung des ganzen Werks angenommen, die seine Beteili- 
gungsziffer bestimmt. 

In der Theorie mag es sehr einfach erscheinen, auf Grund 
und durch Vergleichung der ziffernmäßigen Leistungsfähig- 
keit der einzelnen Anlagen die tatsächliche Höchstleistung 
des ganzen Betriebs festzustellen. In der Praxis aber be- 
gegnet dies Verfahren oft zahlreichen Schwierigkeiten. Beim 
Ringofen zunächst kommt es darauf an, daß er richtig kon- 
struiert ist, d. h. daß seine Abmessungen im entsprechenden 
Verhältnis zueinander stehen. Für die Arbeitskraft der Ton- 
schneider und Formgeber ist die Beschaffenheit des Tons 
sehr wichtig. Für die Leistung der Trockeneinrichtungen 
enldlich ist die örtliche Lage der Ziegelei bisweilen von 
großer Bedeutung: Die Plätze und Gerüste müssen der Ein- 
wirkung der Luft gleichmäßig ausgesetzt sein, und kein an- 
liegender Bergabhang oder sonstiger Widerstand darf die 
Lüftung der Ziegel behindern. Kurz: Anlagen, die der 
äußern Berechnung nach eine völlig gleichmäßige Leistung 
erwarten lassen, können in Wirklichkeit infolge der mannig- 
fachsten Umstände ganz Verschiedenes leisten. Da aber 
außerdem vielerorts noch Handstrich- und Maschinenziege- 
leien nebeneinander bestehen, woraus sich ebenfalls Ver- 
schiedenheiten in der tatsächlichen Leistung ergeben können, 
erklärt es sich leicht, daß in der Tat oft genug falsche oder 
ungerechte Berechnungen der Beteiligung vorkommen. 

So wird eine weitere Einschätzungsart verständlich, die 
vor allem von den Ziegel-Verkaufsvereinigungen gewählt 
worden ist, die bei der Bemessung der Höchstleistung nach 
dem Aufmaß der Fabrikationseinrichtungen mit den ange- 
deuteten Schwierigkeiten hätten rechnen müssen. Sie be- 
gnügt sich nicht mit einer theoretischen Einschätzung der 
Leistungsfähigkeit des Werkes, sondern schreibt Probebrände, 



— 27 



Probetrocknen und Probestreichen oder Probepressen vor. 
Dabei wird der Probebrand meist drei Monate lang über- 
wacht und die Arbeitsleistung der Trockenanlagen und der 
Formgeber durch eine mehrtägige oder mehrstündige Be- 
obachtung festgestellt. 

Bei dieser probeweisen Inbetriebsetzung aller Fabri- 
kationseinrichtungen bleiben, wenn man sich mit nur einem 
Ermittlungsverfahren begnügen will, neben der buchmäßigen 
Einschätzung der Werke Irrtümer und Ungerechtigkeiten am 
ehesten ausgeschlossen. Voraussetzung dabei ist natürlich, 
daß die probeweise Inbetriebsetzung unter der Aufsicht 
durchaus sachkundiger Leute geschieht, und daß vor allem 
während des Probebrands die gesamte Bedienung der Ring- 
öfen fachgemäß und scharf überwacht wird. Doch auch bei 
diesem Verfahren hat sich im Laufe der Zeit ein aus Un- 
achtsamkeit bisher nicht beachteter Umstand bemerkbar ge- 
macht, der seine Zuverlässigkeit beeinträchtigt. Wenn näm- 
lich auch die Einrichtungen jedes Betriebs während der Probe- 
zeit auf ihre größte Ausnutzung gestellt zu werden pflegen, 
so hängt diese letzten Endes doch noch von einem äußern 
Faktor, dem Leiter des Werks, ab. Je nachdem, wie er zu 
wirtschaften versteht, wird die tatsächliche Leistungsfähig- 
keit der Ziegelei bei der Abnahme der Betriebsanlagen 
seitens der Verkaufsstelle mehr oder weniger genau hervor- 
treten. Versieht ein unfähiger Werkleiter während der Zeit, 
in der die Ziegelei unter der Aufsicht des Kartells arbeitet, 
irgendwo die volle Nutzbarmachung eines Teils der ihm zu 
Gebot stehenden Vorrichtungen, dann muß die ermittelte 
Leistungsfähigkeit hinter der tatsächlichen ziffernmäßig zu- 
rückbleiben. Aus diesem Fehler aber erwächst dem betreffen- 
den Werk ein empfindlicher Nachteil, sobald die Verkaufs- 
vereinigung eine Einschränkung der Erzeugung verfügt. Es 
kann dann nämlich in seiner Versandbeteiligung durch die 
Einschränkung so beschnitten werden, daß vielleicht sein 
ganzes Bestehen in Frage gestellt wird ; denn der unbenutzte 
Teil seiner Anlagen wird jetzt so groß, daß seine gesamten 
Herstellungskosten! über das Maß emporschnellen. — 

Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit eines Ziegel- 



28 — 



29 — 



Werks nach nur einem der besprochenen Verfahren kann 
nach allem Gesagten in der Regel nur dann zu einem zu- 
verlässigen Ergebnis führen, wenn die Ziegel-Verkaufsver- 
einigung mit einer langjährigen Erfahrung arbeitet; für eine 
junge Vereinigung dagegen ist die Anwendung nur eines 
Ermittlungsverfahrens nur bei gänzlich klarer Sachlage zu 
empfehlen. Daher haben nicht wenige Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen, um von vornherein bei der Einschätzung Un- 
genauigkeiten wenigstens bis zu einem Mindestmaß auszu- 
schHeßen, den Weg zu einem zusammengesetzten Verfahren 
gefunden. Dies besteht in einer gleichzeitigen Anwendung 
mehrerer der genannten Verfahren und ermöglicht dadurch, 
Fehler der einen Berechnungsart durch eine zweite oder auch 
noch dritte sofort auszugleichen. So wird die Beteiligungsziffer 
der Ziegeleibesitzer beispielsweise in der Weise festgestellt, 
daß „1. die Zahl der Formlinge, die mit den Betriebsein- 
richtungen, dem vorhandenen Belag und den vorhandenen 
Trockeneinrichtungen in einem Betriebsjahr fertig gestellt 
werden können; 2. die Zahl der Ziegel, die nach der Größe 
der Öfen in einem Jahre gebrannt werden können, und 3. die 
Zahl der durchschnittlich in den letzten drei Betriebsjahren 
gebrannten Ziegel zusammengezählt werden und die sich er- 
gebende Summe durch drei geteilt und nach unten hin zu 
vollen oder halben Millionen abgerundet wird.***) Dies Ver- 
fahren, das also eine theoretische Berechnung nach dem Auf- 
maß der wichtigsten Fabrikationseinrichtungen mit einer 
buchmäßigen verbindet, war die Einschätzungsweise der im 
Jahre 1901 aufgelösten Stettiner Ziegel-Verkaufsvereinigung. 

Bei einem andern, als besonders zuverlässig erkannten, 
zusammengesetzten Verfahren nimmt man neben einer prak- 
tischen Berechnung der Höchstleistung eines Werks durch 
Probebrand usw. eine buchmäßige Schätzung vor. Bei der 
zur Ermittlung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit nötigen 
Vergleichung der Ergebnisse dieser beiden Berechnungsarten 
gilt als Ergebnis der buchmäßigen Schätzung die Durch- 
schnittszahl der letzten drei Jahreslieferungen. Diese kann 



4 



jedoch in ihrer tatsächlichen Höhe nur dann in Rechnung 
gestellt werden, wenn der Betrieb in drei Jahren unter regel- 
rechten Umständen gearbeitet hat. Jeder Ziegeleibesitzer 
hat aber in den letzten Jahrzehnten auch ohne Verkaufsver- 
einigung schon freiwillig seine Erzeugung mehr oder weniger 
eingeschränkt. Dieser Rechenfehler wird folgendermaßen 
ausgegUchen; Man setzt die Gesamtlieferung und die Ge- 
samtleistungsfähigkeit aller Ziegeleien des Vertragsgebiets 
während der der Berechnung untergelegten Jahre zueinander 
ins Verhältnis. Danach berechnet man in Prozenten die ge- 
samte freiwillig vollzogene Erzeugungseinschränkung. Er- 
gibt sich idann, daß /der Gesamtversand in den herangezogenen 
Jahren beispielsweise nur 50 v. H. der gesamten Leistungs- 
fähigkeit betragen hat, so wird die durchschnittliche Jahres- 
versandziffer doppelt in die Berechnung der Höchstleistung 
eingestellt. 



*) Tonindustrie-Zeitung, 1900, Nr. 31, Seite 392. 



2. Die mit der Einschätzung der Leistungsfähigkeit 
betrauten Personen. 

Den Ziegeleibesitzern selbst wird die Einschätzung ihrer 
Leistungsfähigkeit nur zuweilen überlassen. Es geschieht 
dies wohl in den Ziegel -Verkaufsvereinigungen, die nur 
wenige Werke umfassen, da man sich in ihnen zumeist mit 
denkbar großer Sicherheit auf die Richtigkeit einer Selbst- 
einschätzung verlassen kann. Denn hier vermag meist jeder 
Ziegeleibesitzer von seinem Berufsgenossen ziemlich genau 
zu beurteilen, wieviel Ziegel er im Höchstfall herstellen kann. 
Da man aber trotz dieser gegenseitigen Überwachung leider 
oft erfahren hat, daß ein Kartellmitglied die Leistungsfähig- 
keit seines Werkes aus erklärlichen Gründen viel zu hoch 
# angegeben hatte, ist die Anerkennung der Selbsteinschätzung 
auch dort in der Regel von vornherein von dem Ausfall einer 
Begutachtung durch einen besondern Ausschuß abhängig 
gemacht. 

In der Regel aber wird die Leistungsfähigkeit der einzelnen 
Betriebe sofort und allein durch einen besondern Ausschuß 
ermittelt. Dieser Einschätzungsausschuß wird jährlich von 




I ' 



— 30 ^ 

der Versammlung der Ziegeleibesitzer gewählt und bei ein- 
tretendem Bedarf von der Geschäftsführung zur Ausübung 
seiner Tätigkeit berufen. Er besteht zumeist aus drei bis 
fünf Personen, unter denen mindestens ein Ziegeleibesitzer, 
ein kaufmännischer Vertreter der Verkaufsstelle als solcher 
und ein unbeteiligter Sachverständiger ist. Einer durchaus 
sachlichen und sachgemäßen Einschätzung kommt man auf 
diesem Wege am nächsten. 

Das Ergebnis der Einschätzung bedarf in jedem Fall der 
Bestätigung durch die Ziegeleibesitzerversammlung. Wenn 
in ihr irgend jemand gegen den Spruch des Ausschusses Be- 
schwerde erhebt, so findet sehr oft zunächst eine zweite 
Feststellung durch den zuständigen Ausschuß statt. Wird 
auch durch die wiederholte Ermittlung eine Verständigung 
nicht erzielt, so tritt ein Schiedsgericht (Berufungsausschuß) 
als letzte Instanz in Tätigkeit. Als Schiedsrichter sind stets 
Mitglieder beider Parteien tätig, sowie besonders noch ein 
unbeteiligter sachverständiger Obmann. Das Schiedsgericht 
kann zuweilen auch sofort, also ohne wiederholte Ein- 
schätzung des ständigen Ausschusses, um seine Entscheidung 
angegangen werden. Dem Spruch des Schiedsgerichts muß 
sich der Beschwerde führende Teil auf jeden Fall fügen. Der 
einzelne Ziegeleibesitzer erkennt schließlich die ermitteltq 
Leistungsfähigkeit seines Werkes an durch Unterzeichnung 
des Lieferungsvertrags. 

Der Ausschuß wiederholt die Einschätzung der einzelnen 
Werke in der Regel jährlich. Dies Verfahren ist auf jeden 
Fall der seltenern einmaligen Einschätzung für die Dauer 
des Vertrags vorzuziehen. Denn wenn auch dem Gesell- 
schafter eine Ausdehnung seines Unternehmens durch An- 
lage weiterer Öfen, wie sich zeigen wird, in den meisten 
Verkaufsvereinigungen untersagt ist, so unterliegt die In-* 
betriebnahme neuer verbesserter Maschinen oder sonstiger 
Einrichtungen diesem Verbot doch nur sehr selten. Mit der 
Einführung solcher Verbesserungen ist aber sehr oft eine Er- 
höhung der Leistungsfähigkeit des Werks verbunden. Wenn 
also die Höchstleistung einer Ziegelei nur einmal, bei ihrer 
Aufnahme in die Gesellschaft, ermittelt wird, so müssen sich 



— 31 — 

während der Vertragsdauer bei vielen Werken unbedingt 
Unterschiede einstellen, die aber im Interesse des Kartells auf 
jeden Fall vermieden werden müssen. 



B. Das Verhalten der Ziegel -Verkaufsvereinigungen 
gegenüber Änderungen in der Leistungsfähigkeit und 
daraus sich ergebenden Anträgen auf Änderungen 
in der ursprünglichen Beteiligungsziffer. 

Die für ein Kartell so wichtige Frage, wie es sich gegen- 
über Änderungen in der Leistungsfähigkeit und daraus sich 
ergebenden Anträgen der Mitglieder auf Änderungen in der 
ursprünglichen Beteiligungsziffer verhalten soll, hat in den 
Ziegel-Verkaufsvereinigungen eine für sie besonders kenn- 
zeichnende Regelung gefunden. 

Eine Änderung in der Leistungsfähigkeit eines Ziegelei- 
besitzers und ein darauf fußender Antrag auf Änderung der 
Beteiligungsziffer kann durch drei Vorgänge verursacht wer- 
den: erstens durch die Veräußerung oder Verpachtung eines 
Kartellwerks oder eines Teils von ihm, zweitens durch den 
Erwerb eines schon vorhandenen, aber außerhalb des Kar- 
tells stehenden Werks durch ein Kartellmitglied und drittens 
durch die Anlage neuer Öfen innerhalb eines Kartellbetriebs, 

Wenn ein Mitglied einer Ziegel -Verkaufsvereinigung sein 
Werk im ganzen oder zum Teil verkaufen oder verpachten 
und sich dadurch seiner Beteiligungsziffer ganz oder teil- 
weise entäußern will, darf es dies durchweg nur unter der 
Bedingung tun, daß der Erwerber oder Pächter ausdrücklich 
auch alle mit dem Besitz der Ziegelei verbundenen Rechte und 
Pflichten dem Kartell gegenüber übernimmt. Schärfere Ver- 
fügungen sind in diesem Falle unnötig. Denn die Höhe der 
Gesamtbeteiligung des Kartells bleibt bei solchen Handlungen 
seiner Mitglieder unberührt; es findet vielmehr nur innerhalb 
ihrer eine Verschiebung einer Teilbeteiligung von einem alten 
Kartellmitglied auf ein neues statt, deren Umfang von dem 
Inhalt des Kauf- oder Pachtvertrags abhängt. Nur zuweilen 
wird die obige Bestimmung noch durch eine Konkurrenz-^ 



— 32 — 

klausel verschärft. Diese verbietet einem durch Verkauf oder 
Verpachtung seines Betriebs ausgeschiedenen Mitglied bei 
Strafe, während einer vertragUch festgesetzten Zeit nach 
seinem Austritt zu der Vereinigung irgendwie in Wettbewerb 
zu treten. 

Will aber ein Gesellschafter seine Leistungsfähigkeit und 
damit seine Beteiligungsziffer durch den Erwerb einer außen- 
stehenden Ziegelei innerhalb des Vertragsgebiets oder durch 
die Beteiligung an einer solchen erhöhen, so hat er dazu die 
ausdrückliche Genehmigung des Kartells einzuholen. Diese 
wird zumeist erteilt, da die Verkaufsvereinigung so ohne 
Schwierigkeiten und Kämpfe einen Außenseiter beseitigen 
und den Umfang der von ihr überwachten Ziegelerzeugung 
erweitern kann. Die Genehmigung wird aber verweigert, 
wenn die Vereinigung wegen der allgemeinen Lage der In- 
dustrie beabsichtigt, selbst das fragliche Werk zur Still- 
iegung zu erwerben. Nicht gerade selten wird auch von vorn- 
herein jeder Ankauf eines Außenwerks und jede Beteiligung 
an einem solchen verboten. Dann behalten sich wohl die 
Ziegel-Verkaufsvereinigungen alle diese Geschäfte im stillen 
für sich selbst vor, um sich die Durchführung ihrer Be- 
strebungen, namentlich der auf die Regelung der Erzeugung 
gerichteten, durch Eigenbetriebe, über deren Erzeugung sie 
rücksichtslos verfügen können, zu erleichtern. 

Eine unmittelbare Betriebserweiterung durch die Anlage 
neuer Öfen schließlich, die am ehesten einen Antrag auf 
Änderung, und zwar Erhöhung der Beteiligungsziffer ver- 
anlassen könnte, haben die Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
ihren Mitgliedern in der Regel unbedingt verboten. Dies 
scharfe Vorgehen hat seine volle Berechtigung. Denn da 
heute die gesamte Ziegelindustrie durchschnittlich nur mit 
knapp 50 v. H. ihrer tatsächlichen Leistungsfähigkeit be- 
schäftigt ist, würden die Ziegelkartelle mit offenen Augen 
gegen ihre eigentlichen Zwecke arbeiten, wenn sie Kapi- 
talien in Erweiterungen stecken ließen, die nachher doch 
stilliegen müßten. Daher ist eine solche Betriebserweite- 
rung auf jeden Fall oder wenigstens so lange untersagt, 
als infolge ungenügender Aufnahmefähigkeit des Markts 



A 



— 33 — 

Betriebseinschränkungen entweder überhaupt oder minde- 
stens bis zu 30 V. H. notwendig sind. Wo die Anlage neuer 
Öfen unter bestimmten Bedingungen erlaubt wird und diese 
Bedingungen erfüllt werden, muß der Unternehmer, der eine 
Vergrößerung seines Werks beabsichtigt, dies rechtzeitig, 
d. h. spätestens bis zum Schluß des vorhergehenden Ge- 
schäftsjahrs, der Verkaufsstelle anzeigen und zugleich nach- 
weisen, daß er die für die Vergrößerung erforderlichen Ein- 
richtungen auch tatsächlich getroffen hat. 

In einzelnen Ziegel -Verkaufsvereinigungen erstreckt sich 
das Verbot betreffs Erhöhung der Leistungsfähigkeit eines 
Betriebs auch auf die Anlage neuer Maschinen usw. Ein 
solches Vorgehen kann aber auf keinen Fall befürwortet 
werden. Denn mit der Einrichtung neuer Maschinen wird 
meistens nicht eine ziffernmäßige Erhöhung der Leistungs- 
fähigkeit des Werks, sondern nur eine Verbesserung seines 
Arbeitsverfahrens im Sinne einer Verbilligung beabsichtigt. 
Der Ziegeleibesitzer muß aber geradezu bemüht sein, auf 
diesem Wege die durch die Einschränkung der Erzeugung 
erhöhten Herstellungskosten wieder auf eine angemessene 
Höhe herabzuschrauben. Daher geht eine solche Ausdeh- 
nung der Bestimmungen über die Neuanlage von Betriebs- 
einrichtungen weit über das zweckmäßige Maß hinaus, ab- 
gesehen davon, daß dadurch die Selbständigkeit der Ziegelei- 
besitzer innerhalb ihres Betriebs mehr als nötig beschnitten 
wird. — 

Die besondere Bedeutung des im vorstehenden erörter- 
ten Verhaltens der Ziegel-Verkaufsvereinigungen gegenüber 
Änderungen in der Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder für 
den Erfolg ihres Wirkens liegt noch im folgenden: Die Be- 
teiligungsziffern der Mitglieder einer Ziegel-Verkaufsvereini- 
gung werden regelmäßig nicht im Wege des Handelns und 
Feilschens festgesetzt. Für ihre Höhe sind nie rein äußere 
Umstände, wie die Lage des Werks zum Markt oder der 
frühere Abnehmerkreis, maßgebend, sondern stets allein die 
tatsächliche Leistungsfähigkeit der beitretenden Ziegelei. 
Durch diese Art ihrer Berechnung werden die Beteiligungen 
zu festbegrenzten Zahlen gemacht, so daß langwierige Ver- 

8 



— 34 — 

handlungen und Streitereien um ihre Höhe schon von vorn- 
herein vermieden werden. Durch die Vertragsbestimmungen 
über die Änderungen in der Leistungsfähigkeit der Kartell- 
werke wird aber diese bedeutsame Einrichtung in der Or- 
ganisation der Ziegel -Verkaufsvereinigungen noch vervoll- 
kommnet. Denn durch sie wird jede Jagd nach dem Kon- 
tingent so beschränkt, daß aus dieser wenigstens dem Be- 
stand des Kartells keine fortwährende Gefahr mehr droht. 



II. Die Kontingentierung der Erzeugung. 

A. Die Ermittlung des voraussichtlichen Bedarfs und 
die Festsetzung des jährlichen Gesamtkontingents. 

Hat die Ziegel-Verkaufsvereinigung durch die Feststel- 
lung der Leistungsfähigkeit ihrer Mitglieder einen maßgeben- 
den Überblick über die mögliche Erzeugungsmenge der Kar- 
tellziegeleien bekommen, dann kann sie auch mit Sicherheit 
und Aussicht auf den gewünschten Erfolg ihr wichtigstes 
Ziel ins Auge fassen: Angebot und Nachfrage in den von 
ihren Gesellschaftern hergestellten und dem Kartellvertrag 
unterworfenen Ziegeleierzeugnissen in Einklang zu bringen. 
Nun kann aber die Nachfrage gerade in der Ziegelindustrie 
am wenigsten durch die Unternehmer oder ihre Verkaufs- 
vereinigung auch nur beeinflußt, geschweige denn geregelt 
werden. Denn es würde beispielsweise kaum gelingen, die 
Ziegel durch Herabsetzung der Preise verkäuflicher zu machen 
und so ihren Absatz zu erweitern. Der Umfang der Bautätig- 
keit hängt von ganz andern Dingen ab als von den Ziegel- 
preisen. Daher vermag ein Ziegelkartell sein Ziel haupt- 
sächHch nur durch eine einseitige Anpassung des Angebots 
an die Nachfrage zu erreichen. Diese Anpassung bewirkt es 
dadurch, daß es seinen Mitgliedern eine dem voraussicht- 
Hchen Bedarf entsprechende, von ihm in ihrem Umfang 
jährlich im voraus festgesetzte Einschränkung der tatsäch- 
lichen Leistungsfähigkeit ihrer Betriebe vorschreibt. Dies 
ist wenigstens das bei den Ziegel- Verkaufsvereinigungen 



— 35 — 

am meisten gebräuchliche Verfahren, um das Angebot der 
Nachfrage entsprechend zu regeln*). Da es das Übel der 
Übererzeugung gleich bei der Wurzel faßt, verspricht es 
allein dem Streben nach einer endgültigen Regelung der Er- 
zeugung einen wirklichen und dauernden Erfolg. Als das 
in dieser Kartellfrage den Ziegel -Verkaufsvereinigungen 
eigentümliche Verfahren soll es auch allein den weitern 
Ausführungen untergelegt werden**). 

Bevor jedoch die Vereinigung die Kontingentierung der 
möglichen Gesamterzeugung ihrer Mitglieder vornehmen 
kann, muß sie die voraussichtliche Aufnahmefähigkeit des 
Ziegelmarkts in der nächsten Betriebszeit untersuchen. Diese 
Untersuchung ist wohl die schwerste Aufgabe für die Ver- 
waltung einer Ziegel-Verkaufsvereinigung und muß mit 
großer Umsicht durchgeführt werden. Sie ist aber für ein 
Ziegelkartell wegen seines örtlich ziemlich eng begrenzten 
Absatzgebiets doch längst nicht so schwierig, wie für das 
Kartell einer Ware, deren Markt derartig enge Grenzen 
nicht kennt. 

Die zahlreichen Umstände, die den Ziegelbedarf im Kar- 
tellgebiet einer Ziegel-Verkaufsvereinigung während eines 
Jahres zu beeinflussen vermögen, sind zum Teil allgemeiner 
oder örtlich nicht gebundener, zum Teil besonderer oder 
örtHcher Natur. 

Die beeinflussenden Umstände allgemeiner oder örtlich 
nicht gebundener Natur sind in erster Linie die Schwan- 
kungen der Wirtschaftslage überhaupt und weiter alles, was 
mit ihr zusammenhängt oder wiederum durch sie beeinflußt 
wird, besonders die Lage des Geld- und Hypothekenmarkts.. 



*) Zuweilen überläßt auch die Verkaufsvereinigung die Er- 
zeugungseinschränkung dem eigenen Ermessen der Ziegeleibesitzer, 
wobei sie auf diese zur Duröhführung der gedachten Maßnahme 
dadurch einen Druck ausübt, daß sie nur ihren tatsächlichen Bedarf! 
aus den kartellierten Ziegeleien zu decken sich verpflichtet. 

**) Es wird sich später (S. 44 f) zeigen, daß sich die Einschrän- 
kimgsverfügung sehr häufig leider nur auf die für den Kartellbezirk 
bestimmte Menge Ziegel bezieht. 

3» 



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f 



— 36 — 

Als besondere oder örtliche, von der allgemeinen wirt- 
schaftlichen Lage unabhängige Umstände sind beispielsweise 
die Inangriffnahme von behördlichen Bauten bei sonst 
ruhiger Marktlage und die Stillegung einer Zeche oder die 
Verlegung eines bedeutenden Fabrikunternehmens und die 
dadurch verursachte Abwanderung von Bewohnern jeder Art 
bei sonst lebhafter Wirtschaftslage anzusehen. Auch Ände- 
rungen oder Erweiterungen in der Bauordnung einer Stadt 
oder Gemeinde und Eingemeindungen von Vororten und 
Nachbarstädten können unabhängig von der Gesamtlage 
für den örtlichen Markt einer Ziegel-Verkaufsvereinigung 
ausschlaggebend werden. Alle diese Ereignisse und Be- 
wegungen in der Wirtschaftslage, auf dem Geldmarkt usw. 
muß nun die Verwaltung des Kartells genau und auf- 
merksam verfolgen; sie muß auch Fühlung nehmen mit 
allen maßgebenden Stellen ihres Bezirks, um sich am Schluß 
des Jahres von der voraussichtlichen Aufnahmefähigkeit des 
Ziegelmarkts in der neuen Betriebszeit ein genaues Bild 
machen zu können. 

Da aber z. B. in einer Großstadt, die dann meistens 
auch den Mittelpunkt des Vertragsgebiets einer Ziegel-Ver- 
kaufsvereinigung bildet, das wirtschaftliche Leben stets viel 
häufigem Schwankungen unterworfen ist als etwa im ganzen 
Staat, und die Bautätigkeit in der Stadt auch von andern 
Umständen abhängt als die auf dem Lande, liegt immer 
die Gefahr nahe, daß die Verkaufsstelle bei ihrer Er- 
kundung des Markts in irgendeinem Punkte etwas ver- 
sieht. Daher werden oft noch die Kartellmitglieder ver- 
traglich verpflichtet, die Verwaltung bei ihrer Ermittlung 
des voraussichtlichen Bedarfs zu unterstützen: sie müssen 
„alle für die Gesellschaft wichtigen Wahrnehmungen sofort 
zu ihrer Kenntnis bringen, insbesondere ihr geplante Bauten, 
Ausschreibungen, Wettbewerbsangebote und dergleichen mit- 
teilen."*) Die Entscheidung und Verantwortung liegt aber 
auf jeden Fall bei der Verwaltung der Verkaufsstelle. Daher 



*) Vgl.: § 12, 2 des Lieferungsvertrags der Backsteinverkaufs- 
stelle Darmstadt, Gesellschaft m. b. H., in Darmstadt. 



— 37 — 

werden an ihre Geschäftskenntnisse unter Umständen hohe 
Ansprüche gestellt. Von der größern oder geringern Be- 
fähigung der Geschäftsführung kann möglicherweise Wohl 
und Wehe aller beteiligten Ziegeleibesitzer abhängen. Ist 
der voraussichtliche Bedarf zu hoch geschätzt worden und 
werden nun zu viel Ziegel auf den Markt gebracht, so muß 
dies Zuviel trotz Verkaufsvereinigung und durch sie auf die 
Preislage drücken. Überrascht aber der Baumarkt, und geht 
die tatsächliche Nachfrage über die veranschlagte Menge 
hinaus, dann entsteht einerseits die Gefahr, daß der Ziegel- 
mangel und die durch ihn erhöhten Preise Neugründungen 
von Ziegeleien veranlassen und Ersatzbaustoffen ihr Ein- 
dringen in den Kundenkreis des Kartells erleichtern. Ander- 
seits ergibt sich auch die Möglichkeit, daß die Abnehmer 
Ziegel von Außenseitern oder auswärtigen Ziegeleien be- 
ziehen. Dabei kann die Kundschaft sich aber an diese Mit- 
bewerber der Verkaufsvereinigung gewöhnen, ihr verloren 
gehen und so nicht nur eine augenblickliche, sondern auch 
eine dauernde Schädigung des Kartells herbeiführen. Auch 
wenn dann im letzten Fall die Lieferungen durch die Ver- 
kaufsstelle vermittelt werden, kann doch für die kartellierten 
Ziegeleibesitzer ein Schaden niemals ganz ausbleiben. Wie 
die Ziegel-Verkaufsvereinigungen den gefährlichen Folgen 
einer Überschätzung oder Unterschätzung des zukünftigen 
Bedarfs nach Möglichkeit zu entgehen versuchen, wird 
übrigens sogleich gezeigt werden. 

Gemäß dem Bilde, das sich die Verwaltung von dem 
erwarteten Bedarf des kommenden Geschäftsjahrs nach den 
mannigfachen Anzeichen gemacht hat, schlägt sie in einer 
ordentlichen Hauptversammlung den Ziegeleibesitzern den 
Prozentsatz der gesamten Leistungsfähigkeit zur Genehmi- 
gung vor, mit dem in der neuen Betriebszeit gearbeitet wer- 
den soll. Für den Fall nun, daß die Aufnahmefähigkeit des 
Markts überschätzt worden ist und sich im Laufe des Jahrs 
ein Minderbedarf herausstellt, behalten sich die einen Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen das Recht vor, während der Cam- 
pagne noch eine weitere Einschränkung der Erzeugung ver- 
fügen zu dürfen. Bei andern Vereinigungen hingegen gilt der 



— 38 — 

Grundsatz, den Gesamtrückstand in der veranschlagten Er- 
zeugung des einen Jahrs auf die nächstjährige Erzeugungs- 
menge zu verrechnen. In ihrer Wirkung bedeuten beide Be- 
stimmungen das gleiche. 

Im umgekehrten Fall, d. h. wenn die Marktlage unter- 
schätzt worden ist und sich im Laufe des Jahrs ein Mehr- 
bedarf geltend macht, wird in der Regel die veranschlagte 
Erzeugungsmenge oder das Gesamtkontingent entsprechend 
der vermehrten Nachfrage erhöht; denn den meisten Ziegelei- 
besitzern ist es ohne Schwierigkeiten möglich, ihre Erzeugung 
noch nachträglich zu steigern. Ist dies aber nicht oder nicht 
mehr möglich, was vor allem eintreten kann, wenn sich noch 
gegen Schluß der Bauzeit Überraschungen auf dem Baumarkt 
einstellen, so wird versucht, nach Möglichkeit die Ziegel 
durch die Verkaufsstelle zu Lasten ihrer Mitglieder von 
Außenseitern oder von auswärtigen Ziegeleien anzukaufen. 
Dieser Ankauf muß allenfalls mit Verlust durchgeführt werden, 
wenn man die besprochenen größern, weil dauernden Schädi- 
gungen der Kartellmitglieder verhüten will. — 

Mit der Beurteilung des Ziegelmarkts nimmt die Ziegel- 
Verkaufsvereinigung ihren Mitgliedern einen Teil ihrer ge- 
schäftlichen Tätigkeit ab, dessen Last sie früher, wenn über- 
haupt, meistens schwer drückte. Ja, es war dem allein- 
stehenden Ziegeleibesitzer wohl in der Regel gar nicht mög- 
lich, die wirtschaftliche Lage der kommenden Bauzeit im 
voraus so zu erkennen, daß er seiner Erzeugung für diese 
Zeit von vornherein eine einigermaßen richtige Berechnung 
unterlegen konnte. Daher ist der Dienst, den die Ziegel-Ver- 
kauf svereinigungen mit der Erkundung des Baumarkts der ge- 
samten Ziegelindustrie erweisen, in seiner Bedeutung kaum 
zu überschätzen. 



— 39 — 

B. Die Verteilung des Gesamtkontingents unter die 
Ziegeleibesitzer oder die Festsetzung der Liefer- 
berechtigung der einzelnen Kartellmitglieder. 

1. Begriff und Umfang der „Lieferberechtigung". 

Nachdem das Gesamtkontingent der dem Kartell ange- 
schlossenen Ziegeleien veranschlagt und festgelegt worden 
ist, wird es unter die einzelnen Mitglieder prozentisch verteilt, 
wobei in der Regel die Beteiligungsziffer den Maßstab abgibt. 
Da diese der eingeschätzten Höchstleistung gleich ist, so 
trifft die verfügte Einschränkung der gesamten Erzeugung in 
gleicher Weise die jeweilige Leistungsfähigkeit der einzelnen 
Werke. 

Der jährliche prozentische Anteil des einzelnen Ziegelei- 
besitzers am Gesamtkontingent, oder anders gesagt: der der 
allgemeinen Erzeugungseinschränkung entsprechende Pro- 
zentsatz seiner Beteiligungsziffer wird in der Regel „Liefer- 
berechtigung'**) genannt. Diese Bezeichnung erklärt sich 
so, daß die „Lieferberechtigung" die Höchstmenge bedeutet, 
zu deren Lieferung an die Verkaufsstelle das Kartellmitglied 

berechtigt ist. 

Eine vom Kontingent unabhängige, dagegen durch den 
vorjährigen Versand bedingte Ergänzung erfährt die eben 
umrissene Lieferberechtigung zumeist noch durch die soge- 
nannte „nachholungsberechtigte Menge". Diese Menge kann 
dort, wo die Ziegel-Verkaufsvereinigung sich für den Fall, 
daß im Laufe der Bauzeit der Ziegelbedarf hinter den Er- 
wartungen zurückbleibt, eine weitere Einschränkung der ur- 
sprünglichen Lieferberechtigung vorbehält, allein aus einer 
etwaigen tatsächlichen Minderlieferung des einzelnen Mit- 
glieds bestehen. Diese Minderlieferung des einzelnen ist 



*) Zuweilen auch, vom Standpunkt der Verkaufsvereinigung aus, 
,,Lieferverpflichtung". — Auch bei den Ziegel-Verkaufsvereinigungen, 
die die Betriebseinschränkung ihren Mitgliedern selbst überlassen (vgl. 
S. 35, Anm.), gibt es eine „Lieferberechtigung". Ihre Höhe ergibt 
sich dort aber erst am Schluß des Jahrs. Sie bedeutet dann den 
tatsächlichen Anteil des einzelnen Kartellgenossen am Gesamtversand 
nach Maßgabe seiner Beteiligungsziffer. 



• 



— 40 — 



— 41 — 



im übrigen streng zu unterscheiden von dem Abnahme- 
rückstand der Vereinigung im ganzen. Liegt dem ersten 
Begriff die wirklich zum Versand gekommene Ziegelmenge 
zugrunde, so ist der zweite nur im Verhältnis zur gesamten, 
ursprünglich als voraussichtlicher Bedarf veranschlagten 
Menge, d. h. zum Oesamtkontingent zu verstehen. 

Mehr aber, als im vorliegenden Fall, bedeutet die nach- 
holungsberechtigte Menge dann, wenn die Ziegel-Verkaufs- 
vereinigung die in einem Jahre übriggebliebenen Ziegel auf 
das Kontingent des nächsten Jahres verrechnet. Dann wird 
die nachholungsberechtigte Menge gebildet aus einem pro- 
zentischen Anteil am Gesamtrückstand aus dem Gesamt- 
kontingent des vorigen Jahres zuzüglich einer etwaigen pro- 
zentischen Minderlieferung oder abzüglich einer etwaigen 
prozentischen Mehrlieferung, in der der eine Kartellgenosse 
sich den andern gegenüber in Vergleichung zum prozen- 
tischen Anteil am tatsächlichen vorjährigen Absatz befindet. 
In Vergleichung zu seiner Lieferberechtigung kann dabei auch 
der Ziegeleibesitzer, der sich gegenüber seinen Kartellgenossen 
in einer prozentischen Mehrlieferung befindet, tatsächlich in 
einer Minderlieferung sein. Über die Minder- und Mehr- 
lieferung ist an späterer Stelle noch ausführlicher zu sprechen. 

Einige Ziegel -Verkaufsvereinigungen begnügen sich 
übrigens nicht damit, die Lieferberechtigung der einzelnen 
Werke für das ganze Jahr festzusetzen, sondern sie zerlegen 
diese noch in monatliche Teilmengen. Diese Bestimmungen 
spielen, wie sich jeweilig zeigen wird, noch in mancher Hin- 
sicht eine große Rolle. 

Neu beitretende Ziegeleien haben im Jahre ihres Beitritts 
stets nur im Verhältnis der noch laufenden Monate An- 
spruch auf Teilnahme an der gesamten Erzeugungs- oder 
Absatzmenge. — 

Bis hierher ist stets angenommen worden, daß die pro- 
zentische Verteilung des gesamten Kontingents unter die 
Ziegeleibesitzer völlig gleichmäßig im Verhältnis zu ihrer 
festgestellten Leistungsfähigkeit geschähe. Dies ist die ein- 
fachste Lösung der Frage, wie die Verteilung überhaupt vor- 
zunehmen sei. 



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Erste stillschweigende Voraussetzung dabei ist aber, daß 
man sich darauf verlassen kann, daß die ermittelte Höchst- 
leistung auch der tatsächlichen Leistungsfähigkeit entspricht. 
Das kann man heute allerdings in den meisten Fällen ohne Be- 
denken tun; denn die Verfahren zur Einschätzung der 
Werke sind durch die Zusammensetzung mehrerer Er- 
mittlungsarten, allenfalls auch lediglich durch langjährige 
Erfahrungen so vervollkommnet worden und damit so zu- 
verlässig geworden, daß dabei kaum noch eine merkliche 
Schädigung eines einzelnen Kartellmitglieds unterlaufen kann. 
Aber so lange, wie man in den einzelnen Ermittlungs- 
verfahren noch keine genügenden Erfahrungen besaß, bildete 
es keine Ausnahme, daß bei einer völlig gleichmäßigen Be- 
triebseinschränkung aller Ziegeleien ein Werk infolge irr- 
tümlich zu niedriger Einschätzung nunmehr in seinem Ab- 
satz so beschnitten wurde, daß sein wirtschaftlicher Bestand 
gefährdet wurde. Dagegen genoß vielleicht der Nachbar 
wegen verhältnismäßig zu hoher Einschätzungsziffer trotz: 
Erzeugungseinschränkung noch den vollen oder doch an- 
nähernd möglichen Absatz wie vorher. Wie man diesen 
Fehler gleich bei der Einschätzung zu vermeiden versucht 
hat, ist schon gezeigt worden. Dort aber, wo man ihm 
nicht schon vorher irgendwie entgehen konnte, mußte man 
wenigstens bei eintretender Erzeugungseinschränkung davon 
absehen, das Gesamtkontingent völlig den Beteiligungs- 
ziffern entsprechend zu verteilen. Wenn z. B. die Leistungs- 
fähigkeit nur nach dem Aufmaß des Ofens berechnet worden 
war, mußte man bei der Bemessung der Lieferberechtigung 
Einbußen berücksichtigen, die die eingeschätzte Höchst- 
leistung eines Werkes vielleicht durch die ungünstige Lage 
der Trockenplätze oder durch die weniger gute und daher 
schwerer zu verarbeitende Beschaffenheit des Tons erleiden 
konnte. Dies geschah dann dadurch, daß man den Prozent- 
satz der Betriebseinschränkung entsprechend verminderte. 

Eine völlig der Beteiligungsziffer entsprechende Ver- 
teilung des Gesamtkontingents hat man ferner dort für un- 
zweckmäßig oder sogar ungerecht gehalten, wo die Kartell- 
werke sehr verschieden groß waren. Man war sich be- 



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— 42 — 

wüßt, daß ohne Zweifel große Betriebe billiger als kleine 
arbeiten könnten, und daß daher »Ziegeleien mit einer Er- 
zeugung von etwa 20 Millionen Ziegeln durch eine Beschrän- 
kung der Ausnutzungsmöglichkeit ihrer Anlagen weniger hart 
getroffen würden, als solche mit einer Erzeugung von etwa 
2 Millionen. Deshalb erwog man, ob man nicht besser das 
Verhältnis der Herstellungskosten der einzelnen Werke zu- 
einander genau berechnen und danach die prozentische Ge- 
samteinschränkung staffelweise verteilen sollte; oder ob man 
wenigstens für alle Betriebe eine Höchstgrenze ihrer Er- 
zeugung vereinbaren und den Werken mit einer größern 
Leistungsfähigkeit eine um einen festen Satz höhere Ein- 
schränkung auferlegen sollte. Schließlich hat man zum 
Schutz der kleinern Unternehmen gegen Schädigungen 
größrer Betriebseinschränkungen wohl auch dies oder ähn- 
liches bestimmt: die Erzeugungseinschränkung roll so lange, 
wie sie 25 v. H. der Gesamterzeugung nicht übersteigt, 
nach den Beteiligungsziffern verteilt werden; ist sie aber 
größer vorgesehen, so soll jedem Ziegeleibesitzer zunächst 
eine für jeden gleiche Anzahl Ziegel zugestanden und erst für 
den Rest der Beteiligung eine anteilmäßige Verteilung der 
Einschränkung vorgenommen werden. 

Doch auch eine Beachtung der Größenunterschiede bei 
der Verteilung der Kontingente ist heute ebenso, wie eine Be- 
rücksichtigung der tatsächlichen Leistungsfähigkeit in Ver- 
gleichung zur eingeschätzten, von der oben die Rede war, 
allermeist unnötig, da im Umfang der Werke eines Kartell- 
bezirks kaum noch für diese Frage bemerkenswerte Unter- 
schiede bestehen. 

So ist zurzeit die prozentische Verteilung des Gesamt- 
kontingents gemäß den Beteiligungsziffern nicht nur die ein- 
fachste, sondern auch fast in jedem Fall die am meisten an- 
gebrachte Art der Verteilung; sie wird daher auch fast durch- 
weg angewandt. — 

Bei eintretendem Mehr- oder Minderbedarf während der 
Bauzeit wird auch die Lieferberechtigung der einzelnen 
Ziegeleibesitzer ebenso, wie das Gesamtkontingent unter 
gleichen Umständen, prozentisch erhöht oder vermindert 



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— 43 — 

Wenn die prozentische Verteilung eines Mehrbedarfs un- 
zweckmäßig oder unausführbar scheint, wird die Erhöhung 
der Lieferberechtigung nach den Vorschlägen und Wünschen 
der Kartellmitglieder vorgenommen. Eine Verminderung der 
Lieferberechtigung ist ebenso, wie eine des Gesamtkontin- 
gents, dort ohne Bedeutung, wo ein Rückstand im veran- 
schlagten Gesamtabsatz bei der Festsetzung der nächst- 
jährigen Lieferberechtigung entsprechend berücksichtigt 
wird*). 



2. Die Verpflichtung des einzelnen Ziegeleibesitzers 
zur Herstellung seiner Lieferberechtigung. 

Nach der Zuteilung der Einzelkontingente an die Ziegelei- 
besitzer fragt es sich weiter: muß das Kartellmitglied eben- 
soviel herstellen, wie seiner Lieferberechtigung entspricht, 
oder darf seine Erzeugung auch darunter bleiben oder sogar 
darüber hinausgehen?**) 

In den Lieferungsverträgen der Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen finden wir alle drei Fälle vertreten. Einer zweck- 
mäßigen Regelung der Erzeugung kommt aber nur die Ziegel- 
Verkaufsvereinigung so nahe wie möglich, die jedes Mitglied 
vertraglich verpflichtet, ebensoviel, aber auch nur so viel 
Ziegel herzustellen, wie seinem prozentischen Anteil am Ge- 
samtkontingent entspricht. 

Ist der einzelne Ziegeleibesitzer nicht unbedingt zur Her- 
stellung seiner Lieferberechtigung verpflichtet f), so fällt zum 
Beispiel die Bürgschaft für einen festen angemessenen Lager- 
bestand fort. Sein Mangel verursacht zunächst nur vor- 



*) Vgl. dazu die Bemerkung über die „nachholungsberech- 
tigten Mengen** auf Seite 39. 

**) Die letzten beiden Fälle sind nicht zu verwechseln mit dem 
oben (S. 35) erwähnten, daß die Ziegel- Verkaufsvereinigung über- 
haupt keine Einschränkung verfügt und sich nur zur Abnahme ihres 
tatsächlichen Bedarfs verpflichtet. 

t) Hier soll nur von den Fällen die Rede sein, wo ein tat- 
sächlicher Ausfall an hergestellten Ziegeln stattfindet. Die Frage 
der Übertragung der Lieferberechtigung an einen Kartellgenossen 
wird in einem besondern Abschnitt besprochen werden. 






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— 44 — 

übergehende Schwierigkeiten im Absatz. Bei längerer Dauer 
aber kann er auch zu allen den viel empfindlichem Schädi- 
gungen des Kartells führen, die sonst nur ein unerwarteter 
Mehrbedarf unter Umständen mit sich bringt. Ferner darf, 
wenn die Kartellmitglieder keine bestimmte Menge herstellen 
müssen, jedes von ihnen ohne Umstände in einem Jahr mit 
verhältnismäßig ungünstigen Herstellungsbedingungen seinen 
Betrieb noch mehr einschränken, als es verfügt worden ist. 
Dadurch kann aber ebenfalls die Mehrzahl der Kartell- 
genossen beträchtlich geschädigt werden. Denn die Min- 
dererzeugung*) eines Jahrs darf in diesem Fall im folgen- 
den Jahr nachgeholt werden, so daß die Verkaufsvereini- 
gung die nächstjährige Lieferberechtigung jenes Mitglieds, 
die vielleicht nun unter dem Zeichen günstiger Herstellungs- 
bedingungen steht, zwar rechtmäßig, aber zu Lasten der der 
andern Ziegeleibesitzer erhöhen muß. Diesen Nachteil für 
die andern Kartellgenossen kann der Vorteil, den diese im 
vorhergehenden Jahr aus einer Erhöhung ihrer Lieferberech- 
tigung infolge des Ausfalls der Erzeugung des mindererzeu- 
genden Mitglieds genossen haben, meist kaum ausgleichen, 
da sie in diesem Jahre ja mit verhältnismäßig hohen Her- 
stellungskosten haben arbeiten müssen. Etwas andres ist es, 
wenn die Verkaufsvereinigung in Ausnahmefällen, etwa wenn 
in einem Jahre ganz außergewöhnlich schlechte Absatzver- 
hältnisse herrschen, den freiwilligen Verzicht auf Erzeugung 
anheimstellt. Ein solcher Verzicht kann dann sogar zum 
großen Segen für die Gesamtheit ausschlagen. Die Ver- 
kaufsstelle gewährt unter solchen Umständen dem Verzich- 
tenden wohl auch noch eine Entschädigung als Entgelt für 
Zinsverlust. 

Noch weniger als der eben besprochene Grundsatz ent- 
spricht der der „freien Erzeugung" dem eigentlichen Zweck 
der Kontingentierung. Diese kann nämlich ihr Ziel, die Be- 
seitigung der Übererzeugung, durchschlagend nie erreichen, 



1 



♦) Diese freiwillige Mindererzeugung darf nicht venvechselt 
werden mit der Minderlieferung, die durch die Verteilung der Auf- 
träge durch die Verkaufsstelle erwachsen kann. 



— 45 — 

wenn sie sozusagen nur einer Kontingentierung der An- 
kaufsmenge gleichkommt, im übrigen aber den kartellierten 
Ziegeleibesitzern in der Menge der herzustellenden Waren 
freie Hand läßt. 

Man führt für die Freigabe der Erzeugung vor allem 
zwei Gründe an. Erstens behielten so die MitgHeder die 
Möglichkeit, ihre Anlagen voll auszunutzen, und zweitens 
könnten sie ja die rechtmäßige Übererzeugung ohne Schaden, 
höchstens noch zum Vorteil der Gesamtheit, nach auswärts 

absetzen. 

Die verringerte Möglichkeit der vollen Ausnutzung der 
Leistungsfähigkeit soll aber schon durch angemessene höhere 
Preise, durch die Ersparnis an geschäftlichen Tätigkeiten, 
an Fuhrlohn usw. hinreichend ausgeglichen werden. Dieser 
Ausgleich kann höchstens ausbleiben, wenn die Einschrän- 
kung über das zuträgliche Maß hinausgeht; dann läßt sich 
aber ein Ziegelkartell überhaupt nicht mehr aufrecht halten. 

Eine Freigabe des Verkaufs nach auswärts aber leistet 
zweifellos einer Fortsetzung des Wettbewerbkampfs unter 
den Kartellmitgliedern an den Grenzen des Vertragsgebiets 
Vorschub. Doch auch dort sollte die Jagd nach Aufträgen 
mit allen Mitteln vermieden werden. Wie dies am besten durch 
die Übernahme der Außenverkäufe durch die Verkaufsstelle 
und dementsprechend durch ihre Anrechnung auf die Liefer- 
berechtigung des ausführenden Mitglieds geschehen kann, 
davon wird noch bei der Besprechung der Außenverkäufe 
die Rede sein. 

Während also diese beiden Gründe für die „freie Er- 
zeugung" nicht als berechtigt anerkannt werden können, 
darf aber auch die Bedeutung der Ansammlung von Lager- 
vorräten sowohl für die einzelnen Kartellgenossen wie 
auch für die Vereinigung im ganzen nicht unterschätzt 
werden. Die Wirkungen, die große Lagerbestände auf 
die Kartellgenossen ausüben, sind hauptsächlich moralischer 
Art. Schon die Rückstände aus dem Kontingent sind bei 
der bekannten schwierigen Wirtschaftslage der gesamten 
Ziegelindustrie in ihren Verkaufsvereinigungen meist sehr 
groß. Sie müssen aber durch die Freigabe der ganzen 






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— 46 — 

Erzeugung noch bedeutend vermehrt werden, da es nur 
sehr selten geHngt, die rechtmäßige Übererzeugung außer- 
halb des Vertragsgebiets restlos unterzubringen. Wer will 
aber leugnen, daß fortgesetzt sich vermehrende Ziegel- 
bestände in den Ziegeleibesitzern Unlustgefühle im höchsten 
Maße wecken müssen? Sie müssen schließlich die Arbeit 
bezahlen, und die großen Lager verursachen weitere Kosten 
für sie. So entsteht die Gefahr, daß einzelne Mitglieder sich 
verleiten lassen, Ziegel vertragswidrig unter dem Mindest- 
preis auf eigene Faust zu verkaufen, oder sogar kurzerhand 
aus dem Kartell auszutreten. Solchen Gedanken aber, die 
zudem meist der Anfang vom Ende der Vereinigung über- 
haupt sind, muß auf jeden Fall vorgebeugt werden, und 
das geschieht mit am besten durch das Verbot einer Er- 
zeugung über die ankaufsberechtigte Menge hinaus. 

Auf die Verkaufsvereinigung als solche aber wirken große 
Lagerbestände dadurch ungünstig, daß sie möglicherweise 
ihre Preispolitik belasten. Denn wenn am Schluß des Jahrs 
große Vorräte vorhanden sind, läßt sich die Verwaltung durch 
die Kartellgenossen allenfalls beeinflussen, die Preise her- 
abzusetzen, wenn auch zunächst einmal nur für das Früh- 
jahr des neuen Jahrs. Abgesehen davon aber, daß solche 
Bestrebungen überhaupt auf irrigen Vorstellungen beruhen 
(vgl. Seite 34), kann auch der Versuch, die Preise im Laufe 
des Jahres wieder zu erhöhen, stets nur mit großen Schwierig- 
keiten durchgeführt werden. Daher scheint auch aus diesem 
Grund eine strenge Begrenzung der herstellungsberechtigten 
Menge durchaus geboten. 

Nur in zwei Ausnahmefällen dürfte die „freie Erzeu- 
gung" zulässig sein: erstens, wenn die Verkaufsvereinigung 
es mit einer größern Anzahl von Außenseitern zu tun hat, 
und sie durch Überschwemmung des Markts mit Ziegeln 
die Preise derartig und so lange drücken will, bis die außen- 
stehenden Ziegeleien ihren Beitritt erklärt haben; zweitens, 
wenn bei Ablauf des Kartellvertrags die Auflösung der Ver- 
einigung befürchtet wird und die kartellierten Ziegeleibesitzer 
sich schon vorher zu schärfstem Wettbewerb mit den Außen- 
seitern rüsten wollen. 



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— 47 — 

3. Die Bedingungen für die Übertragung einer 
Lieferberechtigung. 

Die Übertragung der Lieferberechtigung im ganzen oder 
zum Teil an einen Kartellgenossen ist unter bestimmten Vor- 
aussetzungen in der Regel statthaft, jedoch — mit ganz 
wenigen Ausnahmen — nur mit Genehmigung der Ver- 
kaufsvereinigung oder ihres befugten Organs, des Auf- 
sichtsrats oder der Hauptversammlung. Ohne Genehmigung 
darf die Abtretung meist entweder nur bis zu einer bestimm- 
ten Höhe oder so lange erfolgen, wie die Lieferberechtigung 
weniger als die Hälfte der Beteiligungsziffer ausmacht. 

Wo die Genehmigung zur Übertragung eingeholt werden 
muß, wird sie zumeist nur erteilt, wenn durch die über- 
tragene Menge die Beteiligungsziffer des den Anteil über- 
nehmenden Ziegeleibesitzers nicht überschritten wird. Manch- 
mal muß ferner noch das Mitglied, das die Übertragung 
beabsichtigt, an sich in der Lage sein, seine voraussichtliche 
Lieferberechtigung selbst herzustellen. Damit will man 
offenbar mittelbar erreichen, daß dort, wo eine dauernde 
Stillegung des Betriebs unbedingt erforderlich ist, diese auch 
tatsächlich zu Frommen der Gesamtheit durchgeführt und 
nicht durch eine finanziell günstigere Übertragung umgangen 
wird. Aus demselben Grund wird die Genehmigung stets 
auch nur für ein Jahr erteilt. 

Die Übertragung kann unentgeltlich oder entgeltUch ge- 
schehen. Im zweiten Fall erhält das übertragende MitgUed 
zu Lasten derer, deren Lieferberechtigung durch die Über- 
tragung erhöht wird, vom Kartell eine Entschädigung, die 
etwa einem angemessenen Verdienst an den übertragenen 
Ziegeln entspricht. 

Die Genehmigung der Übertragung ist bei Erfüllung der 
etwaigen Voraussetzungen spätestens bis Ende des Jahres, 
aber möglichst vor der Festsetzung der nächstjährigen Liefer- 
berechtigungen schriftlich von der Geschäftsstelle einzuholen. 
Nach dem, wie gegenwärtig die Bestimmungen über 
die Übertragung einer Lieferberechtigung in der Regel ge- 
handhabt werden, scheint man hauptsächlich nur die beiden 
folgenden Fälle als eine Abtretung rechtfertigend zu be- 



I 



— 48 — 

trachten. Erstens wird die Übertragung der Lieferberechti- 
gung einem Ziegeleibesitzer dann erlaubt, wenn er zurzeit 
aus irgendwelchen persönlichen oder wirtschaftlichen Grün- 
den beabsichtigt, seine Ziegelei zwar weiter in Betrieb zu 
halten, aber den rein kaufmännischen Teil von seinem Unter- 
nehmen abzutrennen und mit dem eines kartellierten Werks 
zu vereinigen. Zweitens, und das ist der wichtigere Fall, 
erscheint der Ziegeleibesitzer zur Übertragung berechtigt, 
wenn in einem Jahr gerade für ihn die Herstellungsbedingun- 
gen besonders ungünstig sind. Dies kann beispielsweise ein- 
treten, wenn eine so hohe Betriebseinschränkung verfügt wor- 
den ist, daß er wegen verhältnismäßiger Erhöhung der Her- 
stellungskosten nur noch mit Verlust arbeiten könnte, oder 
wenn seine Ziegelei in Vergleichung zu denen der andern 
Mitglieder zum diesjährigen wichtigsten Bezirk der Bau- 
tätigkeit so ungünstig liegt, daß ihm durch ausnahmsweise 
hohe Frachtkosten Verluste erwachsen müßten. Im Gegen- 
satz zum ersten Fall findet dabei also eine, wenn auch stets 
nur vorübergehende Stillegung*) des ganzen Betriebs oder 
eines Teils von ihm statt. 

Der Fall aber, daß der Ziegeleibesitzer durch ein voinl 
Kartell anerkanntes vorübergehendes Betriebshindernis in der 
Erzeugung gestört wird, ist für die Möglichkeit einer Über- 
tragung nur selten vorgesehen. Aber auch diesen Umstand 
sollten alle Ziegel-Verkaufsvereinigungen als entscheidend für 
die Genehmigung einer Übertragung der Lieferberechtigung 
annehmen. Wenn man dies bis heute noch nicht allgemein 
tut, so erklärt sich das vielleicht hieraus: Es ist ein Kartell- 
grundsatz, die Selbständigkeit der Mitglieder, die schon sowie- 
so durch zahlreiche beengende Bestimmungen empfindlich be- 
schnitten ist, wenigstens insofern unberührt zu lassen, als die 
einzelnen Genossen innerhalb ihrer Werke nach Möglichkeit 
ihre eignen Herren bleiben sollen. Dies geschieht allerdings 
nur sozusagen in negativem Sinne, da ihnen allein die Gefahr 
im eignen Betriebe selbst zu tragen überlassen bleibt. Wie 



— 49 — 

weit sich dieser Grundsatz mit dem verträgt, jedes Kartell- 
mitglied in seinem wirtschaftlichen Bestand nach Möglich- 
keit zu schützen, bleibe dahingestellt. 



4. Die dauernde Stillegung einzelner Kartellwerke. 

Eine dauernde Stillegung einzelner Kartellwerke ist in den 
Satzungen der Ziegel-Verkaufsvereinigungen als Zweck der 
Gesellschaft offen nur sehr selten angegeben. Meistens liegt 
aber der Gedanke daran in der Bestimmung versteckt, daß 
die Verkaufsstelle zum Ankauf von Ziegeleien berechtigt ist, 
soweit ihr das zur Förderung des Gesellschaftszwecks tunlich 
scheint. Gänzlich unverblümt ging darin nur das derzeitige 
Märkische Ziegelsyndikat in Berlin vor. In seinen Satzungen 
hieß es: „Der Vorstand hat die Pflicht, mit einzelnen Ge- 
nossen über die Stillegung ihrer Betriebe zu verhandeln und 
mit ihnen entsprechende Verträge zu schließen, die der Ge- 
nehmigung des Aufsichtsrats bedürfen."*) 

Eine Stillegung kann für eine Ziegelei dann in Betracht 
kommen, wenn sich für sie eine allgemeine und prozentische 
Erzeugungseinschränkung ihrer zu hohen Herstellungskosten 
und vielleicht sogar verminderten Leistungsfähigkeit wegen 
nur unter großen Ungerechtigkeiten durchführen läßt. Hohe 
Herstellungskosten und verminderte Leistungsfähigkeit kön- 
nen verursacht werden sowohl durch ein rückständiges Her- 
stellungsverfahren wie auch durch besonders große Unrein- 
heit des Rohstoffs und sonstige den Betrieb belastende Um- 
stände, wie schwierige Abraumbewegung oder kostspielige 
Bewältigung des Tongrubenwassers usw. Wo sich also unter 
den Kartellwerken einzelne Ziegeleien mit veralteten Ein- 
richtungen befinden und ihre Eigentümer finanziell zu schwach 
sind, um darin Abhilfe zu schaffen, oder wo irgendwelche 
Schwierigkeiten bei oder auch neben der Herstellung selbst 
den Betrieb unlohnend machen, da können und müssen die 



*) Betreffs dauernder Stillegung eines Betriebs vergleiche unten, 
Seite 49 ff. 



*) Artikel 7 der Geschäftsordnung des Märkischen Ziegel-Syndi- 
kats, e. O. m. b. H., Berlin 1910. 



1 



50 



Ziegel-Verkaufsvereinigungen ohne Bedenken die Besitzer 
der betreffenden Ziegeleien ernstlich zu bestimmen versuchen, 
gegen eine angemessene Entschädigung ihren Betrieb ruhen 
zu lassen*). 

Mehr noch als bisher sollten und müssen die Ziegel- 
kartelle angesichts der nicht endenwollenden Übererzeu- 
guing den Grundsatz ins Auge fassen : „volle Ausnutzung der 
Betriebe, die infolge ihrer günstigen Lage und zeitgemäßen 
Betriebseinrichtungen am billigsten arbeiten und der Güte nach 
die bessern Ziegel herstellen, und vollständige Stillegung der 
Betriebe, die mit ungünstigen Tonverhältnissen, veralteten 
Betriebseinrichtungen und mit geringer Güte ihrer Erzeug- 
nisse zu rechnen haben."**) Daß die strengste Durchführung 
dieses Grundsatzes im Wohle nicht nur der Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen, sondern auch der Ziegelindustrie überhaupt 
liegen würde, braucht bei der schon Jahrzehnte währenden 
großen Notlage des Ziegeleigewerbes hier nicht weiter aus- 
geführt zu werden. 



*) Vgl. über die Frage der Stillegung den ausführlichen Vortrag 
des Herrn Ziegeleibesitzers Jaesrich im Märkischen Ziegeleibesitzer- 
bund, Berlin (Tonindustrie-Zeitung, Jahrgang 34, IQIU, Seite 997 ff.). 

**) Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Jahrgang 41 (1910), 
Seite 499. 



• 



2. Abschnitt. 

Die Regelung der Preise. 

I. Der Mindestpreis. 

Neben der Kontingentierung der Erzeugung hat die 
Ziegel-Verkaufsvereinigung als weitere Vorbedingung für eine 
zweckmäßige Durchführung des gemeinsamen Vertriebs der 
von ihr kartellierten Ziegeleierzeugnisse ihrer Mitglieder noch 
eine zweite Aufgabe, die oben kurz gleichmäßige Regelung 
der Preise genannt worden ist, zu erfüllen. Zu diesem Zweck 
setzt sie im voraus vertraglich für die Ziegelpreise eine all- 
gemein gültige feste Grenze nach unten hin, d. h. Mindest- 
preise fest. Diese Mindestpreise gelten aber bei den Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen weniger für den Verkauf der Ziegel 
durch die Verkaufsstelle an die Abnehmer als vielmehr für 
die Abrechnung der Geschäftsabschlüsse zwischen der Ver- 
kaufsstelle und den Lieferanten. Bei einer Besprechung der 
Mindestpreise der Ziegel -Verkaufsvereinigungen sind daher 
hauptsächlich die unterscheidenden Merkmale zu betrachten, 
die sie als Mindest-Verrechnungspreise gegeneinander auf- 
weisen. 

A. Die verschiedenen Arten von Mindestpreisen. 

Der vereinbarte Mindestpreis als Verrechnungspreis ist 
bei den Ziegel-Verkaufsvereinigungen entweder ein Ankaufs- 
preis, und zwar entweder ein Netto-Ankaufspreis oder ein 

4» 



— 52 — 

Brutto-Ankaufspreis, oder ein Verkaufspreis. Auch dieser 
Verkaufspreis dient an seinem Platz hauptsäclilich als Grund- 
preis für die Abrechnung über die gelieferten Mengen. 



1. Der Ankaufspreis als Mindestpreis. 

a) Der Netto-Ankaufspreis als Mindestpreis. 

Der Netto-Ankaufspreis ist der Preis, den die Ver- 
kaufsstelle dem einzelnen Kartellmitglied für seine Ziegel- 
lieferungen ab Ofen mindestens zahlt. Er setzt sich zu- 
sammen aus einem Durchschnitts -Herstellungspreis oder 
Durchschnitts-Ofenpreis, d. h. dem durchschnittlichen reinen 
Wert der Ziegel am Ofen, und einem mäßigen Zuschlag auf 
diesen, der sozusagen ein Abschlag auf den beim Verkauf er- 
warteten Gewinn ist. Die voraussichtliche Höhe des er- 
warteten Gewinns wird berechnet nach den im letzten Jahr 
erzielten Verkaufspreisen und ihrer wahrscheinlichen Be- 
wegung nach oben oder unten, soweit sich diese aus der 
Wirtschaftslage voraussehen läßt. 

Durch den Zuschlag sichert die Verkaufsvereinigung 
jedem Ziegeleibesitzer von vornherein einen bestimmten 
Gewinn an seinem Absatz. Dieser Gewinnanteil wird aller- 
dings meist sehr knapp berechnet. (Die Gründe dafür sind 
unten noch zu erörtern.) Bei großen Verschiedenheiten in 
der Beschaffenheit der Ziegel ist der Zuschlag nur für 
Durchschnittsziegel ein fester, während im übrigen die Ver- 
kaufsstelle für bessere Ziegel mehr, für schlechtere weniger 
berechnen kann. 

Die einheitliche Festsetzung des Netto-Ankaufspreises 
auf Grund eines Durchschnitts-Herstellungspreises macht es 
der Verkaufsstelle möglich, auch den tatsächlichen Verkaufs- 
preis wenigstens zunächst einmal ab Ofen für alle Liefe- 
rungen, ganz gleich, wer sie ausführt, jeweilig einheitlich an- 
zusetzen, ohne dabei den Grundsatz zu verletzen, jedem Liefe- 
ranten für jedes Tausend Ziegel zu gleicher Zeit auch den 
gleichen Gewinn anrechnen zu können. * 



— 53 — 

Jede Ziegel-Verkaufsvereinigung strebt aber weiter da- 
hin, auch an jeder Baustelle zur gleichen Zeit alle 
gleichwertigen Lieferungen zum gleichen Preis verkaufen zu 
können. Denn durch die Schaffung eines Einheitspreises 
lassen sich einerseits Uneinigkeiten mit den Kunden wegen 
der liefernden Ziegelei, wenigstens in einer Beziehung, ver- 
meiden. Zwistigkeiten darüber können nämUch bei einem 
Netto-Ankaufspreis als einziger Maßnahme zur Regelung der 
Preise sehr leicht daraus entstehen, daß bei ihm die ganzen 
Frachtkosten zu Lasten der Abnehmer gehen. Denn die 
Verkaufsstelle ist ursprünglich und natürlich geneigt, zur 
Erreichung eines gleichen Verdienstes für alle Lieferanten 
die Verkaufspreise für die einzelnen Ziegellieferungen je 
nach der Höhe ihrer Frachtkosten verschieden zu berechnen. 
Anderseits aber beseitigt ein Einheitspreis die Gefahr, daß 
die Preise infolge ihrer großen Verschiedenheit zum Sinken 
neigen. Wie suchen nun die Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
es zu erreichen, auch an der Baustelle einen Einheitspreis 
berechnen zu können, ohne dabei den Gewinnanteil des einen 
Ziegeleibesitzers gegenüber dem des andern zu schmälern? 

Die Ziegelpreise werden bei einer Lieferung frei Bau- 
stelle hauptsächlich durch die Höhe der Frachtkosten ver- 
schieden gestaltet. Der Fuhrlohn ist es also, der, solange nur 
der Netto-Ankaufspreis einheitlich geregelt wird, als schwan- 
kender Teil des Verkaufspreises seine einheitliche Fest- 
setzung zu verhindern sucht. Er kann den Netto-Preis jeder 
Lieferung unter Umständen allerdings auch gleichmäßig er- 
höhen; nämlich dann, wenn alle Kartellwerke vom wich- 
tigsten Verbrauchsort des Vertragsgebiets gleich weit ent- 
fernt liegen. In der Regel ist jedoch die Länge der Wege, die 
die Ziegelfuhrwerke von der Ziegelei bis zum Verbrauchs- 
ort zurücklegen müssen, mehr oder weniger verschieden, und 
so auch der Frachtaufschlag der einzelnen Lieferungen. Um 
nun die daraus notwendig sich ergebende Verschiedenheit der 
Verkaufspreise umgehen zu können, ohne den Verdienst des 
Ziegeleibesitzers mit höherm Fuhrlohn gegenüber dem des 
Kartellmitglieds mit geringern Frachtkosten empfindlich zu 
vermindern, haben die Ziegel-Verkaufsvereinigungen zumeist 



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den Weg gewählt, zwar den Netto-Ankaufspreis als Mindest- 
preis beizubehalten, aber die Gewinne zu kontingentieren*). 
Sie zahlen dem Lieferanten für jedes Tausend Ziegel nicht 
mehr den jetzt einheitlichen, tatsächlich erzielten Verkaufs- 
preis, sondern berechnen ihm nur den Mindestpreis zuzüg- 
lich des Fuhrlohns und verteilen den gesamten Überschuß 
am Schluß des Jahres prozentisch unter alle Mitglieder. Das 
Kartellmitglied mit geringerm Fuhrlohn gibt so einen Teil 
des für seine Ziegel tatsächlich erzielten Gewinns an den 
mit höhern Frachtkosten bis zur Ausgleichung der Ge- 
winne ab. 

b) Der Brutto-Ankaufspreis als Mindestpreis. 

Nicht wenige Ziegel-Verkaufsvereinigungen suchen ihr 
Ziel, von ihren Abnehmern ohne Schädigung irgendeines 
Mitglieds an jeder Baustelle für jede Lieferung zu gleicher 
Zeit den gleichen Preis fordern zu können, auf einem zweiten 
Wege zu erreichen. Den Grundsatz der Gewinnkontingen- 
tierung behalten sie dann im übrigen trotzdem bei, wozu sie 
allerdings auch noch durch andre Gründe bestimmt werden. 

War im vorigen Fall ein etwas gewaltsamer Ausgleich 
der natürlichen Verkaufspreise frei Baustelle vorgenommen 
worden, so gleichen die Verkaufsvereinigungen, von denen 
jetzt die Rede sein soll, ihre Ankaufspreise frei Baustelle aus, 
und zwar dadurch, daß sie jedem Kartellmitglied auch für 
den Fuhrlohn eine feste durchschnittliche Vergütung zahlen. 
Dieser Durchschnitts-Fuhrlohn wird von vornherein dem von 
der Verkaufsstelle den Lieferanten zu zahlenden Mindestpreis 
zugerechnet imd bildet neben den beiden Gliedern des Netto- 
Ankaufspreises — den Durchschnitts-Herstellungskosten und 
dem festen Gewinnanteil — den dritten Bestandteil des Brutto- 
Ankaufspreises. Dieser Mindestpreis ist demnach der Preis, 
den die Verkaufsstelle ihren Mitgliedern für ihre Ziegel bei 
Lieferung „frei Baustelle" mindestens zahlt. 

Der Durchschnitts-Fuhrlohn wird fast stets nach den tat- 
sächlichen Entfernungen der sämtlichen einzelnen Ziegeleien 

*) Das Verfahren der Gevvinnkontingentierung wird an andrer 
Stelle noch näher besprochen (v^l. Seite Q8f.). 



/ 



— 55 — 

von einem Paritätsort berechnet, wozu in der Regel der 
Mittelpunkt des Kartellbezirks gewählt wird, da dieser zu- 
meist eine größere Stadt ist und daher in ihm auch fast 
immer die größte Nachfrage nach Ziegeln herrscht. Zu- 
weilen wird auch nur für den Stadtbezirk ein Durchschnitts- 
Fuhrlohn festgesetzt, während für außerhalb gelegene Ort- 
schaften ein besondrer Tarif aufgestellt wird. SchließHch 
werden hier und da auch die Ziegeleibesitzer in verschiedenen 
Gruppen vereinigt oder das ganze Kartellgebiet in mehrere 
Zonen eingeteilt und dann für jede Gruppe oder Zone ein 
besondrer Durchschnitts-Fuhrlohn berechnet. Allerdings 
kann dadurch, wenn man nicht wiederum die Gewinn- 
kontingentierung zum allgemeinen Ausgleich heranzieht, die 
strenge Einheitlichkeit der Preise wieder verloren gehen, es 
sei denn, daß jede Gruppe oder Zone ihren besondern 
Absatzort hat. Immerhin wird dabei aber die Erreichung 
des Ziels unter Umständen schon wieder fraglich. Daher 
sollte man der Einheitlichkeit wegen überall dor\ wo die 
Ziegeleien nicht allzusehr zerstreut liegen, auf jeden Fall an 
dem ersten Verfahren festhalten. Zwar ergeben sich bei ihm 
sehr leicht, allenfalls sogar größere Unterschiede zwischen 
dem Durchschnitts-Fuhrlohn und den tatsächlichen Fracht- 
kosten und so in der Höhe der den einzelnen Mitgliedern 
im Mindestpreis wenigstens zu erstattenden reinen Unkosten. 
Aber diese werden fast durchweg dadurch ausgeglichen, daß 
die Herstellungskosten des weiter abseits vom Stadtbezirk 
gelegenen Werks zumeist geringer sind als die der näher 
gelegenen Ziegelei, da dort im allgemeinen die Tonlager bil- 
liger sind, daß aber der Durchschnitts-Ofenpreis für jeden 
der gleiche ist. Weiter wirkt dabei unter Umständen auch 
noch die Verschiebung der Bautätigkeit ausgleichend. 



2. Der Verkaufspreis als Mindestpreis. 

Für die Höhe des Mindest-Verkaufspreises kommt im 
Gegensatz zu den beiden Mindest-Ankaufspreisen neben den 
Selbstkosten der ganze erwartete Rohgewinn in Betracht. 



— 56 — 



— 57 — 



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I 



Dieser zerfällt in einen in diesem Fall im voraus bestimmten 
für die Deckung der Verwaltungskosten der Geschäftsstelle, 
der Reservefonds usw. ausreichenden Betrag und einen der 
augenblicklichen Lage und ihrer weitern Entwicklung ent- 
sprechenden, aber mindestens angemessenen reinen Verdienst 
für die Kartellmitglieder. 

Der Mindest-Verkaufspreis kann ebenso wie der Mindest- 
Ankaufspreis ein Netto- oder Brutto-Preis sein. Dafür gilt 
dasselbe, was oben über den Netto- und Brutto-Ankaufs- 
preis gesagt worden ist. 

Auch der Mindest-Verkaufspreis wird der Abrechnung 
zwischen den Ziegeleibesitzern und ihrer Verkaufsstelle unter- 
gelegt, aber im Gegensatz zum Mindest-Ankaufspreis nie 
in voller Höhe; Von ihm werden vielmehr vorher stets feste 
Beträge für die Deckung der Unkosten und die Auffüllung 
der vertraglichen Rücklagen abgezogen. 



/ 



3. Einige Vor- und Nachteile bei der Anwendung 
der einzelnen Arten der Mindestpreise. 

Der Netto-Ankaufspreis dürfte, eine technisch möglichst 
gleiche Leistungsfähigkeit aller Ziegeleien vorausgesetzt, als 
Mindestpreis nur dort angebracht sein, wo die Ziegeleien vom 
wichtigsten Verbrauchsort nicht zu verschieden weit entfernt 
liegen. Denn sonst kann un^er Umständen das nähere Werk 
infolge der höhern Kosten für den Erwerb seines Tonlagers 
in seinen Herstellungskosten einen zu großen Unterschied 
gegenüber dem weiter gelegenen Werk aufweisen. Wo dies 
der Fall ist, da sollte am besten der Brutto-Ankaufspreis als 
Mindestpreis angewandt werden, weil es bei ihm möglich ist, 
Unterschiede zwischen den tatsächlichen und den durch- 
schnittlichen Herstellungskosten, soweit sie nur eine Folge 
der verschiedenen Lage der Ziegeleien sind, durch den Durch- 
schnitts-Fuhrlohn wieder auszugleichen. 

Der Mindest-Ankaufspreis überhaupt im Gegensatz zum 
Mindest-Verkaufspreis hat für das Kartell selbst den 



großen Vorteil, daß er ihm bei der Festsetzung des 
tatsächlichen Verkaufspreises auch nach unten hin den denk- 
bar größten Spielraum läßt. Er gibt zwar der Geschäfts- 
stelle wegen des in ihm steckenden verbürgten Gewinn- 
anteils auch schon einen festen Anhalt für die Höhe des 
Verkaufspreises und zeichnet ihr so zugleich auch einen Min- 
dest-Verkaufspreis vor. Aber bei ihm ist die untere Grenze 
für den tatsächlichen Verkaufspreis doch so tief hinabgedrückt, 
daß er die Bewegungsfreiheit der Verkaufsstelle in der Preis- 
festsetzung auch im schärfsten Wettbewerbskampf kaum be- 
schränkt. Da dieser Kampf, richte er sich gegen Außenseiter 
oder Werke konkurrierender Baustoffe, gerade in der Ziegel- 
industrie ein besonders hartnäckiger, ständiger und unver- 
meidlicher zu sein pflegt, ist man stets bestrebt, den Mindest- 
Ankaufspreis möglichst knapp über dem tatsächlichen Her- 
stellungspreis festzusetzen, um so die untere Grenze des Ver- 
kaufspreises möglichst weit zu drücken. 

Bei der möglichst knappen Berechnung des dem Mindest- 
Ankaufspreis eingerechneten Gewinnanteils haben aber ein- 
zelne Ziegel-Verkaufsvereinigungen noch die Ausnutzung 
eines weitern Vorteils dieses Mindestpreises im Auge. Der 
Ankaufspreis ist nämlich zuweilen auch deshalb besonders 
beliebt, weil bei seiner Verwendung als Verrechnungspreis 
fast der volle Verkaufsgewinn als Ertrag der Gesellschaft 
in der Bilanz erscheint, und zwar mit einem um so höhern 
Betrag, je tiefer der Ankaufspreis angesetzt worden ist. Darin 
liegt aber ein Vorteil, den unter Umständen eine als Aktien- 
gesellschaft organisierte Verkaufsvereinigung, deren Bilanz 
in die Öffentlichkeit gelangt, nicht verpassen möchte. Mag 
es nun auch diesen Verbänden nicht verdacht werden, daß sie 
allenfalls ihren Außenseitern und sonstigen Mitbewerbern 
den hohen Gewinn gewissermaßen als äußeres Merkmal 
ihres erfolgreichen Wirkens kundtun möchten, so müssen da- 
gegen doch auch gewisse Bedenken erhoben werden. Denn 
wie ein Ziegelkartell grundsätzlich an sich kein auf eignen 
Gewinn gerichtetes Unternehmen ist, so sollte es auch nicht 
durch die Aufstellung seiner Bilanz vielleicht nur den Schein 
erwecken, als ob es ein solches wäre. 



ii 

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— 58 — 

In der Bilanz einer Verkaufsvereinigung aber, die für 
den Verkauf ihrer Erzeugnisse einen Mindestpreis auf- 
stellt, schrumpft der bilanzmäßige Geschäftsertrag meist sehr 
zusammen. Denn der Überschuß, der über einen Mindest- 
Verkaufspreis hinaus erzielt werden kann, ist natürlich ver- 
hältnismäßig viel geringer, da bei diesem Mindestpreis die 
untere Grenze für die Festsetzung des tatsächlichen Verkaufs- 
preises entsprechend höher gelegen ist. Einer solchen Ziegel- 
Verkaufsvereinigung gelingt es aber deshalb auch wiederum 
am besten, einem Verdacht Außenstehender, der sie vielleicht 
als Erwerbsgesellschaft stempeln möchte, was, wie gesagt, 
kein Verkaufskartell jemals sein will und soll, den Boden zu 
entziehen. 



B. Die Festsetzung der Mindestpreise. 

Der Mindestpreis einer Ziegel-Verkaufsvereinigung wird 
jährlich wenigstens einmal, meistens mehrere Male durch die 
Ziegeleibesitzerversammlung festgesetzt. Nur zuweilen hat 
dabei der Aufsichtsrat oder der Vorstand oder die Geschäfts- 
führung das letzte Wort zu sprechen. Dies geschieht vor 
allem dann, wenn schon als Mindestpreis ein Verkaufspreis 
angesetzt wird. Denn während die Mitgliederversamm- 
lung zur Entscheidung über die Höhe eines Mindest-An- 
kaufspreises sehr wohl berufen ist, da jeder Ziegeleibesitzer 
am besten den Herstellungswert seiner Erzeugnisse kennt, 
stehen ihrer Befähigung zur Feststellung eines Mindest-Ver- 
kaufspreises einige Bedenken entgegen. Da nämlich bei ihr 
die gesamte Marktlage berücksichtigt werden muß, müssen 
an die kaufmännische und wirtschaftliche Schulung der für 
sie zuständigen Stelle immerhin ziemlich hohe Ansprüche 
gestellt werden. Ferner kann man sich bei ihr besonders 
schwer auf eine jährliche Festsetzung beschränken, 
wenn man nicht dem tatsächlichen Verkaufspreis die Beweg- 
lichkeit gänzlich nehmen und der Geschäftsführung zum 
Nachteil der Gesamtheit die Hände zu stark binden will. 
Beides spricht klar und zwingend dafür, wenigstens die Ent- 
scheidung über die Höhe des Mindest-Verkaufspreises aus 



— 59 - 

den Händen der Gesellschafterversammlung in die des Auf- 
sichtsrats oder des Vorstands oder der Geschäftsführung zu 
legen. Denn einerseits ist die Gesamtheit der Ziegeleibesitzer 
wohl selten durchweg zu der ungetrübten Beurteilung der 
Marktlage befähigt, die für die Festsetzung des Mindest-Ver- 
kaufspreises erforderlich ist. Anderseits läßt sich eine Gesell- 
schafterversammlung nicht von heute auf morgen einberufen ; 
ist sie aber wirklich zusammengetreten, so stellt sie für Ent- 
schlüsse, die, um die Gelegenheit nicht zum Teil wenigstens 
zu verpassen, schnell gefaßt werden müssen, wegen ihrer 
Vielköpfigkeit immer noch eine äußerst schwerfällige Ein- 
richtung dar. Nach Möglichkeit sollte aber ihr Einfluß auf 
die Mindest-Verkaufspreise doch nicht ganz ausgeschaltet 
werden. Den Ziegeleibesitzern ist in diesem Fall ja kein 
Mindest-Ankaufspreis zugesichert; dieser ist vielmehr im 
Mindest-Verkaufspreis nur als unbestimmte Größe enthalten. 
Das einzelne Kartellmitglied hat aber einen Anspruch darauf, 
ihn wenigstens in einer Mindesthöhe mitbestimmen zu dürfen. 
Daher wird am besten die Festsetzung des Mindest-Verkaufs- 
preises als Verrechnungspreis beiden obengenannten Organen 
nebeneinander übertragen. So wird in der Regel entweder der 
Mindest-Verkaufspreis an die Genehmigung der Gesellschafter 
gebunden, oder, was noch eher vorzuziehen ist, die Hauptver- 
sammlung erhält das Recht, in bestimmten Zwischenräumen 
zwei äußerste Grenzen zu bezeichnen, zwischen denen die 
zur endgültigen Beschlußfassung befugte Stelle den Mindest- 
Verkaufspreis selbständig festsetzen darf. 



II. Der tatsächliche Verkaufspreis. 

Die Festsetzung des tatsächlichen Verkaufspreises ge- 
schieht im Gegensatz zu der des Mindestpreises regelmäßig 
nicht durch die Mitgliederversammlung, sondern durch den 
Aufsichtsrat und den Vorstand oder die Geschäftsführung 
oder aber zumeist und am besten durch den Vorstand oder 
die Geschäftsführung allein. 



— (>0 — 

Wo es eben gilt, schnell, meist dem Augenblick ent- 
sprechend zu entscheiden, wie es sehr häufig bei der An- 
setzung des Verkaufspreises nötig ist, da ist die Ziegelei- 
besitzerversammlung wegen ihrer Schwerfälligkeit als aus- 
schlaggebende Stelle nicht zu gebrauchen. Die Entscheidung 
muß dabei vielmehr am besten nur einer, höchstens ganz 
wenigen Personen überlassen bleiben, deren Einsicht und 
Verständnis für die Lage man völlig vertrauen können muß. 
Gewisse Regeln kann man immerhin auch hier durch die Ge- 
samtheit der Kartellgenossen aufstellen lassen, so beispiels- 
weise, daß der tatsächliche Verkaufspreis mindestens eine 
bestimmte Anzahl Mark höher sein muß als der Mindest- 
Verrechnungspreis. Aber am besten verläßt man sich darin 
doch ganz auf die Fähigkeiten der Verwaltung. 

Die zur Bemessung des Verkaufspreises befugte Stelle 
hält sich bei ihrer Entscheidung zumeist nur nach unten an 
die durch die Mindestpreise gesteckten Grenzen gebunden, 
während sie sich über diese hinaus das Recht der freien Be- 
stimmung vorbehält. Die Beschränkung nach unten kann, wie 
gezeigt wurde, eine größere oder geringere sein, je nach- 
dem die Geschäftsstelle mit dem Lieferanten für den Verkauf 
oder für den Ankauf einen Mindestpreis vereinbart hat. 
Welchen Vorteil die Verwaltung des Kartells bei der Fest- 
setzung des Verkaufspreises hat, wenn der betreffende Min- 
destpreis möglichst niedrig angesetzt ist, ist ebenfalls schon 
gesagt. 

Nach oben ist der Verkaufsstelle eine äußerste Grenze 
nur mittelbar gezogen, und zwar durch den natürlichen 
Marktpreis. Dieser darf selbstverständlich niemals über- 
schritten werden, da sonst sofort die Gefahr der Entstehung 
von Außenseitern, ihrer Begünstigung durch die Abnehmer 
und einer Bevorzugung konkurrierender Baustoffe droht. 



3. Abschnitt. 

Der AlleinaiiM und »verkaut der kartellierten 
Ziegeleierzeugnisse durch die Ziegel » Verkaufs» 

Vereinigung. 

l. Die rechtliche Stellung der Verkaufsstelle 
den Kartellmitgliedern und andern gegenüber. 

Die gemeinsame Verkaufsstelle einer Ziegel-Verkaufsver- 
einigung tritt beim Verkauf der Erzeugnisse ihren Gesell- 
schaftern und andern gegenüber jetzt in der Regel als Selbst- 
kontrahentin auf. Nur noch in ganz wenigen Fällen nimmt 
sie die rechtliche Stellung einer Kommissionärin ein. 

Betreibt die Geschäftsstelle den Verkauf als Kommissio- 
närin, so bleibt zwar dem Ziegeleibesitzer seine Selbständig- 
keit der Kundschaft gegenüber wenigstens insofern erhalten, 
als er nicht gezwungen werden kann, jeden ihm vom Kar- 
tell zuerteilten Auftrag auch ausführen zu müssen; es er- 
gibt sich aber aus dem Vertrag nicht ohne weiteres die Haf- 
tung des Kommissionärs für den Eingang der Forderungen. 
Doch gerade auf die Übernahme der Eingangsbürgschaft 
durch die Gesamtheit legt der Kartellinteressent den größten 
Wert. So kommt es, daß bei dem weitaus größten Teile, 
wohl sicherlich bei über 90 v. H. der Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen die Verkaufsstelle als Selbstkontrahentin auftritt. Sie 
kauft als Selbstkäuferin im eignen Namen und für eigne 
Rechnung von den Kartellgenossen ihre Erzeugnisse und ver- 
kauft diese als Selbstverkäuferin im eignen Namen und für 
eigne Rechnung an andre. 



62 - 



II 



Durch eine solche Übernahme des Verkaufs durch die 
Geschäftsstelle wird der Vertrieb der Waren von ihrer Er- 
zeugung vollständig gelöst und geschieht ausschließlich von 
Kartells wegen. Der einzelne Ziegeleibesitzer wird von dem 
Verkehr mit der Kundschaft gänzlich ausgeschlossen und 
erleidet dadurch die größte Einbuße an Selbständigkeit. 
Hatten schon die Vereinbarungen des Kartells über die Rege- 
lung der Erzeugung und der Preise die Selbständigkeit der 
Mitglieder stark beschnitten, so bleibt ihnen diese jetzt nur 
noch insofern erhalten, als sie die Gefahr ihres eignen Betriebs 
weiter selbst tragen müssen. Doch dieser Verminderung der 
Selbständigkeit steht nun auch vor allem der unvergleichliche 
Vorteil gegenüber, daß das ganze, viel größere Risiko aus dem 
Verkehr mit der Kundschaft von der Verkaufsstelle, d. h. von 
dem Kartell in seiner Gesamtheit getragen wird. Denn nicht 
der einzelne Ziegeleibesitzer schließt mit dem Abnehmer ab 
und wird aus dem Geschäft berechtigt oder verpflichtet, son- 
dern die Ziegel-Verkaufsvereinigung, verkörpert in ihrer Ge- 
schäftsstelle. Die Vereinigung steht den Gesellschaftern als 
Käuferin gegenüber, haftet ihnen also für die Bezahlung ihrer 
Lieferungen, und steht den Abnehmern als Verkäuferin gegen- 
über, trägt also die Gefahr aus sämtlichen Geschäftsab- 
schlüssen mit ihnen. Aber nicht, als ob nun die Verkaufsver- 
einigung die Summe der Risiken ihrer Mitglieder auf sich ver- 
einigte. Das Risiko selbst wird weiter vielmehr für die Gesamt- 
heit bedeutend verringert. Denn da die Verkaufsstelle stets 
bestrebt und befähigt ist, einen Überblick über die Lage des 
gesamten Geschäftsverkehrs in ihrem Bezirk zu behalten, 
werden auch ihre Beziehungen zu den Abnehmern sicherere 
und gleichmäßigere. Sie vermag fortgesetzt über die Kredit- 
würdigkeit ihrer Kunden aufs genaueste unterrichtet zu 
bleiben, so daß sich die sonst im Baugeschäft gewohnten 
Verluste auf ein Mindestmaß beschränken lassen. 



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- 63 — 

II. Die Abnahmepflicht der Verkaufsstelle. 

A. Die Abnahmepflicht im allgemeinen. 

Die Verkaufsstelle ist verpflichtet, stets ihren regel- 
mäßigen Bedarf an Ziegeln aus den Werken ihrer Mitglieder 
zu decken. Zumeist muß sie sogar über ihn hinaus den 
Kartellgenossen die „Gesamterzeugung nach Maßgabe des 
Vertrags", d. h. die im* voraus festgesetzte Lieferberechtigung, 
in diesem Fall auch „Ankaufsmenge" genannt, abnehmen.*) 
Mit dieser Verpflichtung der Verkaufsvereinigung zum Ankauf 
der Gesamterzeugung soll aber nicht etwa gesagt sein, daß 
die Ankaufsmenge eines Jahrs auch unbedingt bis zum Schluß 
des jeweiligen Jahrs abgenommen sein müßte. Wenn viel- 
mehr der Bedarf des laufenden Jahrs hinter den Berechnungen 
der Verkaufsstelle zurückbleibt, so können die einzelnen Mit- 
glieder nur beanspruchen, daß die gesamten noch nicht ab- 
genommenen Ziegel auf die nächstjährige Lieferberechtigung 
als „nachholungsberechtigte Menge" übertragen werden. 
Dabei werden aber nur die tatsächlich vorhandenen Ziegel, 
soweit sie vertragsmäßig hergestellt werden durften, ange- 
rechnet. 

Die nachholungsberechtigte Menge wird bei ihrem Absatz 
im neuen Jahr zu dem Mindestpreis, oder wenn den Ziegelei- 
besitzern der erzielte Verkaufspreis ausgezahlt zu werden 
pflegt, zu dem Durchschnitts-Verkaufspreis ihres Ursprungs- 
jahrs verrechnet. Die Abnahme muß „unter Zulassung eines 
erfahrungsmäßig unumgänglichen Spielraums"**) vor der 
neuen Erzeugung irgendeines Mitglieds vorweg geschehen. 

Wo die Verkaufsvereinigung die jährliche Lieferberech- 
tigung in monatliche Teilmengen zerlegt, da ist die Verkaufs- 
stelle auch schon zur monatlichen Abnahme dieser Teilmenge 
nach Maßgabe des Vertrags verpflichtet. 

Der Übergang der Erzeugung in das Eigentum des 
Kartells geschieht in der Regel durch einen Ankauf von 
Fall zu Fall: die Verkaufsstelle kauft jedesmal nach Eingang 



*) Vgl. dazu Seite 35, Anm. 1. 

**) § 14 des Lief erungs Vertrags des Dortmunder Verkaufsver- 
eins für Ziegeleifabrikate, A.G., in Dortmund. 



64 



— 65 — 



eines Lieferungsauftrags die entsprechende Menge Ziegel von 
dem durch sie zu beauftragenden Ziegeleibesitzer. Das 
Eigentum geht dann an die Vereinigung über, sobald 
die verladenen Ziegel den Bereich der Ziegelei verlassen 
haben. Von da ab besitzt der Lieferant die Ziegel nur 
noch als Verwahrer und Frachtführer der Verkaufsvereini- 
gung. Nur zuweilen gelten die Ziegel, sobald sie zum 
Trocknen unterm Schuppen stehen, als vom Kartell gekauft 
und werden so also gleich sein Eigentum. Durch die Ver- 
kaufsstelle abgerufen werden sie aber auch dann erst bei Be- 
darf und auch bezahlt erst nach ihrem Absatz. Ihre Auf- 
bewahrung bis zum Abruf übernehmen die Mitglieder kosten- 
los. Im ersten Fall ist demnach der von den einzelnen 
Ziegeleibesitzern unterzeichnete Lieferungsvertrag nur ein 
Vorvertrag, der die Verpflichtung enthält, von Fall zu Fall 
Kaufverträge abzuschließen; im zweiten Fall ist er dagegen 
ein einziger Kaufvertrag zwischen den Ziegeleibesitzern und 
ihrer Geschäftsstelle.*) 

Verursacht ein Streik in der Abnahme von Ziegeln durch 
die Verbraucher eine Stockung, so kann allenfalls auch die 
Verpflichtung der Verkaufsstelle zur Abnahme von den be- 
rechtigten Ziegeleibesitzern ganz oder teilweise aufhören. 
Inwieweit, wann und ob überhaupt die so ausgefallenen 
Ziegellieferungen nachträglich abzunehmen und zu bezahlen 
sind, darüber entscheidet unter Umständen von Fall zu Fall 
ein Schiedsgericht. 

Die Abnahmeverbindlichkeit der Verkaufsstelle den Liefe- 
ranten gegenüber erlischt, sobald seine Lieferberechtigung 
erreicht worden ist. — 

Unter bestimmten Umständen ist übrigens das Kartell 
auch berechtigt oder sogar verpflichtet, Ziegel von Außen- 
seitern oder von außerhalb des Vertragsgebiets zu kaufen. 
Dadurch wird erstens der Verkaufsstelle die vorteilhafte Mög- 
lichkeit gegeben, entweder in Einzelfällen die konkurrieren- 
den Lieferungen kartellfreier oder auswärtiger Ziegel oder 



/ 



auch die ganze Erzeugung eines Außenseiters oder einer 
außerhalb des Kartellbezirks gelegenen Ziegelei zur Aufrecht- 
erhaltung ihrer Preise zu erwerben. Zweitens kann die Mög- 
lichkeit eines solchen Ankaufs bekanntlich auch dann von 
großem Nutzen sein, wenn infolge eines unvorhergesehenen 
Umschwungs der Marktlage das Kontingent des laufenden 
Jahrs zur Befriedigung des Bedarfs nicht ausreicht und ein 
Verlust von Kunden der Verkaufsvereinigung an Außen- 
seiter oder auswärtige Ziegeleibesitzer zu befürchten ist. 



*) Vgl. Dr. Ludwig Silberberg in der Tonindustrie-Zeitung, Jahr- 
gang 33 (1911), Seite 1657. 



B. Die Verteilung der Lieferungsaufträge durch die Ver- 
kaufsstelle unter die Kartellmitglieder. 

1. Die bei der Verteilung zu beachtenden Grund- 
sätze. 

Um die Ziegellieferungen möglichst zweckmäßig zu ver- 
teilen, soll die Verkaufsstelle bei der Überweisung von Liefe- 
rungsaufträgen in erster Linie die Lage der einzelnen Ziegel- 
werke zur Anfuhrstelle beachten : die Lieferung nach den ein- 
zelnen Bauten soll tunlichst der am nächsten gelegenen Zie- 
gelei übertragen werden, um so eine Ersparnis an Fuhr- 
löhnen zu erzielen. Dieser Grundsatz der Frachtersparnis 
spielt gerade in der Ziegelindustrie eine ganz besondre Rolle. 
Denn einerseits macht der Fuhrlohn von den Selbstkosten 
einer Ziegel lieferung einen ganz unverhältnismäßig hohen 
Prozentsatz aus, so daß eine Ersparnis an Ihm von größter 
Wichtigkeit ist. Anderseits sind aber oftmals die einzelnen 
Ziegeleien innerhalb des Bezirks eines Ziegelkartells sehr zer- 
streut gelegen, und sehr häufig beschränken sich die Ver- 
brauchsstellen in einem Jahre auf wenige ganz bestimmte 
Bezirke, so daß die Durchführung des obigen Grundsatzes 
meistens auf große Schwierigkeiten stößt. 

Zweitens soll ein Lieferungsauftrag nach Möglichkeit an 
den Ziegeleibesitzer vergeben werden, der in der Ausübung 
seiner Lieferberechtigung oder im Verhältnis zu seiner Be- 
teiligung am weitesten zurück ist. Denn die Verkaufsver- 



— 66 — 

einigung ist stets verpflichtet, ihre Gesellschaftswerke im 
Verhältnis ihrer Lieferberechtigungen oder ihrer Beteiligungs- 
ziffern zum Gesamtabsatz — möglichst fortlaufend — denkbar 
gleichmäßig zu beschäftigen. Denn da in der Ziegelindustrie 
sowieso schon mit einer großen Einschränkung gearbeitet 
wird, möchte jeder mindestens zur gegebenen Zeit seinen 
Anteil absetzen, wenigstens aber am Ende des Jahres in der 
Stückzahl der gelieferten Ziegel nicht hinter seinen Kartell- 
genossen zurückstehen. 

Schließlich sollen bei der Verteilung der Lieferungsauf- 
träge auch noch, wenn eben möglich, die Wünsche der Ab- 
nehmer berücksichtigt werden. Dies soll vor allem geschehen, 
wenn es sich um frühere Kunden eines bestimmten Werks 
handelt oder der Verbraucher etwaige Mehrkosten für Fuhr- 
lohn oder besondere Beschaffenheit selbst tragen will. In 
der Regel bestimmt aber die Verkaufsvereinigung allein, 
welche Ziegel dem Besteller zu liefern sind. Dieser hat 
dann die Ware zu nehmen, die ihm die Verkaufsstelle an- 
fahren läßt. Die Erzeugnisse der einzelnen Ziegeleien sind 
aber auch im allgemeinen tatsächlich so gleichwertig, daß 
es dem Abnehmer ganz einerlei sein kann, ob er seine Ziegel 
von A oder von B erhält. Vor dem Kartellvertrag sind ja 
ebenfalls zumeist alle Ziegel gleichberechtigt, ganz gleich, 
welchen Ursprungs sie sind. Da aber trotzdem besondere 
Wünsche der Kunden sehr häufig sind, müssen sie auch nach 
Möglichkeit erfüllt werden, wenn das Kartell sich das Wohl- 
wollen seines Abnehmerkreises erhalten will. — 

Die drei Grundsätze, nach denen der Geschäftsleiter der 
Verkaufsstelle sich bei der Verteilung der Lieferungsaufträge 
richten soll, Frachtersparnis, Zuteilung an den, der im Ver- 
hältnis zum Gesamtabsatz an der Reihe ist, und Berück- 
sichtigung der Wünsche der Verbraucher, sind zwar in der 
Theorie leicht gegeben, können aber in der Praxis meist 
nicht gleichmäßig befolgt werden. 

Am häufigsten muß der zweite Grundsatz hinter die 
beiden andern, vor allem den der Frachtersparnis, zurück- 
treten. So kommt es, daß ein vollständiger Ausgleich der 
Lieferungen der einzelnen Kartellgenossen am Jahresschluß, 



/ 



— 67 — 

d. h. der Zustand, daß die Verkaufsstelle bei ihrem Geschäfts- 
abschluß jedem Ziegeleibesitzer so viele Ziegel tatsächlich ab- 
genommen hat, wie er un Verhältnis seiner Lieferberechtigung 
zum wirklichen Gesamtversand beanspruchen konnte, auf 
regelrechtem Wege nur sehr selten herbeigeführt werden 
kann. Ein Bestreben, die Verteilung immer so durchzu- 
führen, daß am Schluß jedes Jahres jeder auf jeden Fall 
seinen richtigen Anteil geliefert hätte, könnte in einer Ziegel- 
Verkaufsvereinigung einerseits und vor allem stets nur mit 
großen Unkosten für Frachtaufwendungen durchgehalten 
wdrdesj ; es sei denn, daß die Kartellmitglieder der Geschäfts- 
stelle auf Lager lieferten oder die Entfernungen der Ziege- 
leien vom Anfuhrplatz wenigstens fast gleich wären. Die 
Frachtunkosten stiegen dabei natürlich in dem Maße, je 
weniger oder mehr weit die einzelnen Ziegeleien innerhalb 
des Verkaufsgebiets auseinander lägen. Anderseits brächte 
es in vielen Vereinigungen auch Scherereien mit den Ab- 
nehmern mit sich, da die Wünsche der Kunden wegen 
der liefernden Ziegelei immer noch oft den Bestimmungen 
der Verkaufsstelle widerstreben. Diese Scherereien könnten 
nur dort fortfallen, wo die Erzeugnisse der einzelnen Werke 
gleich beliebt wären. Dies ist aber besonders häufig in den 
Kartellbezirken noch nicht der Fall, in denen noch Hand- 
strich- und Maschinenziegel nebeneinander hergestellt werden. 

Die Unterschiede aber, die sich aus den obigen Gründen 
zwischen den tatsächlichen und den berechtigten Lieferungs- 
anteilen der einzelnen Ziegeleibesitzer ergeben, sind in der 
Regel so beträchtlich, daß sie nicht ohne weiteres am Schluß 
des Jahres fallen gelassen werden können. Daher bildet die 
Frage, wie die mit ihren Lieferungen unverschuldet im Rück- 
stand gebliebenen Ziegeleibesitzer zu Lasten der in Vor- 
sprung geratenen befriedigt werden sollen, mit eine Lebens- 
frage der Ziegel-Verkaufsvereinigungen. Denn gerade aus der 
ungleichmäßigen Verteilung der Lieferungen erwächst allzu- 
leicht ein Mißtrauen gegen die Verwaltung der Geschäfts- 
stelle, .das nicht selten den ersten Anstoß zur gänzlichen 
Abkehr vom Vertrag gibt. Aber auch deshalb ist diese Frage 
für die Ziegelkartelle von ganz besonderer Bedeutung, weil 



f.* 



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gerade sie regelmäßig mit großen Erzeugungseinschränkun- 
gen arbeiten müssen. 



2. Der Lieferungsausgleich. 

a) Allgemeine Maßregeln zur Erleichterung des 
Lieferungsausgleichs. 

Um dem Leiter der Geschäftsstelle überhaupt die Mög- 
lichkeit zu geben, jederzeit sehen zu können, wie weit die 
einzelnen Mitglieder in ihrem Versand innerhalb ihrer 
Lieferberechtigung fortgeschritten sind, werden Verteilungs- 
listen geführt. Zur fortlaufenden Prüfung, allenfalls zur Er- 
gänzung dieser Listen ist jeder Ziegeleibesitzer bei Strafe 
verpflichtet, zumeist wöchentlich, bei besonders reger Bau- 
tätigkeit oder bei einem regelmäßig größern Umschlag zu- 
weilen auch täglich, der Geschäftsstelle eine Aufstellung über 
die Stückzahl der von ihm gelieferten Ziegel einzureichen. 
An diesen Aufstellungen wird monatlich die von jedem tat- 
sächlich erreichte Beteiligung am Gesamtversand berechnet. 
Die Geschäftsführung hat dabei streng zu beachten, daß 
diese mit dem berechtigten prozentischen Anteil des ein- 
zelnen Ziegeleibesitzers am Gesamtabsatz wenigstens zu 
dieser Zeit möglichst übereinstimmt, um größere Unter- 
schiede überhaupt und besonders ihr Anschwellen am Jahres- 
schluß zu vermeiden. Ein am Ende des Monats sich aus den 
Verteilungslisten ergebender Rückstand oder Vorsprung in 
der Lieferung wird den betreffenden Gesellschaftern sofort 

mitgeteilt. 

Damit aber der Zweck der Verteilungslisten trotz dem 
guten Willen der Geschäftsleitung nicht von vornherein hin- 
fällig gemacht wird, muß es auch streng verboten werden, 
daß die Ziegeleibesitzer etwa durch eigne Schuld in ihrem 
Absatz vorkommen. Daher ist es nicht richtig, wenn einige 
Verkaufsvereinigungen Unterschiede in den Lieferungen 
der einzelnen Ziegeleibesitzer gegenüber ihrem berechtigten 
Anteil am Gesamtversand von etwa 10 bis 20 v. H. mehr 
oder weniger zulassen. Denn schon dieser verhältnismäßig 



— 69 ~ 

geringe Spielraum kann, wenn ihn beispielsweise einer von 
mehreren zu derselben Lieferung beauftragten Ziegelei- 
besitzern ungebührlich ausnutzt, zu Schädigungen eines an- 
dern Mitglieds oder auch des Kartells im ganzen führen. Da- 
her ist es stets sehr zweckmäßig, auch die geringste Mehr- 
lieferung, soweit sie nicht ausdrücklich durch die Verkaufs- 
stelle aufgetragen worden ist, mit einer besondern Abgabe 
zu belegen, deren Höhe sich nach dem Wert der Mehr- 
lieferung richtet, und die dem Ziegeleibesitzer zukommt, der 
mit seiner Lieferung unverschuldet zurückgeblieben ist. Eine 
solche Sonderabgabe läßt jeden Gesellschafter streng darauf 
achten, wenigstens nicht ohne Auftrag vorzukommen. Diese 
Bestimmung berührt aber noch nicht die am Jahresschluß 
vorzunehmende Regelung des Ausgleichs solcher Mehr- und 
Minderlieferungen, die durch die Verkaufsstelle zur Ver- 
meidung größerer Nachteile veranlaßt worden sind. Die ein- 
zelnen Verfahren, die man zum Ausgleich dieser Unterschiede 
in den Lieferungen anwendet, sollen erst im folgenden be- 
sprochen werden. 

b) Der einfache natürliche Ausgleich der Mehr- 
und Minderlieferungen. 

Hier muß zunächst noch einmal festgestellt werden, 
was man überhaupt unter Mehr- und Minderlieferung 
zu verstehen hat. Als solche sind stets nur die Mengen 
zu betrachten, mit denen ein Ziegeleibesitzer gegenüber 
seinem prozentischen Anteil am tatsächlichen Versand zurück- 
geblieben oder vorgekommen ist. Unter Minderlieferung ist 
dagegen, wenn die Verkaufsvereinigung sich zum An- 
kauf eines im voraus bestimmten und unveränderlichen Kon- 
tingents verpflichtet, nicht zu verstehen der Rückstand aus 
der Lieferberechtigung des einzelnen überhaupt. Vielmehr 
kann sich auch der Mehrliefernde mit seinem Lieferungsanteil 
im Verhältnis zu seiner Lieferberechtigung im Rückstand be- 
finden. Eine Minderlieferung wird ferner mit den im folgen- 
den zu erläuternden Berechtigungen in der Regel nur dann 
als vorhanden angenommen, wenn die lieferberechtigten 
Ziegel an dem der Ausgleichsberechnung untergelegten Zeit- 



— 70 — 

punkt auch tatsächlich als vertragsmäßige Ware und zur 
Abfuhr bereit auf dem Lagerplatz der Ziegelei gestapelt 
sind. — 

Die ersten Ziegel-Verkaufsvereinigungen begnügten sich 
damit, die Mehr- und Minderlieferungen auf die nächst- 
jährigen Lieferberechtigungen zu übertragen, so daß diese 
sich im einen Fall verminderten, im andern vermehrten. Ihre 
Ausgleichung aber überließen sie im übrigen fast durchweg 
von Monat zu Monat oder sogar von Jahr zu Jahr — was 
allerdings bei den Betroffenen schon ein großes Maß von Ge- 
duld voraussetzte — dem natürlichen Lauf der Dinge. Man 
ging dabei von der Erwägung aus, daß sich aller Voraus- 
sicht nach der Grad der Bautätigkeit in den einzelnen Teilen 
des Kartellbezirks, wenn nicht von Monat zu Monat, so 
doch schließlich von Jahr zu Jahr verschieben und sich 
der Ausgleich so selbsttätig regeln würde. Natürlich konnten 
die Verkaufsstellen auf diese Weise Frachtvorteile denkbar 
günstig ausnutzen. Aber der erwartete Wechsel im Ver- 
brauchsort stellte sich auf die Dauer doch- nicht mit solcher 
Regelmäßigkeit ein, wie es zugunsten eines gerechten 
Lieferungsausgleichs zu wünschen gewesen wäre. Die be- 
treffenden Ziegeleibesitzer machten schließlich der Verkaufs- 
stelle wegen der endlichen Abnahme ihrer Rückstände Vor- 
stellungen, und Zwistigkeiten und Reibereien waren die natür- 
lichen Folgen des abwartenden Verhaltens der Geschäfts- 
leitung. 

Daher gingen denn einige Verkaufsvereinigungen 
von der einfachen Verrechnung der Mehr- und Minderliefe- 
rungen auf die nächstjährigen Lieferberechtigungen*) zu- 
nächst wenigstens einen Schritt weiter: sie verpflichteten 
sich auch dazu, die Ziegel des in der Minderlieferung sich 
befindenden Ziegeleibesitzers im neuen Jahre bis zum Aus- 



*) Es ist hier ganz gleich, ob diese Lieferberechtigung eine im 
voraus bestimmte Menge ist, oder ob sich ihre Höhe jedesmal erst 
am Schluß des Jahres nach Feststellung des tatsächlichen Gesamt- 
versands ergibt, wie es bei der auf S. 33 und 39 erwähnten Or- 
ganisation geschieht. 



71 — 



gleich der den Lieferberechtigungen entsprechenden Anteile 
möglichst zuerst abzunehmen. 

c) Der natürliche Ausgleich mit Zinsvergütung. 

Doch mit der vorzüglichen Abnahme der Ziegel allein war 
den Kartellmitgliedern, besonders da jene sich oftmals recht 
lange hinziehen konnte, nicht gedient. Sie verlangten daher 
weiter und mit Recht, wenn sich schon ein endgültiger Aus- 
gleich nicht sofort schaffen ließe, wenigstens eine volle Ver- 
gütung ihres Zinsverlustes. Natürlich sollten die dafür er- 
forderlichen außerordentlichen Aufwendungen der Verkaufs- 
stelle ganz den in der Mehrlieferung sich befindenden Ziege- 
leibesitzern zur Last gelegt werden. 

Diesen berechtigten Forderungen der durch Minderliefe- 
rung geschädigten Ziegeleibesitzer kam man dadurch ent- 
gegen, daß man den reinen Naturalausgleich durch eine geld- 
liche Leistung als Zinsvergütung auf Kosten derer, die durch 
ihren Vorsprung in der Lieferung einen Vorteil erzielt hatten, 
ergänzte. Dieses in den Ziegelkartellen jetzt noch am 
häufigsten angewandte Verfahren läßt zumeist auch den 
rückständigen Lieferanten ohne Mißtrauen der Geschäfts- 
führung gegenüber und ohne irgendwelchen bedeutenden 
finanziellen Schaden in Ruhe den endgültigen Ausgleich seiner 
Lieferungen mit denen seiner Kartellgenossen abwarten. 

Im Kartellvertrag lautet der Abschnitt über den natür- 
lichen Ausgleich mit Zinsvergütung in der Regel etwa so: das 
Werk, das mehr geliefert hat, als ihm im Verhältnis zu seiner 
Lieferberechtigung als Anteil am Gesamtabsatz zusteht, hat 
den Ziegeleibesitzern, die mit ihren Lieferungen zurück- 
geblieben sind, zum Ausgleich des ihnen dadurch erwachsenen 
Schadens den Wert der zu wenig gelieferten Waren bis zum 
Lieferungsausgleich zu verzinsen. Die Verzinsung geschieht 
zumeist mit einem festen Betrag von 10 bis 15 Pfennig 
für tausend Ziegel und einen Monat. 

Wenn die Verkaufsvereinigung nicht den gesamten 
Rückstand aus dem Kontingent des einen auf das des 
nächsten Jahrs zu übernehmen und bei seinem Absatz zu 
den Preisen des Ursprungsjahrs zu verrechnen pflegt, wird 



72 — 



— 73 — 



die Zinsvergütung wohl auch ergänzt oder im ganzen so be- 
werkstelligt, daß das am Ende des Jahrs aus dem Überschuß 
verteilte Aufgeld*) nicht nach der tatsächlichen, sondern nach 
der berechtigten Beteiligung am gesamten Absatz ausgezahlt 
wird. So erhält nämlich der Minderliefernde einen größern, 
der Mehrliefernde einen geringern Betrag, als seiner wirk- 
lichen Leistung entspricht. 

Bei denselben Vereinigungen müssen beim Absatz der 
Minderlieferungen im folgenden Jahr auch noch die nun für 
sie maßgebenden Preise mit denen der Mehrlieferungen im 
Adrigen Jahr ausgeglichen werden. Wenn die Preise ge- 
sunken sind, wird dem Minderliefernden beim Verkauf seiner 
Minderlieferung der Unterschied zwischen den vor- und dies- 
jährigen Preisen zu Lasten des Mehrliefernden gutgeschrieben. 
Sind sie aber gestiegen, so wird der Minderliefernde zugun- 
sten des Mehrliefernden mit dem Unterschied belastet. 

In einzelnen Ziegel-Verkaufsvereinigungen, wo das Be- 
stehen einer Minderlieferung mit den besprochenen Berech- 
tigungen nicht an das tatsächliche Vorhandensein der liefer- 
berechtigten Ziegel gebunden ist, kann zuweilen auch die 
Minderlieferung gegen eine weitere Vergütung neben der 
für den Zinsverlust an einen Kartellgenossen übertragen 
werden. Für die Geschäftsstelle des Kartells liegt darin der 
große Vorteil, daß durch Anrechnung der Minderlieferung 
des einen auf die nächstjährige Lieferberechtigung des andern 
Mitglieds der Ausgleich auf jeden Fall und sofort geschaffen 
und so ein langes Hinauszögern vermieden wird. 

d) Der geldliche Ausgleich der Mehr- und Min- 
derlieferungen. 

In der soeben angedeuteten Gefahr der Verzögerung des 
endgültigen Lieferungsausgleichs liegt überhaupt der große 
Nachteil, der beiden bisher behandelten Ausgleichsverfahren, 
soweit sie noch auf dem Grundsatz des Naturalausgleichs be- 

*) Von diesem Aufgeld ist in dem später folgenden Abschnitt über 
die Abrechnung zwischen der Verkaufsstelle und den Gesellschaftern 
noch ausführlicher zu sprechen. 



/ 



ruhen, anhaftet. Der Ausgleich kann sich nämlich bei diesem 
Grundsatz mindestens auf Monate in das neue Jahr hinein hin- 
ziehen und unter besondern Umständen sogar ganz unmög- 
lich werden. Denn einerseits tritt nicht so leicht von Jahr 
zu Jahr eine solche Verschiebung des Verbrauchsorts ein, daß 
nun die Lage der im Absatz rückständigen Ziegeleien zu den 
Baustellen günstiger wäre. Wer soll die Mehrkosten für Frach- 
ten zahlen, die dann bei einem gewaltsamen Ausgleich gar 
nicht zu vermeiden wären? Soll man sie auch noch den 
sich im Vorsprung befindenden Ziegeleibesitzern auferlegen? 
Man müßte es tun, wenn man nicht anders die Zahlung der 
Zinsvergütung hinschleppen wollte. Vorausgesetzt, man wäre 
sich darüber einig, oder es erklärten sich sogar die rück- 
ständigen Ziegeleibesitzer selbst zur Übernahme des höhern 
Fuhrlohns bereit, so verhindern die Ausgleichsbestrebungen 
aber sehr oft auch noch die Wünsche der Abnehmer. Die 
Verpflichtung zur vorzüglichen Abnahme rückständiger Ziegel 
kann nämlich auch nur dann zu einem schnellen und völlis^en 
Lieferungsausgleich führen, wenn die Erzeugnisse der ein- 
zelnen Ziegelwerke von der Kundschaft möglichst gleichmäßig 
begehrt werden. Doch das ist nicht immer der Fall. Nehmen 
wir beispielsweise an, daß im Bezirk einer Verkaufsvereini- 
gung noch Handstrich- und Maschinenziegel nebeneinander 
hergestellt und verkauft werden. Wenn unter solchen Umstän- 
den in der Tat einmal ein größrer Teil der Verbraucher trotz 
der gleichen Güte der beiden Sorten für Maschinenziegel nur 
ihres bessern Aussehens wegen eine besondre Vorliebe faßt, 
dann kann die Verkaufsstelle am Ende mit dem Ausgleich 
ihrer Lieferungen in eine unangenehme Lage kommen. Denn 
wenn sie ihrem Grundsatz gemäß den Wünschen der Kunden 
gerecht werden will, müssen die Maschinenziegel vor den 
Handstrichziegeln bald in einen fortgesetzt wachsenden Vor- 
sprung geraten. Auch ein höherer Preis für Maschinen- 
ziegel hat diesen für den Geschäftsbetrieb des Kartells so 
mißlichen Vorgang nicht immer unterbinden können. Beim 
Naturalausgleich müßte daher die betroffene Verkaufsstelle 
regelmäßig zu Anfang eines Jahrs den Vertrieb der Maschinen- 
ziegel zugunsten der Handstrichziegel einschränken, vielleicht 



— 74 — 

sogar ganz einstellen, bis die rückständigen Ziegel verkauft 
wären. Das würde jedoch auf der andern Seite unfehlbar 
Scherereien mit den Abnehmern nach sich ziehen. 

So hat man denn schließlich, überzeugt von der Unmög- 
lichkeit, im Wege des Naturalausgleichs den rückständigen 
Ziegeleibesitzer schnell und ganz befriedigen zu können, und 
gemäß den bei den Ausgleichsbestrebungen gemachten Erfah- 
rungen bei der weitern Suche nach einem Ausgleichsver- 
fahren für seine möglichste Vollkommenheit zwei Forderun- 
gen aufgestellt : es soll nicht nur gerecht, sondern auch mög- 
lichst für jede Ziegel-Verkaufsvereinigung zweckmäßig sein. 
Gerecht, das heißt, es soll den Ersatz für die Schädigungen, 
die den einen Teil durch Minderlieferung treffen, allein und 
im vollen Umfang dem Teil auferlegen, dem der Rückstand 
seiner Berufsgenossen in Form einer Mehrlieferung und damit 
verbundener Vorteile zugute gekommen ist. Für jede Ziegel- 
Verkaufsvereinigung zweckmäßig bedeutet, daß es den Aus- 
gleich der Lieferungen oder ihres Wertes nicht nur auf jeden 
Fall, sondern auch in absehbarer Zeit endgültig 
herbeiführen kann. 

Dem ersten Grundsatz werden zwar die beiden frühem 
Verfahren nach Möglichkeit gerecht, das heißt, soweit der 
Schaden des Minderliefernden sich überhaupt in Geld fest- 
stellen läßt. Dem zweiten Grundsatz aber entsprechen die 
auf dem Naturalausgleich beruhenden Verfahren nur zum 
Teil und dann auch nur allenfalls, d. h. bei genügender Dauer 
des Kartellvertrags. Ein Verfahren schließlich, das beiden 
Forderungen völlig genügt, hat man im geldlichen Ausgleich 
gefunden. Dabei erhält der Minderliefernde am Schluß des 
Jahrs vom Mehrliefernden nicht nur eine Zinsvergütung, son- 
dern sofort den Geldbetrag, den ihm ein tatsächlicher Ver- 
kauf seiner Ziegel eingebracht hätte. Die Höhe dieser Geld- 
leistung ist in der Regel ungefähr gleich dem jeweiligen Ver- 
rechnungspreis oder dem durchschnittlichen Netto- Verkaufs- 
preis abzüglich der Selbstkosten unter Berücksichtigung 
etwaiger Zinsverluste. 

Die Zinsverluste werden unter denselben Umständen wie 
oben (Seite 71) auch hier zuweilen dadurch vergütet, daß 



— 75 — 



der Netto-Überschuß des Kartells nicht nach dem tatsäch- 
lichen Anteil am Gesamtabsatz, sondern nach der vertrag- 
lichen Lieferberechtigung verteilt wird. Im gleichen Fall 
gelten auch für einen etwaigen Preisausgleich beim Geldaus- 
gleich dieselben Bestimmungen wie beim Naturalausgleich. 
Durch die Annahme der geldlichen Entschädigung be- 
gibt sich der Minderliefernde des Rechts der Zurechnung 
seiner Minderlieferung zu seiner nächstjährigen Lieferberech- 
tigung, während entsprechend dem Mehrliefernden die 
Lieferberechtigung des neuen Jahrs nicht mehr durch An- 
rechnung seiner vorjährigen Mehrlieferung verkürzt wird. 
Mehr- und Minderlieferungen werden so bei völliger Befriedi- 
gung der beteiligten Ziegeleibesitzer mit einem Schlage aus 
der Welt geschafft. Für die Ziegel-Verkaufsvereinigung im 
ganzen aber liegt in dem Verfahren des Geldausgleichs der 
große Vorteil, daß sie am Ende jedes Jahrs reine Bahn 
machen kann und sich in neuer Rechnung mit der bevorzugten 
Beobachtung von Mehr- und Minderlieferungen nicht mehr 
zu belasten braucht. 

Zum Schluß sei noch bemerkt, daß alle Ausgleichs- 
verfahren, die dem Mehrliefernden eine dem Minderliefernden 
zukommende Geldbuße auferlegen, zugleich bewirken, daß 
jedes Mitglied auch selbst Wert darauf legt, mit seinen 
Lieferungen nicht zu weit vorzukommen, und daß so der 
Verkaufsstelle die gleichmäßige Verteilung der Aufträge 
wenigstens nicht noch unnötig erschwert wird. Unzuträg- 
lichkeiten und Reibereien der Art, wie sie schon einmal er- 
wähnt wurden, werden so jedenfalls denkbar vermieden. Diese 
Wirkung wird um so eher erzielt, je größer der bare Geld- 
betrag ist, den der Mehrliefernde zu zahlen hat. Daher kann 
auch in dieser Beziehung der Geldausgleich am durch- 
schlagendsten wirken. Da er aber namentlich auch den 
Grundsätzen der Gerechtigkeit und Zweckmäßigkeit in vollem 
Umfang genügt, sollte er allen sonst gebräuchlichen Aus- 
gleichsarten auf jeden Fall vorgezogen werden. 

Erfreulicherweise sind denn auch in den letzten Jahren 
in der Ausbreitung des Verfahrens des geldlichen Ausgleichs 
immer größere Fortschritte zu beobachten. Während es 



— 76 - 

früher fast allgemein nur bei der Auflösung des Kartells an- 
gewandt wurde, bricht es sich heute auch beim jährlichen 
Lieferungsausgleich mehr und mehr Bahn. 



111. Die Lieferpflicht der Gesellschafter. 

A. Der Umfang der Lieferpflicht und die Folgen ihrer 
nicht vertragsmäßigen Erfüllung. 

Die Mitglieder einer Ziegel-Verkaufsvereinigung dürfen 
bei einer Vertragsstrafe im Fall der Zuwiderhandlung min- 
destens innerhalb des Kartellbezirks an niemand anders als 
an ihre Verkaufsstelle Ziegel verkaufen, noch sonstwie über- 
lassen oder auch nur anbieten. Ausgenommen davon sind 
nur die örtlichen Kleinverkäufe, zum Teil die Verkäufe nach 
auswärts und der Selbstverbrauch unter gewissen Bedingun- 
gen. Diese Ausnahmen sind später in einem besondern Ab- 
schnitt zu besprechen. 

1. Die Menge, zu deren Lieferung der einzelne Zie- 
geleibesitzer verpflichtet ist. 

Die Menge, zu deren Lieferung an die Ziegel -Ver- 
kaufsvereinigung das einzelne Kartellmitglied verpflichtet ist, 
entspricht in der Regel seiner Lieferberechtigung und unter- 
liegt auch ihren Vertragsbestimmungen*). Wenn diese dem 
Mitglied erlauben, allenfalls auch weniger als die Lieferberech- 
tigung herzustellen, so steht es dem Ziegeleibesitzer ent- 
sprechend frei, weniger zu liefern; er hat aber die Geschäfts- 
stelle von dieser Absicht rechtzeitig zu benachrichtigen. Ver- 
tritt aber die Verkaufsvereinigung den Grundsatz der 
„freien Erzeugung'', so kann der einzelne Ziegeleibesitzer 
zur Lieferung doch nur bis zur Höhe seiner Lieferberechtigung 
herangezogen werden, wenn er sich nicht vorher ausdrück- 






*) Dies abgesehen von den wenigen Ziegel-Verkaufsvereinigun- 
gen, auf deren abweichende Organisation in der Anmerkung Seite 35 
hingewiesen ist. 



— 77 — 

lieh zu einer Mehrlieferung bereit erklärt hat. Schreibt end- 
lich die Vereinigung ihren Mitgliedern vor, genau ihre Liefer- 
berechtigung herzustellen, so müssen die Ziegeleibesitzer auch 
stets einen ausreichenden Bestand an Ziegeln vorrätig halten, 
um jeden Lieferungsauftrag ausführen zu können. Wie ferner 
zuweilen die Verkaufsstelle sich verpflichtet, monatlich einen 
bestimmten Prozentsatz der Lieferberechtigung abzunehmen, 
so muß dann auch der Ziegeleibesitzer diesen Prozentsatz 
monatlich liefern oder wenigstens zum Abruf bereit halten. 
Zu einer Bereitstellung darüber hinaus ist er aber nur unter 
besondern Umständen gehalten. 

Wenn das Kartell seine Mitglieder genau an eine vor- 
geschriebene Menge bindet, werden auch alle Ziegel, die 
am Ende des Jahrs oder Monats von der Lieferberech- 
tigung nicht oder nicht mehr vorhanden sind, auf diese 
angerechnet. Dabei werden aber nur die tatsächlich geliefer- 
ten Ziegel als verkauft vergütet und nehmen zumeist auch 
nur sie an etwaigen Berechtigungen teil. Fehlmengen da- 
gegen, d. h. herstellungsberechtigte, aber nicht hergestellte 
Ziegel, werden ohne Entschädigung als verfallen betrachtet, 
es sei denn, daß sie aus der Mehrerzeugung des vorigen 
Jahrs oder Monats gedeckt werden können. Dies gilt für 
die Berechtigungen der Minderlieferungen bekanntlich in 
jedem Fall. 

Das Vorhandensein von Fehlmengen wird durch die auch 
sonst übliche Bestimmung festgestellt, daß jeder Gesell- 
schafter zur allgemeinen fortlaufenden Prüfung seiner Liefer- 
fähigkeit der Verkaufsstelle seinen Bestand an gebrannten 
Ziegeln monatlich bis zu einem bestimmten Tage anmelden 
muß. 

2. Die Haftung der Ziegeleibesitzer für die Erfüllung 
des Lieferungsauftrags und für die Beschaffenheit 
der gelieferten Ziegel. 

Die Ziegeleibesitzer sind unbedingt verpflichtet, die ihnen 
überwiesenen Aufträge pünktlich und genau nach den An- 
ordnungen der Verkaufsstelle zu erfüllen. Wenn ein Mit- 
glied seiner Lieferpflicht nicht genügt, indem es sich weigert, 



i\ 



- 78 



eine ihm überwiesene Lieferung auszuführen, wird ihm die 
Lieferberechtigung um die nicht geUeferte Menge ohne Ent- 
schädigung gekürzt. Außerdem hat es für jeden aus einer 
solchen Nichtannahme eines Lieferungsauftrags entstehenden 
Schaden im vollen Umfang aufzukommen. Falls besondre 
Umstände, wie eine durch höhere Gewalt entstandene Be- 
triebsstörung, den Ziegeleibesitzer an der vertragsmäßigen 
Lieferung hindern, hat er diese stets der Geschäftsstelle so- 
fort anzuzeigen. Auch ein Streik der Ziegeleiarbeiter ent- 
bindet während seiner Dauer den betroffenen Unternehmer 
von seiner Lieferpflicht. Eine Anrechnung der aus einer 
der beiden letztgenannten Ursachen ausgefallenen Lieferun- 
gen auf die Lieferberechtigung des nächsten Jahrs geschieht 
allerdings nur selten. 

Zur genauen Erfüllung eines Lieferungsauftrags gehört 
es ferner, daß die Ziegel gemäß den Vorschriften der Ver- 
kaufsstelle über ihre Verteilung auf bestimmte Tage oder 
Stunden oder über ihre Abladung an bestimmten Plätzen an- 
gefahren werden. Auch für jeden Schaden, der aus einer vor- 
schriftswidrigen Anfuhr der Ziegel entsteht, haftet der Liefe- 
rant. Namentlich aber muß die Beschaffenheit der gelieferten 
Ware einer von der Verkaufsvereinigung festgelegten An- 
forderung entsprechen. Der Kartellvertrag fordert in der 
Regel kurz gesagt eine „gute Ware", d. h. die Ziegel müssen 
den ortsüblichen Ansprüchen der Verbraucher und den bau- 
polizeilichen Vorschriften des Orts genügen. Die vorge- 
schriebene Größe ist, abgesehen von den schon bei andrer 
Gelegenheit genannten Plätzen mit besondern Maßen, das 
Reichsmaß: 25:12:6,5 cm, meist mit einer zulässigen Fehler- 
grenze von 2 bis 4 v. H. in den einzelnen Abmessungen.*) 
Zur Abnahme von mindermaßigen, bleichen oder sonst nicht 



*) Nach den „Ortsgebräuchen im Berliner Handel mit Ziegeln, 
Kalksandsteinen, Bruchsteinen und Steinmaterialien für den Wege- 
sind Abweichungen von diesem Maß (als Schwindemaß) nur 



bau 



i< 



bis zu 1 cm in der Länge und 1/2 cm in der Breite und Höhe ge- 
stattet; jedoch dürfen nicht mehr als 12 v. H. solcher Ziegel .geliefert 
werden. Das Maß ist durch Messung von vier beliebigen (nicht 
ausgesuchten) an- oder aufeinandergelegten Ziegeln zu ermitteln. 



— 79 — 

vollwertigen Ziegeln ist die Geschäftsstelle nicht verpflichtet; 
während sogenannter Schmölze (überbrannte und miß- 
gestaltete Ziegel) und Bruch für jede Lieferung nur bis zu 
einem bestimmten geringen Prozentsatz, meist 1 bi;s 5 v. H., 
zugelassen werden. 

Die Verantwortung für die Beschaffenheit der Ware trägt 
der Ziegeleibesitzer stets allein. Er hat für alle Kosten auf- 
zukommen, die durch Lieferung ungenügender oder schlechter 
Ziegel verursacht werden. Wenn eine Lieferung vom Ab- 
nehmer oder von der Baupolizei bei der Verkaufsstelle 
beanstandet wird, so muß diese die Mängelrüge unver- 
züglich dem Lieferanten mitteilen. Die Ziegeleibesitzer 
sind nicht berechtigt, gegen die Mängelrüge dem Kartell 
gegenüber den Einwand der Verspätung zu erheben, 
wenn die Mängel von den .Abnehmern der Geschäfts- 
führung gegenüber rechtzeitig gerügt sind und diese die Rüge 
innerhalb der vertragsmäßigen Frist an den Lieferanten 
weitergegeben hat. Die Berechtigung einer Mängelrüge wird 
durch Sachverständige festgestellt, die sodann die betreffende 
Lieferung ausdrücklich als minderwertig erklären. Gegen 
diese Minderwertigkeitserklärung steht dem Lieferanten Be- 
rufung an den Aufsichtsrat und danach oder auch sofort an 
ein Schiedsgericht zu. 



3. Die Verwertung minderwertiger Ziegel. 

Wenn eine Ziegellieferung zu Recht beanstandet worden 
ist, so kann die Verkaufsvereinigung sich entweder den 
Abstoß der minderwertigen Ware zu jedem Preis vor- 
behalten oder sie zu anderweitiger Verfügung an den Liefe- 
ranten zurückgeben. Gelingt es der Geschäftsstelle, die Ziegel 
trotz ihren Mängeln abzusetzen, so erhält der Ziegeleibesitzer 
nur den tatsächlichen Verkaufspreis abzüglich sämtlicher 
Kosten für Beanstandung, Begutachtung usw., zuweilen auch 
noch abzüglich einer besondern Verkaufsprovision für 1000 
Stück. Um ganz sicherzugehen, behält sich das Kartell auch 
beim Verkauf der Ware noch etwaige Schadenersatzansprüche 
gegenüber dem Lieferanten vor. 



/ 



80 



Wird die anderweitige Verwertung beanstandeter Ziegel 
dem liefernden Werk freigestellt, so kann es über sie in ge- 
wissen Grenzen selbsttätig verfügen. Scharfe Bestimmungen 
lauten dahin, daß solche Ware nur zu eignen Bauten inner- 
halb der eignen Betriebsanlagen verwendet werden darf. In 
der Regel aber wird ihr freihändiger Verkauf erlaubt, wo- 
zu aber der Ziegeleibesitzer für jeden Fall der schriftlichen 
Genehmigung der Verkaufsvereinigung bedarf. Die Ein- 
gangsbürgschaft für diese Verkäufe trägt der Unternehmer 
selbst. Berechnet aber werden sie durch die Geschäftsstelle, 
um ihre Stellung als Alleinverkäuferin nach außen hin zu 
wahren. Die Auszahlung des von ihr eingezogenen Ver- 
kaufspreises geschieht ebenfalls nach Abzug eines besondern 
Beitrags zu den Geschäftsunkosten. 

Sowohl die durch die Verkaufsstelle, wie auch die durch 
die Ziegeleibesitzer unmittelbar verkauften minderwertigen 
Ziegel werden in der Regel auf die Lieferberechtigung an- 
gerechnet, ohne dabei aber an den sonst mit dieser ver- 
bundenen Rechten und Pflichten, wie Aufgeld und Umlage, 
teilzunehmen. 



B. Die Ausnahmen von der Lieferpflicht. 

1. Die Selbstverkäufe. 

Bei den Selbstverkäufen, d. h. den Verkäufen, die von 
den Ziegeleibesitzern unmittelbar und ohne Genehmigung 
der Verkaufsvereinigung vorgenommen werden dürfen, ist 
zu unterscheiden zwischen den örtlichen Kleinverkäufen und 
den Verkäufen nach außerhalb des Kartellbezirks. 



a) Der örtliche Kleinverkauf. 

Mit der Freigabe des örtlichen Kleinverkaufs hat man 
verschiednen Bedürfnissen entgegenkommen wollen. Als 
Käufer treten bei ihm namentlich solche Personen auf, die 
mit eignem Fuhrwerk gleich selbst zur Ziegelei kommen und 
nur kleine Mengen benötigen. Es sind dies meist Hand- 



- 81 — 



werker, kleine Landwirte usw., auf jeden Fall solche Leute, 
die nicht zur festen Kundschaft gehören. (An Wiederver- 
käufer und Bauunternehmer dürfen auch kleine Mengen unter 
keinen Umständen freihändig verkauft werden.) Es leuchtet 
ohne weiteres ein, daß eine vorherige Anmeldung oder Ein- 
holung der Genehmigung bei der Geschäftsstelle zur Ab- 
gabe solch geringfügiger Mengen kleinlich wäre, eine große 
Schwierigkeit bedeutete und viele Unzuträglichkeiten mit 
sich brächte. 

Die für den örtlichen Kleinverkauf freigegebenen Men- 
gen dürfen nur im Vertragsgebiet des Kartells abgesetzt 
werden. Zuweilen unterliegen sie sogar einer noch weitern 
Gebietseinschränkung, indem sie jeweilig nur in einer be- 
stimmten, in Kilometern ausgedrückten Entfernung von der 
betreffenden Ziegelei abgegeben werden dürfen. Stets ist 
ihre Stückzahl scharf begrenzt. Sie ist entweder in einer 
Gesamtmenge für einen Monat oder ein Jahr ausgedrückt, 
oder es ist nur eine bestimmte Menge für jeden Verkauf oder 
für eine Gruppe von Verkäufen an denselben Abnehmer für 
denselben Monat oder dasselbe Jahr festgesetzt. Dabei wird 
zuweilen noch der gesamte freihändige Absatz auf einen 
festen Prozentsatz der Lieferberechtigung beschränkt. Im 
übrigen .sind für die Höhe der Stückzahl die örtlichen Ver- 
hältnisse und Bedürfnisse maßgebend. 

Der Verkaufspreis für die im örtlichen Kleinverkauf ab- 
gesetzten Ziegel soll sich im allgemeinen nach dem Mindest- 
preis der Verkaufsvereinigung richten, das heißt die Ziegel 
dürfen wenigstens nicht unter diesem abgegeben werden. 
Nicht selten werden aber auch für den Handverkauf, weil es 
sich dabei stets um kleine Mengen handelt, jährlich durch 
den Aufsichtsrat oder die Gesellschafterversammlung soge- 
nannte Kleinverkaufspreise festgesetzt, die um einen festen 
Satz höher sind als der Mindestpreis. 

Für die freihändigen Platzverkäufe ist meistens der Bar- 
verkauf vorgeschrieben. Auf jeden Fall trägt die Eingangs- 
bürgschaft für diese Geschäfte der Lieferant selbst. 

Die von einem Kartellmitglied im örtlichen Kleinverkauf 
freihändig abgesetzten Ziegel werden in der Regel als an 



I 



i I 



— 82 — 

die Verkaufsvereinigung abgegeben betrachtet: sie werden 
in voller Höhe auf die Lieferberechtigung angerechnet und 
unterliegen in der Regel auch den sonstigen Bestimmungen 
über die tatsächlich an die Geschäftsstelle gelieferten Mengen ; 
nur an der Verteilung des Aufgelds nehmen sie zumeist 
nicht teil, da man dann damit zu rechnen pflegt, daß für 
sie im Barverkauf höhere Preise als die Verrechnungspreise 
erzielt worden sind. 

Ferner müssen ebenso wie die im Auftrag des Kartells 
gelieferten Ziegel auch die freihändigen Kleinverkäufe 
wöchentlich der Verkaufsstelle angemeldet werden. Dabei 
müssen aber neben den sonst üblichen Angaben auch noch 
die Verkaufspreise und sonstigen Abmachungen mitgeteilt 
werden. Dieser Angaben bedarf die Geschäftsleitung vor 
allem deshalb, um die Zahlungsbedingungen für diese 
meistens auf eigene Rechnung abgegebenen Mengen un- 
bedingt und möglichst scharf überwachen zu können. Da 
aber trotzdem bei diesen Verkäufen die Übersicht und Über- 
wachung den Abnehmern etwa eingeräumter Zahlungsbedin- 
gungen u. dgl. stets schwierig ist, entsteht der Wunsch, den 
freien Platzverkauf mindestens nach Möglichkeit einzu- 
schränken. Zuweilen, allerdings selten, ist man sogar so weit 
gegangen, jeden unmittelbaren Verkauf von Ziegeln bei Strafe 
zu verbieten. 



b) Der Verkauf nach auswärts. 

Der Verkauf von Ziegeln nach außerhalb des Kartell- 
bezirks ist rein örtlich zumeist an sehr enge Grenzen ge- 
bunden. Denn fast überall zeigt sich Wettbewerb, gegen 
den der hohen Frachtkosten wegen in der Regel nicht an- 
zukommen ist. Dabei soll noch von den zahlreichen Fällen, 
wo das Gebiet der einen Verkaufsvereinigung unmittel- 
bar an das einer Nachbarvereinigung stößt und beide mit- 
einander einen Schutzvertrag geschlossen haben, von vorn- 
herein ganz abgesehen werden; denn in diesen Fällen ist 
überhaupt jeder Versand nach auswärts sozusagen ausge- 
schlossen. Die Lage ist nur für die Verkaufsvereinigungen 



:l 1 



— 83 — 

besser, deren Ziegeleien einen günstigen Bahnanschluß oder 
sonstige billige Verkehrswege, wie natürliche und künstliche 
Wasserstraßen, für die Beförderung ihrer Erzeugnisse be- 
nutzen können. Wo namentlich ein Wasserweg zu Gebote 
steht, da kann das Kartell allerdings unter Umständen noch 
in verhältnismäßig weit gelegenen Gegenden in Wettbewerb 
treten. 

Wenn aber somit auch der auswärtige Absatz der Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen zumeist nur ziemlich geringfügig ist, 
so kann doch seine tatsächliche Bedeutung unter Umständen 
durchaus nicht unbeträchtlich sein. Aus zwei Gründen vor 
allem haben zahlreiche Kartelle der Ziegelindustrie den Ver- 
kauf nach auswärts entweder allen Mitgliedern oder nur den 
an der Grenze des Vertragsgebiets gelegenen Werken ohne 
große Beschränkungen freigegeben, wenn sie ihn nicht zum 
Wohle der Gesamtheit schließlich doch wieder selbst in die 
Hand genommen haben. 

Wenn der auswärtige Verkauf allen Ziegeleien frei- 
gegeben wird, so geschieht dies hauptsächlich, um den Kar- 
tellmitgliedern die Gelegenheit zu geben, ihre Übererzeugung, 
das sind dann die Mengen, die sie zur Aufrechterhaltung der 
vollen Ausnutzung ihrer Betriebsanlagen über ihre Liefer- 
berechtigung hinaus herstellen dürfen, abstoßen zu können. 
Sodann läßt man sich dabei aber auch durch den Grund 
leiten, der für die Grenzziegeleien der allein ausschlag- 
gebende und eigentlich überhaupt nur berechtigte ist: man 
hofft, so die auswärtigen Ziegeleien durch zuvorkommende 
Maßnahmen, wie durch Kampfpreise usw., vom eignen Ab- 
satzgebiet fernhalten und möglicherweise zum Anschluß an 
die eigne oder zum Zusammenschluß zu einer besondern 
Verkaufsvereinigung veranlassen zu können. Beide Male 
liegt für die entfernt gelegenen Kartellwerke in dieser 
Bewegungsfreiheit nach außen hin zugleich wohl auch ein 
Entgelt für zu hohe Fuhrlöhne zum Paritätsort, wenn diese, 
wie beim Brutto-Ankaufspreis, bei der Abrechnung nicht voll 
berücksichtigt werden können. 

Wo man aus einem dieser Gründe die Außenverkäufe 
erlaubt hat, da sind sie zumeist nur mit einem Mindestmaß 



ü i 



84 



von Vorschriften belastet. Meistens begnügt man sich da- 
mit, die Kartellmitglieder zu verpflichten, die Sorgfalt eines 
ordentlichen Kaufmanns aufzuwenden, damit die so abge- 
setzten Ziegel nicht auf irgendeinem Weg in das Vereins- 
gebiet zurückkehren und dort doch noch verbraucht werden. 
Ferner werden diese Ziegel nicht auf die Lieferberechtigung 
angerechnet. Das ist, wenn ihr Verkauf nur zum Absatz der 
Übererzeugung freigegeben wird, selbstverständlich. Bei der 
Freigabe zu Kampfzwecken aber könnte eine Anrechnung 
den Beteiligten unmittelbar zum Nachteil gereichen. Denn 
w enn etwa ein Ziegeleibesitzer infolge solcher Außenverkäufe 
seinen berechtigten Anteil am Gesamtabsatz überschritten 
hätte, so müßte er ja zumeist, abgesehen davon, daß er für 
den auswärtigen Absatz jedenfalls einen geringern Erlös er- 
zielt hätte*), auch noch zum Lieferungsausgleich an den 
Minderliefernden eine Zinsvergütung oder Abfindungssumme 
zahlen. Dadurch würden für ihn aber die Vorteile des freien 
Verkaufs nach auswärts mindestens wieder aufgehoben. 

Neben der sonst großen Freiheit der Außenverkäufe hat 
man aber für ihre Preise nicht selten doch beschränkende 
Bestimmungen vorgesehen. Erstens sollen dadurch Schädi- 
gungen der Ziegeleibesitzer, besonders dann, wenn sie die 
Außenverkäufe zu reinen Kampfzwecken vornehmen, mög- 
lichst vermieden werden. Zweitens aber und vor allem will 
man so auch jenseits der Grenzen den Verkauf, soweit er 
durch die eignen Mitglieder ausgeführt wird, wenigstens in 
etwa zu regeln versuchen. Denn Uneinigkeit in der Preis- 
frage und gegenseitiges Unterbieten der Kartellmitglieder 
würde, abgesehen von der eignen Schädigung, auch den aus- 
wärtigen Wettbewerb, der doch ferngehalten oder bekämpft 
und mürbe gemacht werden soll, erst recht zum Vergeltungs- 
kampf reizen und von dem Gedanken des kollegialen Zu- 
sammenschlusses nur noch mehr entfernen. Drittens aber soll 
die Gefahr vermieden werden, daß etwa bei übermäßig nie- 
drigen Preisen Bauunternehmer innerhalb des Vertragsgebiets 



*) Auch diese Selbstverkäufe müssen in der Regel gegen bar aus- 
geführt werden, wobei dem betreffenden Ziegeleibesitzer der tat- 
sächliche Verkaufspreis zufällt. 



— 85 - 

die nach auswärts versandten Ziegel von dort trotz er- 
höhten Frachtkosten billiger als unmittelbar von der Ver- 
kaufsvereinigung beziehen, eine Gefahr, die um so größer 
ist, je enger der Kartellbezirk begrenzt ist und je günstiger 
die Verkehrsbedingungen in ihm und seiner Umgebung sind. 

Es ist aber ein Widerspruch in sich selbst, wenn die 
Außenverkäufe an einen einheitlichen festen Preis, der viel- 
leicht gar über den Mindestpreis hinausgeht, gebunden wer- 
den. Das mag, wenn sie allein zur Vermeidung einer über- 
mäßigen Erzeugungseinschränkung freigegeben werden, zur 
Not angängig sein, da nur des verhältnismäßig geringen 
Mehrabsatzes wegen durch möglicherweise verlustbringende 
Preise usw. eine Mißwirtschaft nicht einreißen darf. Die aber 
sonst für das Kartell erstrebten Vorteile können dadurch unter 
Umständen völlig wieder aufgehoben werden. 

Daher werden zumeist auch die Bestimmungen über die 
Preise der Außenverkäufe so entgegenkommend wie eben 
möglich abgefaßt. In der Regel bindet man diese Preise nur 
an die jeweilige Zustimmung der Vereinigung. Sie können 
dabei, was für sie als Kampfpreise selbstverständlich nicht 
nur empfehlenswert, sondern unumgänglich notwendig ist, 
auch unter dem Mindestpreis für Verkäufe innerhalb des Kar- 
tellbezirks liegen, ohne daß deshalb Schädigungen der Zie- 
geleibesitzer befürchtet zu werden brauchten. Denn die Werke 
arbeiten ja, wenn sie auf den auswärtigen Absatz Wert legen, 
mit größerer Ausnutzung ihrer Anlagen. Die Grenzziegeleien, 
für die Außenverkäufe besonders in Betracht kommen, haben 
zudem sehr oft auch deshalb noch geringere als Durch- 
schnitts-Herstellungskosten, w^eil sie die Tonlager und die 
sonstigen Grundstücke für ihre Werkanlagen weiter abseits 
von der Stadt zumeist billiger zu bezahlen brauchen. 

Doch auch die von Fall zu Fall vorgeschriebene Zu- 
Siiimmung des Kartells zu den Preisen für die nach aus- 
wärts abzusetzenden Ziegel hat sich sehr häufig nur als 
unzureichende Sicherheitsmaßregel gegen jegliche leicht- 
sinnige Zugeständnisse und damit verbundene Schäden er- 
wiesen, wie sich schon früher die vorherige Festsetzung 
von einheitlichen Mindestpreisen für alle Außenverkäufe als 



iii 



86 — 



— 87 — 



ganz unangfebracht gezeigt hatte. Daher hat man als besten 
Weg zur Wahrung des Wohles der gesamten Verkaufs- 
vereinigung endlich doch den erkannt, auch die Außen- 
verkäufe, soweit sie zur Verteidigung der Grenzen oder zu 
Kampfzwecken dienen sollen, lediglich durch die Verkaufs- 
stelle vornehmen zu lassen. 

Was aber die Außenverkäufe zur Verwendung einer er- 
laubten Übererzeugung anbetrifft, so ist schon darüber ent- 
schieden, inwieweit und ob überhaupt die Erlaubnis einer 
Erzeugung von Ziegeln über die Lieferberechtigung hinaus 
zu befürworten ist. Für diesen besondern Fall sei nochmals 
betont, daß die Ziegeleibesitzer, wenn sie in der Erwartung 
eines umfangreichen Absatzes nach auswärts entsprechend 
mehr hergestellt haben, in dieser Hoffnung getäuscht stets 
Gefahr laufen, an den Grenzen In denselben geldlich und 
moralisch gleich verderblichen Wettbewerbskampf mit ihren 
Berufsgenossen zu treiben, der durch die Gründung der 
Verkaufsvereinigung ausgeschaltet werden sollte. 

Nimmt die Verkaufsstelle die Außenverkäufe, soweit sie 
das Gesamtwohl des Kartells dem auswärtigen Wettbewerb 
gegenüber wahren und fördern sollen, selbst in die Hand, 
so wird nicht nur jeder schädliche Wettbewerb zwischen 
den Kartellwerken und alle damit verknüpften Innern Un- 
zuträglichkeiten ausgeschlossen, sondern namentlich auch ein 
völlig planmäßiges Vorgehen gegen die Ziegeleien im Außen- 
bezirk ermöglicht, zu dem der einzelne Ziegeleibesitzer nie- 
mals in der Lage ist. Dabei muß auch die Verkaufsvereini- 
gung ihre Kampfpreise scharf und streng berechnen und sich 
insbesondere vor sogenannten Schleuderangeboten hüten. Sie 
wird jedoch bei der Preisfestsetzung dadurch günstig beein- 
flußt, daß sie nun regelmäßig auch die von ihr nach aus- 
wärts verkauften Ziegel dem beauftragten Mitglied auf 4ie 
Lieferberechtigung anrechnet und daher zu dem vereinbarten 
Mindestpreis berechnen muß. 

Trotz diesem Hemmschuh werden aber bei den Außenver- 
käufen Mindererlöse stets an der Tagesordnung sein und 
die geldliche Lage der Vereinigung stark belasten. Sie wer- 
den zwar 'auch infolge der Anrechnung der Außenverkäufe auf 



die Lieferberechtigung auf die Gesamtheit verteiH. Aber dies 
Mittragen aller an den durch Kampfpreise erlittenen Verlusten 
wird mindestens teilweise doch dadurch wieder ausgeglichen, 
daß durch die Anrechnung auch dieser Verkäufe eine Ver- 
größerung des jährlichen Gesamtkontingents bedingt wird; 
denn diese kommt durch entsprechende Vergrößerung der 
einzelnen Lieferberechtigungen allen beteiligten Ziegelei- 
besitzern zugute. Darin liegt aber ein weiterer, mit der Über- 
nahme der Außenverkäufe durch das Kartell selbst ver- 
bundener großer Vorteil, und so sollte auch daher schließlich 
eine allmähliche Ausdehnung der unmittelbaren Beeinflussung 
auch des Markts der nächstbenachbarten Außenbezirke durch 
die Verkaufsstelle von jeder Ziegel-Verkaufsvereinigung er- 
strebt werden. 



2. Der Selbstverbrauch. 

Unter Selbstverbrauch versteht man die Verwendung 
der eignen Erzeugnisse für eigne Zwecke. Der Zweck kann 
ein dreifacher sein: entweder gebraucht der Werkbesitzer 
seine Ziegel zur Befriedigung des eignen Bedarfs auf seiner 
Ziegelei, oder er verwendet sie für Neubauten, die er für 
eigne Rechnung auf seinem Grundstück selbst errichtet oder 
errichten läßt, oder die Ziegel dienen zur Herstellung von 
Neubauten auf fremden Grundstücken für Rechnung andrer, 
d. h. der Ziegeleibesitzer betreibt zugleich ein Baugeschäft. 
Natürlich kommen. in den beiden letzten Fällen nur Bauten 
innerhalb des Kartellbezirks in Frage. 

Es ist wohl völlig unbedenklich, wenn die Ziegel-Ver- 
kaufsvereinigungen nur mit sehr wenigen Ausnahmen ihre Ge- 
sellschafter den eignen Bedarf für Bauten, wie Verwaltungs- 
gebäude, Arbeiterwohnungen usw., und Ausbesserungen 
innerhalb des eignen Ziegeleibetriebs ganz frei und unbe- 
schränkt, also ohne Anmeldung an die Verkaufsstelle und 
ohne Anrechnung auf die Lieferberechtigung ihrer Erzeugung' 
entnehmen lassen. Eine solche Verwendung eigner Ware 
bewegt sich erfahrungsgemäß zumeist nur in den engsten 
Grenzen. 



— 88 



Größern Schwierigkeiten dagegen begegnet schon die 
Regelung der beiden andern Fälle des Selbstverbrauchs. Tritt 
auch in der Praxis der Fall der Errichtung von Neubauten 
für eigne Rechnung hinter den der Ausführung von andern 
in Auftrag gegebener Bauten immerhin noch an Zahl und 
Wichtigkeit zurück, so haben doch die Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen den Verbrauch von Ziegeln für beide Zwecke 
stets gleichmäßig geregelt. Vorausbemerkt sei, daß satzungs- 
gemäß meist nur der als berechtigt gilt, für Rechnung andrer 
auf fremden Grundstücken zu bauen, der „nach entsprechen- 
der Fachausbildung selbständig das Maurergewerbe betreibt 
und der Baupolizei als Fachmann gilt.''*) 

Erklärlicherweise läßt man anfangs den Ziegeleibesitzern, 
um sie wenigstens den wichtigsten Zügen des Kartellvertrags 
möglichst gefügig zu machen und von besondern Härten 
ihnen gegenüber abzusehen, im Selbstverbrauch fast durch- 
weg die denkbar größte Freiheit. So begnügt man sich auch 
jetzt noch häufig damit, für den Selbstverbrauch die Ein- 
holung einer Genehmigung fftr den einzelnen Fall vorzu- 
schreiben und im übrigen nur für die Preise, zu denen die 
verwendeten Mengen in Rechnung zu stellen sind, feste 
Regeln in etwa folgender Form aufzustellen: 

In beiden Fällen, sei es, daß die Bauten für eigne oder 
fremde Rechnung ausgeführt werden, gelten Ziegel aus dem 
eignen Werk als vom Kartell gekauft, und müssen Ziegel aus 
andern Betrieben durch die Verkaufsstelle bezogen werden. 
Dementsprechend hat die Entnahme von Ziegeln vom eignen 
Ofen zum gleichen Preis zu geschehen, zu dem auch dem be- 
treffenden Ziegeleibesitzer als reinem Bauunternehmer von 
der Verkaufsvereinigung Ziegel von einem der jeweiligen 
Baustelle am nächsten gelegenen Werk angeboten werden 
würden. Beim Ankauf fremder Ziegel zum Selbstverbrauch 
ist die Verkaufsstelle gehalten, sie dem betreffenden Kartell- 
mitglied zum üblichen günstigsten Preis zu liefern. Diese 
Grundsätze gelten übrigens für jeden Fall des Selbstver- 
brauchs, ganz gleich, wie er sonst vom Kartell geregelt ist. 

*) § 12, 1 des Lieferungsvertrags des Kölnischen Ziegel-Syndi- 
kats, Aktiengesellschaft, Cöln. 



— 89 — 

Der Ankauf von Ziegeln zum Selbstverbrauch aus andern 
Kartellwerken interessiert hier weiter nicht. Für die Frage 
der Regelung des Selbstverbrauchs in den Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen ist nur der aus der eignen Erzeugung von Wich- 
tigkeit. Diese Erzeugung darf der Selbstverbraucher wäh- 
rend der ersten Entwicklungszeit einer Verkaufsvereinigung 
innerhalb der eingeschätzten Leistungsfähigkeit für den 
eignen Bedarf meist ohne jede Beschränkung verwen- 
den. Die Kartellmitglieder sind dabei entweder berech- 
tigt, ihren Selbstverbrauch nur der erlaubten Übererzeu- 
gung zu entnehmen, oder sie sind gehalten, ihren mutmaß- 
lichen Selbstverbrauch jährlich oder monatlich von ihrer Be- 
teiligungsziffer vorweg abziehen zu lassen. Im ersten Fall 
bleiben sie mit ihrer vollen Lieferberechtigung am Absatz 
der Verkaufsstelle beteiligt. Im zweiten dagegen gelten sie 
nur mit der übrigbleibenden Menge als beteiligt, d. h. nur 
der Unterschied zwischen ihrem Selbstverbrauch und ihrer 
ursprünglichen Beteiligungsziffer unterliegt den satzungs- 
gemäßen Beschränkungen der Herstellung und des Absatzes. 
Darin liegt also immerhin schon ein Fortschritt in der Rege- 
lung des Selbstverbrauchs, und von diesem Verfahren aus 
entwickelt sich später auch die ganze zu besprechende Neu- 
gestaltung seiner Behandlung. 

Zumeist bleibt neben dieser Freiheit der Erzeugung für 
den Selbstverbrauch die für ihn verwendete Menge auch 
noch von einer sonst für die innerhalb der Lieferberechtigung 
an die Verkaufsstelle verkauften Ziegel berechneten Abgabe 
oder Umlage unberührt. 

Diese anfangs fast allgemein übliche Behandlung des 
Selbstverbrauchs läßt sich aber nur so lange ohne Bedenken 
vertreten, wie der Selbstverbrauch in den engsten Grenzen 
bleibt. Wo er weitere Kreise zu ziehen beginnt, da muß sie 
unbedingt irgendwie umgestaltet und verbessert werden. 

Zuerst hat die Abgabenfreiheit des Selbstverbrauchs 
vielerorts ihre Umgestaltung veranlaßt. Diese Bewegung 
ging namentlich von den Abnehmern aus. Denn diese reinen 
Bauunternehmer mußten sehen, wie ihre Mitbewerber aus 
der Ziegelindustrie bei der Ausführung von Bauaufträgen 









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- 90 — 

die Preise um so viel billiger veranschlagen konnten, wie die 
Abgabe an die Verkaufsvereinigung betrug. Sie fühlten sich 
daher den mitbewerbenden Gesellschaftern gegenüber in ihren 
Geschäften ganz empfindlich benachteiligt und gerieten auf 
den besten Weg, gegen die gesamte Politik der Ziegelkartelk 
zu Felde zu ziehen. Um sich nun ihr Wohlwollen zu erhalten, 
mußten die betroffenen Ziegel-Verkaufsvereinigungen schließ- 
lich zunächst einmal in diesem Punkt ihre Stellungnahme 
dem Selbstverbrauch gegenüber ändern. Sie belegten daher 
auch die selbstverbrauchten Ziegel mit einer Abgabe und 
stellten so, wenigstens so weit es in ihrer Macht lag, wieder 
einen Ausgleich in der Wettbewerbsfähigkeit der reinen Bau- 
unternehmer den Mitgliedern des Kartells gegenüber her. 

In Ziegel-Verkaufsvereinigungen größerer Städte aber, 
wo der Selbstverbrauch wegen der mit ihm verbundenen Er- 
leichterungen in der Verwendung der Erzeugnisse einen 
großen Aufschwung zu nehmen begann, hat seine freie Be- 
handlung, vor allem bei trägem Geschäftsgang, in andrer, 
wichtigerer Beziehung die größte Besorgnis der Vereinigun- 
gen selbst und den gerechten Unwillen der reinen Ziegelei- 
besitzer erregt. 

Der stark steigende Selbstverbrauch entzog den Kar- 
tellen von Jahr zu Jahr größere Mengen und verminderte so 
die Lieferberechtigung aller Mitglieder ständig mehr zu- 
gunsten der Selbstverbraucher. Zudem blieben die Unter- 
nehmermitglieder neben ihrem wachsenden Selbstverbrauch 
auch trotz eines etwaigen Abzugs von der ursprünglichen 
Beteiligungsziffer noch mit einer ansehnlichen Anzahl von 
Ziegeln am Absatz der Verkaufsstelle beteiligt. Bei deA 
Ziegel-Verkaufsvereinigungen, die die Jahres-Lieferberechti- 
gung in monatliche Teilmengen zerlegten und dementr 
sprechend auch monatlich den angemeldeten Selbstverbrauch 
von der Beteiligungsziffer abzogen, konnten sogar die Selbst- 
verbraucher neben ihrem Selbstverbrauch auch weiterhin die 
Abnahme einer Menge beanspruchen, die fast an die alleinige 
Lieferberechtigung eines MitgHeds ohne Selbstverbrauch her- 
anreichte. 

Bei solchen Zuständen wurde es verständlich, daß, wenn ein- 



— 91 — 

mal den Kartellgenossen klargeworden war, um wieviel besser 
sich ihre Kollegen standen, die an die Erzeugung von Ziegeln 
auch ihren Verbrauch in eigner Rechnung anschlössen, 
schließlich jeder Unternehmer werden wollte. Oft genug wurde 
er sogar zu diesem Schritt geradezu gezwungen, wenn er sich 
überhaupt noch einen genügenden Absatz sichern wollte. 
Wenn aber eine solche Entwicklung der Dinge fortdauerte, 
mußte endlich der Bestand des Kartells in dreifacher Hin- 
sicht untergraben werden: 

Zunächst gingen so, wie schon gesagt, der Verkaufsver- 
einigung ganz beträchtliche Mengen von Ziegeln verloren, und 
schrumpften demzufolge die Lieferberechtigungen der ein- 
zelnen Mitglieder immer mehr zusammen. Im gleichen Maß 
sank ferner aber unaufhaltsam die Macht und das Ansehen der 
Vereinigung im allgemeinen, da diese sich nach der Höhe 
des Prozentsatzes der Gesamterzeugung ihres Bezirks richten, 
der ihrer Kontrolle unterliegt. Schließlich wurde auch zum 
Schaden des Kartells die Wettbewerbsfähigkeit der Abnehmer 
durch das immer schnellere Anwachsen der Zahl der Unter- 
nehmermitglieder und ihrer bei günstigem Bezugsbedingun- 
gen selbstverbrauchten Mengen empfindlich geschwächt. 
Denn durch die Aufhebung der Abgabenfreiheit allein waren 
noch nicht alle Umstände beseitigt, die den Gesellschafter 
als Bauunternehmer günstiger stellten als den Kunden der 
Verkaufs Vereinigung. 

,Um wenigstens einen Teil dieser zahlreichen Mißstande 
abzustellen, knüpfte man hier und da zunächst einmal die 
Erteilung der Genehmigung zu dem auf jeden Fall in einer 
fest veranschlagten und angemeldeten Menge von der ur- 
sprünglichen Beteiligungsziffer im voraus abzuziehenden Selbst- 
verbrauch an die Bedingung, daß durch ihn „die übrigen 
Gesellschafter nicht geschädigt", d. h. in der Beteiligung 
am Gesamtabsatz nicht zurückgesetzt würden. Eine solche 
Schädigimg der Mitgesellschafter durch das Unternehmer- 
mitglied sollte so lange nicht eintreten können, wie die Ge- 
samtzahl der selbstverbrauchten und der der Verkaufsstelle 
gelieferten Ziegel des Selbstverbrauchers gleich seinem regel- 
rechten, der ungekürzten Beteiligungsziffer oder tatsächlichen 



l 



— 92 — 

Lieferberechtigung entsprechenden prozentischen Anteil am 
Gesamtabsatz sein würde. 

Diese gewiß verschärften Bestimmungen beseitigten also 
zwar einen unmittelbaren Schaden der reinen Ziegeleibesitzer, 
aber allein nicht einen Übelstand, der sich am Ende des 
Jahrs beim Ausgleich der tatsächlichen Lieferungen, d. h. 
der an die Geschäftsstelle abgeführten Mengen unter Um- 
ständen ergibt. Sie können nämlich noch nicht verhindern, 
daß ein Rückstand in der Menge, die der Selbstverbraucher 
an die Verkaufsvereinigung zu liefern berechtigt war, auf die 
nächstjährige Lieferberechtigung angerechnet wird, obwohl 
er vielleicht nur durch einen höhern Selbstverbrauch, als ur- 
sprünglich vorgesehen und angemeldet, entstanden ist. Es 
kann vielmehr vorkommen, daß der Selbstverbraucher immer 
noch trotz gleichem Umsatz jedesmal mit einer größern Liefer- 
berechtigung ins neue Jahr eintritt und die andern Mitglieder 
so trotz den schärfern Bestimmungen fortlaufend geschädigt 
werden. 

Um nun nicht gleich alle Verwicklungen, die der Selbst- 
verbrauch stets zeitigt, dadurch auszurotten, daß man ihn 
ganz untersagte und hoch bestrafte, wie es tatsächlich hier 
und da geschehen ist, hat man sich in den Ziegel-Verkaufs- 
vereinigungen, wo die Selbstverbraucherfrage wirklich eine 
jedenfalls zur Entscheidung drängende Gestalt annahm, wenig- 
stens zu folgender weitern Beschränkung entschlossen: 

Der Selbstverbrauch gilt als eine vom Kartell abgesetzte 
Menge und unterliegt demzufolge, neben sonstigen damit 
verbundenen Rechten und Pflichten, insbesondere der vollen 
Anrechnung auf die ungekürzte Lieferberechtigung des Selbst- 
verbrauchers. So wird zunächst die Verkaufsstelle entbunden, 
dem Unternehmermitglied noch neben dem Selbstverbrauch 
seine der um den angemeldeten Selbstverbrauch gekürzten 
Beteiligungsziffer entsprechende Lieferberechtigung abzu- 
nehmen. Ferner darf dieses von seiner Erzeugung über- 
haupt nicht mehr beliebig viel für sich verbrauchen, sondern 
nur noch seine tatsächliche, der ungekürzten Beteiligungs- 
ziffer entsprechende Lieferberechtigung. Die ganze übrige 
von ihm früher verbrauchte oder beanspruchte Menge kommt 



— 03 — 



somit der Gesamtheit der Ziegeleibesitzer zugute, indem 
sich ihre Lieferberechtigung um sie erhöht. Der Selbstver- 
brauch des Unternehmermitglieds ist also dabei für den 
reinen Ziegeleibesitzer nichts andres als ein Absatz der Ver- 
kaufsvereinigung, an dem alle Kartellmitglieder in gleicher 
Weise teilnehmen. Mit der Anrechnung des Selbstverbrauchs 
auf die Lieferberechtigung des Unternehmermitglieds wird 
aber vor allem auch erreicht, daß diese sich nicht durch 
und trotz Mehrselbstverbrauch von Jahr zu Jahr erhöht. Der 
Mehrselbstverbrauch fällt vielmehr in die Lieferberechtigung 
hinein und unterliegt so den gleichen Ausgleichsbestimmun- 
gen wie die regelrechte Mehrlieferung. 

In dem Grundsatz, den Selbstverbrauch als regelrechte 
Lieferung zu behandeln, liegt schon allein ein bedeutender 
Fortschritt gegenüber seiner frühern Regelung. Die meisten 
Ziegel-Verkaufsvereinigungen begnügen sich denn auch mit 
diesen beschränkenden Bestimmungen. Zuweilen aber er- 
fahren sie durch eine unterschiedliche Behandlung des Mehr- 
selbstverbrauchs gegenüber der regelrechten Mehrlieferung 
noch eine weitere Verschärfung. Dann wird nämlich ein 
etwaiger Mehrselbstverbrauch dem betreffenden Ziegelei- 
besitzer vom Kartell ohne Geldentschädigung gestrichen und 
auf alle Mitglieder im Verhältnis ihrer Lieferberechtigung 
verteilt. - 

In diesem besonders gründlichen Verfahren mag immer- 
hin eine gewisse Härte liegen. Aber man muß im Auge be- 
halten, daß Selbstverbrauch stets für die Gesamtheit irgend- 
wie von Nachteil ist, wenn dieser vielleicht auch nur im ent- 
gangnen Gewinn an einem wirklichen Absatz an einen Kun- 
den besteht. Daher muß die Verkaufsvereinigung mit Rück- 
sicht auf die andern Mitglieder dauernd bestrebt sein, den 
Selbstverbrauch möglichst einzuschränken. 

Es braucht wohl nicht betont zu werden, daß eine etwa 
noch gebliebene Abgabenfreiheit für den Selbstverbrauch in 
der Regel spätestens zugleich mit seiner Anrechnung auf 
die Lieferberechtigung wegfällt. Die Abgabe für selbstver- 
brauchte Ziegel ist allerdings, da durch den Selbstverbrauch 
der Verkaufsstelle immerhin Geschäftsunkosten erspart 



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bleiben, sehr häufig geringer gehalten als die übliche 
Abgabe für an die Geschäftsstelle gelieferte Ziegel. Läßt 
sich dies Verfahren noch mit der obigen Begründung ver- 
teidigen, so erscheint es aber als ein ungerechtfertigtes Ent- 
gegenkommen dem Selbstverbraucher gegenüber, ihn auch 
weiterhin für selbstverbrauchte Ware von einem Beitrag zu 
den Unkosten der Geschäftsführung völlig zu befreien; es 
sei denn allenfalls, daß man den Selbstverbrauch dann nicht 
an der Verteilung des Überschusses am Ende des Geschäfts- 
jahrs teilnehmen läßt. Rechnet man sonst aber den Selbst- 
verbrauch einmal auf die Lieferberechtigung an, so sollte 
man ihn auch wie alle andern Lieferungen zur Bestreitung 
der Verwaltungskosten usw. heranziehen. Es ließe sich sogar 
rechtfertigen, den Selbstverbraucher, weil ihm neben den 
allgemeinen, lediglich aus der Mitgliedschaft der Verkaufs- 
vereinigung entspringenden Vorteilen durch den Selbstver- 
brauch auch noch besondre erwachsen, zu einem höhern 
Betrag als die andern Mitglieder zu verpflichten. 

Für sämtliche selbstverbrauchte Mengen besteht übrigens 
die gleiche Anmeldepflicht wie für gelieferte Ziegel. 

Dies sind in großen Zügen die üblichen Vereinbarungen 
über den Selbstverbrauch in den Ziegelkartellen ; sie sind 
auch noch alle in ihren Satzungen zu finden. Welches Ver- 
fahren jeweilig und endgültig gewählt worden ist, das haben 
überall letzten Endes die rein örtlichen Verhältnisse ent- 
schieden, die gerade beim Selbstverbrauch namentlich aus- 
schlaggebend sind. Wo der Selbstverbrauch anfängt, zur 
Lebensfrage der Verkaufsvereinigung zu werden, da scheint 
ein möglichst scharfes Durchgreifen, etwa wie das zuletzt 
erwähnte, das am meisten angebrachte und am sichersten 
zum Ziel führende Verfahren zu sein, wenn man ihn in an- 
gemessenen Grenzen halten und den reinen Ziegeleibesitzer 
vor Benachteiligungen dem Unternehmermitglied gegenüber 
bewahren will. 



IV. Die geldliche Abwicklung der zwischen der 
Verkaufsstelle und den Kartellmitgliedern ge- 
tätigten Geschäftsabschlüsse. 

A. Die Abrechnung im allgemeinen. 

Es genügt hier, den Fall der Abrechnung zwischen der 
Verkaufsstelle und ihren Lieferanten zu besprechen, bei dem 
jene als Selbstkontrahentin diesen gegenüber auftritt, da er 
heute bei den Ziegel-Verkaufsvereinigungen der bei weitem 
häufigste, ja fast ausschließliche ist. 

Die Geschäftsabschlüsse zwischen der Verkaufsstelle und 
ihren Gesellschaftern werden entweder auf Grund des ver- 
traglichen Mindestpreises abgerechnet, oder so, daß den je- 
weiligen Lieferanten der tatsächlich erzielte Verkaufspreis 
angerechnet wird. Da der zweite Fall in der Praxis jetzt 
nur noch sehr selten vorkommt, wird im folgenden haupt- 
sächlich die erste Abrechnungsweise zu behandeln sein. 

Spätestens bis zum 5. jedes Monats muß der Ziegelei- 
besitzer zusammen mit den sonstigen Monatsnachweisen über 
den Versand usw. der Geschäftsstelle seine Rechnung über 
die im abgelaufenen Monat in ihrem Auftrag gelieferten 
Ziegel einreichen. Die dieser untergelegten sogenannten Ver- 
rechnungspreise entsprechen dem jeweiligen Mindestpreis. 
Die Rechnungsbeträge werden von der Verkaufsstelle ohne 
Rücksicht auf den tatsächlichen Eingang des Gegenwerts von 
den Verbrauchern meistens unter Beobachtung folgender 
Grundsätze beglichen: 

Ist die Rechnung pünktlich eingelaufen, so wird sie in 
der Regel bis spätestens zum 20. des nächsten Monats — 
sonst einen Monat später — bezahlt, und zwar mit dem je- 
weiligen Mindestpreis, d. h. aber, wenn dieser ein Netto- 
Ankaufspreis ist: zuzüglich Fuhrlohn; wenn er ein Brutto- 
Ankaufspreis ist: in der angemeldeten Höhe; wenn er schließ- 
lich ein Verkaufspreis ist: stets abzüglich eines festen Be- 
trags für die Verwaltungskosten der Verkaufsstelle usw. Beim 
Netto-Ankaufspreis werden als Fuhrlohn, wenn der Ziegelei- 
besitzer seine Lieferungen mit fremdem Gespann befördert. 



— 96 — 

die tatsächlichen Auslagen, wenn er eignes Fuhrwerk be- 
nutzt, die ortsüblichen Sätze vergütet. 

Sehr selten geschieht die Abrechnung erst nach Liefe- 
rung einer bestimmten Anzahl Ziegel, etwa nach dem Ab- 
satz von 100 000 Stück. In den Ziegel-Verkaufsvereinigungen, 
die die jährliche Gesamt-Lieferberechtigung in monatliche 
Teilmengen zerlegen und dementsprechend auch den Liefe- 
rungsausgleich usw. vornehmen, werden die Lieferungen nur 
bis zur monatlichen Ankaufsmenge in voller Höhe bezahlt, 
während für die übrige Menge nur die Hälfte oder ein Viertel 
des Verrechnungspreises angerechnet und der Rest des Rech- 
nungsbetrags gutgeschrieben wird. In entsprechender Weise 
zahlen diese Verkaufsvereinigungen auch auf monatliche Min- 
derlieferungen drei Viertel oder die Hälfte des Preises zins- 
frei an. Darin liegt übrigens auch eine Ergänzung einer Zins- 
vergütung für zu wenig gelieferte Ziegel. 

Der fällige Betrag wird ferner fast stets in bar und ohne 
daß dabei die Verkaufsstelle eine besondre Vergütung für 
sich abzöge, bezahlt. Eben das reizt den Ziegeleibesitzer mit 
am meisten zum Beitritt zur Verkaufsvereinigung, daß er 
dann nicht nur pünktlich, d. h. monatlich, sondern auch in 
bar bezahlt wird, ohne daß er sich lange unter allerlei Kosten 
und Zinsverlusten mit den so oft zahlfaulen Kunden herum- 
schlagen und möglicherweise noch unberechtigte Abzüge ge- 
fallen lassen müßte. 

Zahlt die Verkaufsstelle mit einem Dreimonatwechsel, 
so vergütet sie auf diesen meist 1 v. H. über Reichsbank-Dis- 
kont, ^o daß das Interesse des Mitglieds auch in diesem 
Fall ganz gewahrt bleibt. Diese Zahlungsweise kann vorüber- 
gehend geschehen, wenn die Bareingänge von den Ver- 
brauchern aus irgendeinem Grund stocken, oder auch die 
Regel sein, wenn die Verkaufsvereinigung es stets und trotz 
entgegenwirkender Bemühungen mit langsam zahlenden Kun- 
den zu tun hat. 



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— 97 — 

7 

B. Die Verteilung der Überschüsse. 

Der Gegenwert, den das Kartellmitglied für seine Ziegel 
erhält, besteht, abgesehen von dem seltenern Fall, wo der er- 
zielte Verkaufspreis ausgezahlt wird, nur in dem jeweiligen 
Mindestpreis, d. h. der Ziegeleibesitzer bekommt für seine 
Lieferungen nur einen Kaufpreis, aber keinen Geschäfts- 
gewinn. Denn von diesen Mindestpreisen übersteigt zwar 
der Mindest-Ankaufspreis wenig, der Mindest-Verkaufsprels 
um einiges mehr die reinen Selbstkosten der Lieferanten; 
beide tun dies aber nur um so viel, daß sie im ersten Fall 
gerade den wirtschaftlichen Bestand der einzelnen Werke 
zu sichern vermögen, im zweiten Fall auch noch die Deckung 
der Verwaltungskosten der Geschäftsstelle usw. ermöglichen. 
Im übrigen sollen sie aber der Geschäftsführung nur als 
Richtlinie dienen, die nun zur Erzielung von Gewinnen über 
die Sicherung der bloßen Erhaltung hinaus beim Weiter- 
verkauf im Interesse der Gesamtheit stets auf best zu er- 
zielende Preise bedacht sein muß. 

Die so von der Verkaufsstelle in einem Jahr erzielten 
Überschüsse fallen aber doch nicht ganz den Unternehmern 
als Gewinn zu. Das Kartell muß aus ihnen vielmehr auch 
die gesetzlichen oder vertraglichen Rücklagen so hoch wie 
möglich beschicken und allenfalls durch weitere feste Be- 
stände ergänzen, um gegen Kämpfe und außerordentliche 
Verluste denkbar gerüstet zu sein. Nach diesen Gesichts- 
punkten werden denn auch die Überschüsse am Jahresschluß 
zwischen der Vereinigung einerseits und ihren Mitgliedern 
anderseits verteilt. 

Zunächst wird von dem ganzen Überschuß ein Betrag 
für die Stärkung der Stellung der Verkaufsvereinigung als 
solcher zurückgestellt. So wird von ihm zuerst ein vertraglich 
festgelegter Prozentsatz für einen allgemeinen Reservefonds 
so lange abgezogen, bis dieser eine bestimmte Höhe erreicht 
hat. Dann ist es gerade für ein Ziegelkartell von größtem 
Wert, sich neben diesen auch sonst üblichen Rücklagen noch 
je eine solche für Kampfzwecke und für zweifelhafte Schuldner 

7 

/ 



li 



IM 



— 98 — 

zu schaffen. Denn da erstens in der Ziegelindustrie die 
Außenvverke aus Gründen, die als bekannt vorausgesetzt 
werden dürfen, nie ein Ende nehmen, und die Verkaufs- 
vereinigung zu ihrer Bekämpfung schon fortlaufend ihren 
Mitgliedern oft beträchtliche Unterstützungen zukommen 
lassen muß, soll und muß ein besondrer Kampffonds das Kar- 
tell in die Lage setzen, auch den schärfsten Angriffen d>^r 
außerhalb stehenden Ziegeleien ruhig entgegensehen zu 
können. Da zweitens ausgefallene Bauforderungen gleich- 
falls schon zu den fast regelmäßigen Verlusten einer Ziegel- 
Verkaufsvereinigung gehören, muß sie um so mehr sich stets 
auch auf außerordentliche Einbußen dieser Art genügend 
vorbereiten. Schließlich wird vom Überschuß sehr häufig 
noch ein Betrag für eine feste 4- oder Sprozentige Verzinsung 
der tatsächlich eingezahlten Geschäftseinlagen vorweg ab- 
geschrieben. Was dann noch übrigbleibt, ergibt als Netto- 
Überschuß den sogenannten Verteilungsfonds und kommt 
gänzlich den einzelnen Mitgliedern zugute. 

Dei Netto-Überschuß wird an die Lieferanten prozentisch 
gleichmäßig nach ihrem tatsächlichen Lieferungsanteil oder 
auch nach ihrer Lieferberechtigung, aber abzüglich etwaiger 
Fehlmengen, als Aufgeld auf den Verrechnungspreis ver- 
teilt. Es sei aber daran erinnert, daß dabei die aus bean- 
standeten Lieferungen, aus Selbstverkäufen oder aus einem 
sonstigen Anlaß für eigne Rechnung verkauften sowie unter 
Umständen die selbstverbrauchten, wenn auch auf die 
Lieferberechtigung angerechneten Mengen nicht berücksich- 
tigt werden. 

Beide Arten der Verteilung des Netto-Überschusses be- 
deuten dasselbe, wenn die Verkaufsvereinigung, wie es in 
der Regel geschieht, sämtliche nachholungsberechtigten 
Mengen beim Absatz im neuen Geschäftsjahr mit dem Auf- 
geld ihres Ursprungsjahrs verrechnet. Tut sie das aber nicht, 
und ist vielmehr die Lieferberechtigung nur gleich dem pro- 
zentischen Anteil am tatsächUchen Gesamtabsatz oder dem 
Mittel zwischen Mehr- und Minderlieferung, dann besteht 
zwischen den beiden Verteilungsverfahren ein Unterschied 
insofern, als die jeweilige Art der Berechnung des Aufgelds 



— 99 — 

einer verschiedenen Art der Zinsvergütung für Minderliefe- 
rungen entspricht.*) 

Verteilt eine Ziegel -Verkaufsvereinigung in der be- 
sprochenen Weise den Netto-Überschuß lediglich prozentisch 
gemäß dem vertraglichen Anteil am gesamten Jahresabsatz, 
so bedeutet das eine Kontingentierung des Gewinns des ein- 
zelnen Kartellmitglieds. Die Gewinnkontingentierung ist die 
schärfste, aber auch folgerichtigste Durchführung des Kar- 
tellgedankens, der, auf dem Genossenschaftsgrundsatz auf- 
gebaut, alle Beteiligten vor dem Kartellvertrag gleich machen 
will. Sie enthält aber auch für die Kartellmitglieder die 
größte Härte, die einen Kaufmann treffen kann. Eine Ein- 
buße an der Selbständigkeit wird zur Gewohnheit und wird 
auch durch manche anderweitige Vorteile ausgeglichen. Aber 
für seine Ware nicht den ihm seiner Meinung nach und tat- 
sächlich auch mit Recht zustehenden Verkaufspreis zu er- 
halten, muß jeder zunächst als ungerecht empfinden. Ein 
Beugen unter einen solchen Vertrag stellt die größten An- 
forderungen an die Genossenschaftstugenden der Unter- 
nehmer, wenn dabei auch meist nur die Not zur Tugend ge- 
macht wird. 

Man hat nun gegen den Grundsatz des gleichen Entgelts 
für alle Ziegel eingewandt, daß er den Ziegeleibesitzer zur 
Rückständigkeit verleite: er hemme den Hersteller schlechter 
Ware in dem Bestreben, seine Betriebsanlagen zu verbessern, 
soweit in ihnen die Ursache der geringwertigem Beschaffen- 
heit seiner Ziegel läge. Jedoch weit davon entfernt spornt 
vielmehr die Gewinnkontingentierung jeden einzelnen in der 
Verbesserung seiner gesamten Anlagen zum äußersten an, um 
seine Selbstkosten zu vermindern und so doch noch einen 
besondern Gewinn für sich zu erzielen. Auch nur so kann ein 
Betrieb der Gefahr entgehen, als rückständig in der Leistungs- 



*) Vgl. oben Seite 72. — Der gleiche Unterschied in der Be- 
deutung der beiden Verteilungsarten ist übrigens auch dann vor- 
handen, wenn die Verkaufsvereinigung den Ziegeleibesitzern nicht un- 
mittelbar eine Erzeugungseinschränkung auferlegt und die Liefer- 
berechtigung sich erst am Ende des Jahrs nach Feststellung des üe- 
samtabsatzes ergibt (vgl. oben Seite 35 und 39 [Anmerkung]). 

7* 



— 100 -^ 

fähigkeit seine Daseinsberechtigung zu verlieren. Denn wenn 
seine Betriebskosten sich im Verhältnis zu denen der andern 
Kartelhverke infolge ihrer technischen Fortschritte und femer 
noch durch die Erzeugungseinschränkung so erhöhen, daß 
ihr Übermaß über den Durchschnitts -Herstellungspreis 
weder ein Vorteil beim Durchschnitts-Fuhrlohn, noch der im 
Mindestpreis enthaltene knappe Gewinnabschlag ausgleichen 
kann, muß er schließHch zumeist trotz dem gleichmäßigen 
Gewinnanteil oder gerade seinetwegen mit .Verlust arbeiten. 
Der Ziegeleibesitzer ist aber auch zu einem fortschrittUchen 
Ausbau seiner Anlagen als Mitglied einer Verkaufsvereini- 
gung um so eher imstande, als ihn das Kartell von den 
Sorgen und Mühen um den Absatz seiner Erzeugnisse so- 
zusagen befreit und er zudem im kollegialen Erfahrungs- 
austausch mit seinen KarteUgenossen manche förderliche Be- 
lehrung und Erkenntnis davonträgt. 

Auch Zwistigkeiten unter den Ziegeleibesitzern, die sonst 
jedenfalls immer wieder versuchen würden, die Schuld an 
der Erzielung eines geringern Preises für ihre Erzeugnisse 
der Geschäftsführung in die Schuhe zu schieben, können allein 
durch eine einheitliche Berechnung aller Ziegel vermieden 
werden. 

Ferner läßt sich auch nur auf der Grundlage der Gewinn- 
kontingentierung der Lief erungsausgleich gerecht durchführen. 
Denn, wenn die Verkaufsstelle für jede Lieferung den tat- 
sächlichen Verkaufspreis auszahlt, erleidet der rückständige 
Lieferant trotz einer Zinsvergütung und einer Verrechnung 
der Minderlieferung nach einem durchschnittlichen Verkaufs- 
preis oft doch noch eine erhebliche Einbuße. 

Zum Schluß sei auch noch daran erinnert, daß man oft 
schon allein deshalb zur Gewinnkontingentierung hat greifen 
müssen, um eine Schädigung der Ziegeleibesitzer mit höhern 
Frachtkosten bei einheitlichem Verkaufspreis zu vermeiden.*) 



^) Vgl. oben Seite 54. 



— 101 — 

C. Die Deckung der Unkosten, Mindererlöse und son- 
stigen Verluste. 

Die Verwaltungskosten der Verkaufsstelle, die fortlaufen- 
den Unterstützungen*) an Mitglieder, deren Erzeugnisse im 
Kampf mit Außenseitern unter Mindestpreis haben verkauft 
werden müssen, so daß sich bei ihrem Absatz ein wirklicher 
Mindererlös ergab, und schließlich die regelmäßigen Ver- 
luste aus dem Ausfall von Forderungen*) werden gedeckt 
entweder durch das Abgabeverfahren oder durch das Um- 
lageverfahren. 

Bei dem ersten Verfahren werden jährlich durch die 
Ziegeleibesitzerversammlung feste Abgaben für je 1000 Ziegel 
angesetzt und monatlich, also im voraus, bei Bezahlung der 
Lieferungen der Kartellmitglieder vom jeweiligen Verrech- 
nungspreis, der dann zumeist ein Mindest-Verkaufspreis ist, 
abgezogen. Ihr Gesamtbetrag soll die voraussichtlichen Ge- 
schäftsunkosten, Verluste usw. decken. 

Ihre Berechnung ist, solange Erfahrungen fehlen, sehr 
schwierig, da für ihre Höhe stets örtliche Umstände aus- 
schlaggebend sind. Aber auch später noch bleiben bei der 
schärf und oft wechselnden Marktlage im Baugewerbe Fehl- 
schlüsse stets unvermeidbar. Immerhin hat das Abgabever- 
fahren für das Kartell den Vorteil, daß es sich, wenn nötig, 
so, ohne auf ein großes Einlagekapital angewiesen zu sein, 
von vornherein sein Betriebskapital vergrößern kann. Der 
Unternehmer aber weiß bei ihm im voraus fast bestimmt, mit 
welchen Unkosten er im laufenden Geschäftsjahr zu rechnen 
hat. Allerdings kann dabei eine am Jahresschluß mögUcher- 
weise erforderlich werdende erhebliche Sonderumlage be- 
sonders ungünstig wirken. 

Die Abgabe ist nicht gleichbedeutend mit einer Provision ; 
sie soll nur zur Deckung der Unkosten usw., aber nicht als 
Vergütung für die Bemühungen der Verkaufsstelle dienen. 
Daher ist auch ihre feste Umgrenzung durch die Ziegelei- 
besitzerversammlung selbstverständlich; sie hängt nur eng 



*) Die für die gleichen Zwecke bestimmten, auf Seite 97 f. er- 
wähnten Rücklagen dienen nur für außerordentliche Fälle. 



!| 



H 



— 102 -- 

zusammen mit dem durchaus genossenschaftlichen Charakter 
der Verkaufsvereinigung überhaupt. 

Diesem Genossenschaftscharakter des Kartells wird aber 
bei der Deckung der Unkosten usw. ganz unanfechtbar die 
Ziegel-Verkaufsvereinigung gerecht, die sich dazu des Um- 
lageverfahrens bedient. Bei diesem Verfahren wird die Ge- 
samtsumme der Unkosten und Verluste eines Jahrs nachträg- 
Hch, d. h. am Schluß des Geschäftsjahrs auf die beteiligten 
Unternehmer prozentisch umgelegt, und zwar nach den- 
selben Grundsätzen, die bei der Verteilung des Netto-Über- 
schusses maßgebend sind. Beim Umlageverfahren wird so- 
mit jeder Kartellgenosse außer mit den Geschäftsunkosten 
seines eignen Betriebs mit nicht mehr Abgaben belastet, als 
zur Aufrechterhaltung der gemeinsamen Geschäftsstelle und 
zu ihrer völligen Sicherstellung bei der Durchführung sämt- 
licher zur Förderung des Gesellschaftszwecks für tunlich er- 
achteten Unternehmungen unbedingt erforderlich ist. 

Bei dieser Gelegenheit soll auch noch einmal auf die Streit- 
frage zurückgegriffen werden, inwieweit der Selbstverbrauch 
zur Abgabe oder Umlage herangezogen werden soll. Was den 
Selbstverbrauch von jeder Belastung zugunsten der Vereini- 
gung freigesprochen hatte, war die an sich richtige Über- 
legung, daß selbstverbrauchte Ziegel der Verkaufsstelle keine 
Unkosten bereiten. Jetzt ist aber wohl genügend erhellt, 
daß die reinen Verwaltungskosten nur den geringsten Teil der 
gesamten Aufwendungen ausmachen, die der Verkaufsstelle 
obliegen, und daß vielmehr die große Menge dieser Auf- 
wendungen immer zum Wohle aller Mitglieder verwendet 
wird. Vor allem machen die oft genannten Unterstützungen 
stets einen recht beträchtlichen Teil der gesamten Unkosten 
aus. Zieht aber jeder Kartellgenosse aus den Ausgaben der 
Verkaufsvereinigung gleichen Nutzen, mag dies immerhin 
manches Mal auch nur mittelbar geschehen, so ist es auch 
nicht mehr als recht, daß zu ihrer Bestreitung jeder Unter- 
nehmer gleichmäßig herangezogen wird. In diesem Sinne 
haben sich denn auch jetzt die meisten Ziegel-Verkaufsver- 
einigungen entschieden. 



4. Abschnitt. 



Die Einridifungen 

zur Sicherung der Durdiführung des Kartellvertrags 

und zur Schlichtung von Streitigkeifen. 

Die Einrichtungen, die die Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
getroffen haben, um nach erfolgter Einigung die Durchfüh- 
rung ihres Vertrags auch nach jeder Richtung hin zu er- 
möglichen und zu sichern, entsprechen zwar im allgemeinen 
denen gleicher oder ähnlicher Kartelle, wie sie sich in Ver- 
tragsstrafen, Hinterlegung von Sicherheiten usw. spiegeln. 
Über den sonst üblichen Rahmen solcher Vorkehrungen treten 
aber bei den Ziegel-Verkaufsvereinigungen zwei Einrichtun- . 
gen heraus, die nicht weniger als die zumeist allein gebräuch- 
lichen geeignet sind, die Gefahr etwaiger Vertragsübertretun- 
gen zu vermindern. Diese sollen daher hier an erster Stelle 
und im Gegensatz zu den andern, über die im großen und 
ganzen bei der umfangreichen über sie vorliegenden Literatur 
nicht viel Neues zu sagen wäre, ausführlicher besprochen 
werden. Es sind die in den Kartellsatzungen festgelegte Mög- 
lichkeit der Beleihung von Ziegeln und die vertraglichen Vor- 
schriften über die Buchführung der einzelnen Betriebe. 



II 



I. Die Beleihung gestapelter Ziegel. 

Von ganz besondrer Bedeutung für eine sichere und 
geregelte Durchführung der Vertragsabmachungen ist für 
das Ziegelkartell die Einrichtung der Beleihung gestapel- 



— 104 — 

ter Ziegel. Fragt man sich nämlich, was überhaupt das 
Kartellmitglied zu einem Vertragsbruch verleitet, so ist 
das weniger die reine Habgier, sich auf unberechtigte Weise 
einen Sondergewinn zu verschaffen, sondern vielmehr 
meistens nur eine drückende Notlage, in die es Geld- 
mangel als Folge stockenden Absatzes an die Vereinigung 
seinen Gläubigern gegenüber versetzt hat. Um in solchen 
Zeiten, wo die Verkaufsstelle aus irgendeinem Grund ihrer 
Abnahmepflicht nicht oder nicht genügend nachkommen kann, 
ihre Mitglieder vor vertragswidrigen Handlungen zu be- 
wahren, verpflichten sich fast alle Ziegel-Verkaufsvereini- 
gungen, eine augenblickliche Geldknappheit durch Beleihung 
der Ziegelvorräte nach Möglichkeit zu beseitigen. Beliehen 
werden aber nur die Ziegel, die in fertig gebranntem Zu- 
stand und vertragsmäßiger Beschaffenheit zur Abnahme be- 
reit auf dem Platz der Ziegelei gestapelt liegen, doch auch 
diese ;iur soweit, wie sie herstellungsberechtigt sind, also 
überhaupt eine Abnahme durch das Kartell beanspruchen. 
In der Frage, bis zu welcher Höhe der Wert dieser Ziegel 
beliehen werden darf oder soll, gehen die Bestimmungen aus- 
einander. In der Regel entscheidet darüber der Aufsichtsrat 
von Fall zu Fall unter Berücksichtigung aller Umstände. 
Zuweilen wird auch ein fester oder höchster Betrag, etwa 
10 bis 15 Mark für 1000 Stück, angesetzt. — Die Zinsver- 
gütung für das Lombarddarlehn beträgt zumeist 1 v. H. über 
Reichsbankdiskont, nicht unter 5 v. H., zuweilen auch noch 
zuzüglich einer Bankprovision. — Die Zeit, für deren Dauer 
die Verkaufsvereinigung das Darlehn gewährt, ist entweder 
unbeschränkt oder auf eine bestimmte Anzahl Monate fest- 
gesetzt, oder der Darlehnnehmer ist zur Rückzahlung ver- 
pfUchtet, sobald ihm der vertragsmäßige Lieferungsanspruch 
abgenommen worden ist. Die letzte Zeitbegrenzung ist des- 
halb besonders beachtenswert, weil bei ihr zugleich mit der 
Beleihung eine Vergütung für eine unverschuldete Minder- 
lieferung bis zum Lieferungsausgleich beabsichtigt ist. 

Inwiefern es gerade für ein Ziegelkartell sehr wertvoll ist, 
daß jedes Mitglied vertraglich ein Recht auf Beleihung seiner 
Waren hat, braucht bei der genug bekannten Notlage der 



- 105 — 

Ziegeleibesitzer wohl kaum weiter besprochen zu werden. 
Nur das sei gesagt, daß für eine Ziegel-Verkaufsvereini- 
gung die Möglichkeit solcher Darlehen namentlich im An- 
fang ihres Bestehens sehr wichtig sein kann. Denn sie ent- 
stehen meistens in Zeiten dringendster Not, und die geld- 
lichen Verhältnisse der Ziegeleibesitzer sind dann sehr häufig 
durch einen vorhergehenden scharfen Wettbewerbskampf 
recht zerfahren, so daß gerade jetzt ein besonders starkes 
Geldbedürfnis zur Aufrechterhaltung der Betriebe vorhan- 
den ist. 



II. Die fortlaufende Prüfung der Bücher. 

Bei der Gründung zahlreicher Ziegelkartelle stellten 
sich anfangs in der Geschäftsführung vieler Ziegelei- 
betriebe große Mißstände heraus. Auch da haben die 
Ziegel -Verkaufsvereinigungen, nicht nur zu ihrer eignen 
Sicherheit, sondern auch zum Nutzen der Ziegeleibesitzer 
selbst, mit scharfen Maßnahmen eingegriffen: Sie ver- 
pflichten ihre Mitglieder zu einer ordnungsmäßigen Buch- 
führung, die stets schnell und klar Aufschluß über Erzeugung, 
Lagerbestand, Lieferungen usw. geben kann, und behalten 
sich für ihre Verwaltung das Recht der jederzeitigen Ein- 
sicht in die Bücher vor. So kann sich einerseits die Ver- 
kaufsstelle jeden Augenblick der vertragsmäßigen Durch- 
führung ihrer Vereinbarungen vergewissern; anderseits blei- 
ben auch die Mitglieder stets über den Stand ihrer Erzeugung 
und ihres Absatzes unterrichtet und erhalten endlich Klar- 
heit über die Höhe ihrer Herstellungskosten. Die Unkennt- 
nis darüber ist so oft die Ursache sinkender Preise und 
somit des Niedergangs der Ziegelindustrie überhaupt ge- 
wesen, daß die Ziegel-Verkaufsvereinigungen mit der Über- 
wachung der Buchführung nicht nur im engen Kartellinteresse 
handeln, sondern auch ihrer ganzen Industrie zu großem 
Segen gereichen. 



106 



III. Die Vertragsstrafen, die Sicherheits- 
hinterlegungen und das Schiedsgericht. 

Auch mit diesen Maßregeln zur Sicherung eines Kartell- 
vertrags stehen die Ziegel -Verkaufsvereinigungen in den 
Reihen der Kartelle mit straffster Verfassungsform. Jeg- 
liche Ordnungswidrigkeiten, insbesondre unerlaubte Ver- 
käufe und vertragswidrig gelieferte Ziegel, schließlich alle 
in böser Absicht geschehenen Verstöße, die auf die Ver- 
schaffung eines Vermögensvorteils hinzielen, unterliegen in 
allen Ziegel-Verkaufsvereinigungen hohen Vertragsstrafen. 
Zu den vertragswidrigen Lieferungen gehören namentlich 
auch die Fälle, wo die Lieferanten ihren Abnehmern Rück- 
vergütungen in bar, durch billige Fuhrlöhne u. dgl., ver- 
sprechen, um zu erreichen, daß diese bei den Bestellungen 
ausdrücklich ihre Ziegel zu erhalten wünschen. 

Um den Vollzug der Strafen zu sichern, müssen die Mit- 
glieder Sicherheiten hinterlegen, deren Höhe sich nach ihrer 
Beteiligungsziffer richtet. Der Betrag wird in der Regel in 
Sola-Sichtwechseln zur Verfügung der Verkaufsvereinigung 
gestellt, die in Umlauf gesetzt werden, sobald eine Strafe ver- 
wirkt ist. 

Gegen jede Strafe steht dem betroffenen Ziegeleibesitzer 
innerhalb einer bestimmten Frist die Beschwerde an ein 
Schiedsgericht zu. Diese Einrichtung ist schon an andern 
Stellen gestreift, aus denen hervorging, daß es auch bei den 
Ziegel-Verkaufsvereinigungen üblich ist, alle Streitfälle aus 
dem Kartellvertrag unter Ausschluß des ordentlichen Rechts- 
wegs vor diesem Forum zu erledigen. Die Gründe dafür 
liegen einerseits in dem Wunsch nach einer schnellern, billi- 
gern und nicht nur nach formalen Gründen gefällten Ent- 
scheidung. Anderseits aber und vor allem und oft ganz un- 
abhängig von diesem Wunsch will man so erreichen, daß die 
Vertragschließenden sich auch im Streitfall als Berufsgenos- 
sen, als Kartellmitglieder und nicht als verfeindete Prozeß- 
gegner gegenübertreten. Nicht zuletzt wünscht man auch, 
daß die Streitigkeiten nach Möglichkeit geheim innerhalb 
der Gesellschaft ausgefochten werden, ohne der Öffentlichkeit 
Gelegenheit zu breiten Erörterungen darüber zu geben. 



/ 



— 107 — 

Der Vorsitzende des Schiedsgerichts wird meistens durch 
die Gesellschafterversammlung, oft aber auch durch die Han- 
dels- oder die Gewerbekammer des Bezirks gewählt. Er 
darf nie ein Mitglied des Kartells, muß häufig aber ein Jurist 
sein. Im übrigen regelt sich die Zusammensetzung, wie auch 
die Tätigkeit des Schiedsgerichts nach der Zivilprozeßord- 
nung. 



!| 



5. Abschnitt. 

Einiges über Verfragsdauer und Auflösung der 
Ziegel >- Verkaufsvereinigungen. 

I. Die Gründe für einen langfristigen oder gegen 
einenkurzfristigenVertragsabschluß. 

Die Praxis hat schon früh und gründlich gelehrt, daß 
ein kurzfristiger Vertrag für eine Ziegel-Verkaufsvereinigung 
in der Regel keinen Wert hat. Entweder ziehen aus ihm nur 
Unternehmer ihren Nutzen, die es mit der Befolgung der 
Vereinbarungen nicht ernst nehmen, oder aber — das ehr- 
liche Bestreben aller Mitglieder vorausgesetzt — es machen 
sich zahlreiche andre Mißstände geltend, von denen hier 
einige besonders erwähnt sein mögen. 

Wie andre, so können namentlich die Ziegelkartelle ihre 
Daseinsberechtigung erst dann beweisen, wenn sie in schlech- 
ten und guten Zeiten möglichst gleichwertige Erfolge für 
die wirtschaftliche Lage ihrer Industrie erzielt haben. Auch 
ist bei der Festsetzung der Vertragsdauer stets daran zu 
denken, daß bei ihrem Ablauf immer zahlreiche Ziegelei- 
besitzer mit neuen Forderungen hervortreten, die bei häu- 
figerm Vorkommen jedenfalls die ruhige Entwicklung der 
Vereinigung empfindlich stören, deren Nichterfüllung aber 
sogar die Gefahr des gänzlichen Auseinanderlaufens fort- 
gesetzt greifbar nahe hält. 

Eine zu kurze Vertragsdauer macht ferner die Beleihung 
von Ziegeln vielleicht unmöglich, mindestens aber bedenk- 
lich, da bei frühzeitiger Auflösung des Kartellvertrags leicht 



•-^ 



^« 



— 109 — 

die Zeit für eine geregelte Rückzahlung der Darlehen fehlen 
kann. Die Beleihung von Ziegeln ist aber zur vollen Er- 
füllung des Gesellschaftszwecks einer Ziegel-Verkaufsver- 
einigung sehr oft von unbedingter Notwendigkeit. Kann 
sie nicht ermöglicht werden, so rückt eine Umgehung der 
Verträge, wie Selbstverkauf unter Mindestpreis, nahe und 
damit eine allmähliche Zersetzung des ganzen Vertragsver- 
hältnisses. 

Langfristige Verträge sind auch deshalb erforderlich, da- 
mit wenigstens im Laufe der Jahre etwaige Unterschiede in 
den Lieferungen ausgeglichen werden können, falls das Kar- 
tell sich noch nicht zum geldlichen Ausgleich der Unter- 
schiede hat entschließen können. 

Endlich können auch Verluste, besonders die, die aus 
dem Kampf gegen Außenseiter erwachsen, nur bei längrer 
Dauer der Vereinigung wieder eingeholt werden. 

Unter Beobachtung dieser Umstände schließt man jetzt 
fast stets sowohl bei neuen Gründungen, wie auch bei Er- 
neuerungen von Ziegel-Verkaufsvereinigungen den Vertrag 
mindestens auf die Dauer von 5 bis 6, manchmal fogar von 
10 Jahren und mehr ab. Jedoch darf die Dauer auch nicht 
übermäßig ausgedehnt werden ; denn insbesondre der Kampf 
um den Beitritt wenn auch nur weniger Außenseiter macht 
eine Auflösung der Gesellschaft in bestimmten Zeitabschnit- 
ten, vielleicht jeweilig bis zu einem im voraus festgelegten 
Termin, sogar geradezu tunlich. 



II. Einige Gründe zur Auflösung einer Ziegel- 
Verkauf s Vereinigung und ihre Kritik. 

Von allen Fällen der Auflösung einer Ziegel-Verkaufs- 
vereinigung interessieren namentlich und sollen hier allein 
besprochen werden : die Auflösung ohne Kündigung vor Ab- 
lauf des Vertrags, die zwar rechtmäßig durch Kündigung er- 
wirkte, aber gegen das Kartellinteresse verstoßende Auf- 
lösung und endlich das Versäumnis der Erneuerung des Ver- 
trags bei seinem rechtmäßigen Ende, obwohl diese im Kar- 
tellinteresse läge. 



— 110 — 

Für eine Auflösung der Gesellschaft vor Ablauf des Ver- 
trags kommt für die Ziegel-Verkaufsvereinigungen besonders 
der auch vom Gesetz vorgesehene Fall in Betracht, daß die 
Erreichung des Gesellschaftszvvecks unmöglich wird. Dies 
kann vor allem geschehen durch ein außergewöhnliches An- 
wachsen der Zahl der Außenseiter und durch ein dadurch 
verursachtes starkes Sinken der Preise. Wenn nämlich die 
Leistungsfähigkeit der Außenwerke übermäßig steigt, müßte 
man, um einen Ausgleich zu schaffen, entweder bei gehaltenen 
Preisen die Erzeugung noch viel mehr als sonst einschränken 
oder die Preise beträchtlich niedriger, vielleicht unter Selbst- 
kosten ansetzen. In beiden Fällen könnten aber schließlich 
einzelne oder alle Kartellwerke nur noch mit Verlust weiter- 
betrieben werden, so daß jedenfalls der Zweck der Gesell- 
schaft, die Förderung des Gewerbes der Mitglieder, hinfällig 
würde. Wegen dieser Möglichkeit hat denn auch eine Reihe 
von Ziegel-Verkaufsvereinigungen schon im Vertrag bei ent- 
sprechenden Voraussetzungen eine Auflösung der Gesell- 
schaft ohne Kündigung vorgesehen. Als entscheidend ist oder 
sind von ihnen dabei angenommen worden: entweder all- 
gemein der Fall, daß die Erzeugung der Außenseiter so 
wächst, daß ein Kampf gegen sie als aussichtslos erscheint, 
oder aber bestimmte Fälle, wie wenn die Erzeugung der 
Außenseiter im Verhältnis zu der der Kartellmitglieder eine 
gewisse Höhe erreicht oder der Absatz des Kartells hinter 
einer Mindestziffer zurückbleibt. Im letzten Sinne wird bei- 
spielsweise bestimmt, daß, „wenn in einem Geschäftsjahr die 
von der Verkaufsstelle vermittelten Verkaufsabschlüsse um 
mehr als 331/3 v. H. hinter dem Durchschnitt der für die zu- 
letzt voraufgegangenen zwei Geschäftsjahre von ihr vermittel- 
ten Verkaufsabschlüsse zurückbleiben, es zum Auflösungs- 
beschluß genügt, wenn ihm nicht mehr als ein Werk wider- 
spricht.*'*) 

Ehe man es aber zu einer Auflösung ohne Kündigung 
kommen läßt, sollte man stets erst einwandfrei feststellen, ob 



*) Vgl. § 24 des Gesellschaftsvertrags der Oberrheinischen 
Backstein-Verkaufssielle, Gesellschaft m. b. H., Mannheim. 



— 111 



nicht etwa die Erscheinung, die die Voraussetzung zur Auf 
lösung abzugeben scheint, nur eine vorübergehende ist. Man 
sollte überhaupt nie nur irgend etwas unversucht lassen, ein 
Auseinanderlaufen der Kartellmitglieder zu verhindern, viel- 
leicht sogar die Außenseiter zu veranlassen oder zu zwingen, 
dem Verband unverzüglich beizutreten. 

Viel häufiger aber, als daß der vorige, gesetzliche Grund 
die vorzeitige Auflösung einer Ziegel-Verkaufsvereinigung 
verursacht, kommt es vor, daß die Kurzsichtigkeit der Unter- 
nehmer entweder das Kartell zwar durch eine vertragsmäßige 
Kündigung, aber vor dem ursprünglich angesetzten Termin 
zur Auflösung bringt oder die rechtzeitige Erneuerung seines 
Vertrags verhindert. Der Grund dafür liegt meist in einer 
Unzufriedenheit der Kartellmitglieder mit irgendeiner Einrich- 
tung der Vereinigung. So verursacht sehr häufig die Er- 
zeugungseinschränkung die Auflösung einer Ziegel-Verkaufs- 
vereinigung, und das in guten wie in schlechten Zeiten. Bei 
guter Wirtschaftslage glauben die unzufriedenen Ziegelei- 
besitzer, bei voller Ausnutzung ihrer Leistungsfähigkeit noch 
größere Gewinne erzielen zu können, bei schlechter sind sie 
dagegen geneigt, die Schuld an dem geringen Absatz der 
Preispolitik der Verkaufsstelle zuzuschreiben. Wie wenig 
beide Annahmen einer sachlichen Prüfung standzuhalten ver- 
mögen, ist wohl schon durch die Ausführungen über das, 
was eigentlich den Ziegelbedarf beeinflußt, hinlänglich be- 
kräftigt worden. 

Eine Unzufriedenheit der Ziegeleibesitzer entwickelt sich 
aber oft auch aus der Verteilung der Lieferungsaufträge oder 
schließlich aus dem Wunsch nach einer Erhöhung der Be- 
teiligungsziffer durch neue Anlagen usw. Wie eine Ver- 
stimmung aus dem ersten Grund durch entsprechende Ver- 
fügungen im Kartellvertrag selbst vermieden werden kann, 
und wie der zweite Umstand überhaupt zu beurteilen ist, 
das ist beides ebenfalls schon bei andrer Gelegenheit aus- 
reichend erörtert worden. 



DRITTER TEIL. 






Die Maßnahmen der 

Ziegel «Verkaufsvereinigungen zum Sdiu^ 

der Grenzbezirke ihres Vertragsgebiels 

gegen den Wettbewerb 

einer Nadibarvereinigung. 






8 



Vorbemerkung. 

Das Absatzgebiet einer Ziegel-Verkaufsvereinigung ist 
in der Regel ein mehr cxler weniger ringförmiges Gebilde. 
Naturgemäß ist darin zumeist nur der Sitz der Geschäfts- 
stelle und seine nähere Umgebung ein für das Kartell voll- 
kommen unbestrittenes Gebiet. Die Ziegeleien dagegen, die 
nahe den Grenzen des Ringes gelegen sind, haben fast 
r^elmäßig unter dem Wettbewerb außerhalb des Kartell- 
bezirks gelegener Werke zu leiden. Wenn es einem Ziegel- 
kartell also auch gelungen ist, innerhalb des Kerns seines 
Vertragsgebiets jeden Wettbewerb auszuschalten, so laufen 
doch die Grenzbezirke immer noch Gefahr, bestrittenes Ge- 
biet zu bleiben. Das bringt aber gegebenenfalls außer einem 
fortgesetzten, mit allen Übeln Beigaben behafteten Wett- 
bewerbskampf an den Grenzen auch noch unmittelbare, in 
ihren Folgen oft unübersehbare Nachteile für die Verkaufs- 
vereinigung mit sich. Entweder müssen nämlich die für den 
Absatz in den Grenzbezirken in Frage kommenden Kartell- 
werke im Kampf gegen den auswärtigen Wettbewerb immer 
wieder unter dem Mindestpreis verkaufen und daher von der 
Verkaufsstelle oft mit recht erheblichen Geldmitteln unter- 
stützt werden; oder die Grenzziegeleien ziehen es vor, um 
sich im Wettbewerbskampf freie Hand zu verschaffen, über- 
haupt wieder auszuscheiden, und gefährden so den Bestand 
des ganzen Kartells. Zur Vermeidung aller solchen Nachteile 
und Gefahren muß daher das Kartell bestrebt sein, durch 
eine Verständigung mit den benachbarten Wettbevverbs- 
werken aus dem „souveränen Kern" seines Absatzgebiets 

8* 



— 116 — 

„eine souveräne Zone, die von keinem äußern Einfluß mehr 
abhängig ist", zu schaffen.*) 

Wird der Wettbewerb von einzelnen freien Ziegeleien ge- 
macht, so sucht die bedrängte Verkaufsvereinigung sich mit 
diesen zur Verteilung des Markts durch sogenannte Sonder- 
verträge auseinanderzusetzen. Über den Inhalt solcher Son- 
derverträge kann der Außenstehende Tatsächliches nur sehr 
schwer erfahren. Diese Verträge zwischen Kartell und Einzel- 
unternehmern haben aber auch mit zunehmender Verbreitung 
der Ziegel -Verkaufsvereinigungen selbst an allgemeinem 
Interesse verloren. Außerdem kann man mit gutem Grund 
annehmen, daß sie sich wenigstens in den Hauptzügen mit 
den besser bekannten Verträgen decken, die mit den benach- 
barten Wettbewerbsziegeleien zur Beseitigung schädigenden 
Wettbewerbs abgeschlossen zu werden pflegen, wenn diese 
ebenfalls als geschlossenes Kartell auftreten. Denn das ist 
jetzt fast allgemein die Regel geworden, oder die Entwick- 
lung geht wenigstens immer schneller dahin, daß die Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen ihre Absatzgebiete nicht mehr gegen 
einzelne Unternehmer verteidigen müssen, sondern daß viel- 
mehr zwei oder mehrere Kartelle von Ziegeleibesitzern in 
ihren Grenzgebieten sich gegenseitig die Aufträge abzujagen 
suchen. Das finden wir namentlich in den ausgesprochenen 
Industriebezirken, wie im Rheinland und dem Westen West- 
falens, in Sachsen, Hannover und Thüringen. Denn dort 
liegen fast stets die Mittelpunkte der Verkaufsvereinigungen 
so nahe zusammen, daß ihre natürlichen Absatzgebiete**) 
ineinander übergehen. Zudem wird dort der Wett- 
bewerb dadurch noch besonders gefördert, daß die vorzüg- 
lichen Verkehrsverhältnisse transportverkürzend wirken. Je 
mehr aber der ständig sich verbreitende Kartellgedanke in 
der Ziegelindustrie Verkaufsvereinigungen in einem immer 



*) Vgl. Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Jahrgang 35 (1904), 

Seite 201. 

*♦) Das natürliche Absatzgebiet einer Ziegel-Verkaufsvereinigung 

wird durch die Linie (natürliche Grenze) begrenzt, bis zu der sie 

unter regelrechten Umständen Ziegel zum Mindestpreis zuzüglich 

eines angemessenen Verdienstes absetzen kann. 



— 117 — 

dichtem Netz entstehen läßt, kommen solche Fälle stets 
häufiger auch in andern, weniger industriellen Gegenden 
Deutschlands vor. 

Wie hat man es nun in einer solchen Lage zu ver- 
meiden verstanden, daß der zersetzende Wettbewerb, der 
im Innern der Vertragsgebiete glücklich ausgeschaltet war, 
an den Grenzen mit derselben Rücksichtslosigkeit und den- 
selben schädlichen Folgen, wie er bisher auch dort getobt 
hatte, entbrenne? Bei dieser Frage nach den Maßnahmen 
der Ziegel-Verkaufsvereinigungen zum Schutz ihrer Grenz- 
bezirke gegen den Wettbewerb eines benachbarten Kartells 
ist zu unterscheiden zwischen den Fällen, wo die natürlichen 
Grenzen zweier oder mehrerer Vereinigungen sich über- 
schneiden, und denen, wo sie sich bloß berühren. 



1. Abschnitt. 

Der Schu% der Grenzen im Falle ihrer 
Ueberschneidung. 

1. Der Abschluß einer Preiskonvention für das 

bestrittene Gebiet. 

Wo die natürlichen Grenzen zweier oder mehrerer Ziegel- 
Verkaufsvereinig-ungen sich einander überschneiden, da 
schließen die beteiligten Verbände zumeist für den bestritte- 
nen Grenzbezirk ein Preiskartell ab: sie verpflichten sich 
gegenseitig, bei einer Vertragsstrafe im Fall der Zuwider- 
handlung Ziegel nicht ynter einem vereinbarten Mindestpreis 
in das gemeinsame Absatzgebiet zu liefern. 

So lautete derzeit der entsprechende Abschnitt eines Ver- 
trags zwischen der Verkaufsstelle für Ziegelsteine in Dülken 
und der Kaldenkirchener Vereinigung der Ringöfen in Kaldeti- 
kirchen wie folgt: 

„Der Kaldenkirchener Vereinigung der Ringöfen soll 
die Verkaufsstelle für Ziegelsteine, Gesellschaft m. b. H., 
zu Dülken gleichberechtigt sein, Ziegel nach Bracht und 
Heidthausen sowie Leutherheide zu liefern. Die Vertrag- 
schließenden verpflichten sich hiermit ausdrücklich, keine 
Ziegel nach Leutherheide unter 24 M. frei Verwendungs- 
stelle und 21 M. ab Ofen abzugeben. Ferner verpflichten 
sie sich, keine Ziegel nach Bracht Ort unter 24 M., 
über den Ort hinaus unter 25 M. für 1000 Stück frei Ver- 
wendungsstelle, ab Ofen nicht unter 21 M. abzugeben. 
Zuwiderhandelnde gegen vorstehende Abmachung wer- 



— 119 — 

den für jeden Fall mit 10 M. für 1000 Ziegel zugunsten 
der Geschädigten bestraft, und dieser Betrag ist sofort 
zahlbar. Zur Sicherheit hinterlegen die Vertragschließen- 
den je zwei Sola-Wechsel in Höhe von je 500 M., gleich 

zusammen 2000 M. bei der Firma in Kalden- 

kirchen." 

Ein ähnliches Verhältnis wie zwischen diesen Verkaufs- 
vereinigungen scheint sich neuerdings auch zwischen den- 
jenigen von Minden, Bielefeld und Herford anzubahnen. 



II. Die Beteiligung der einen Verk a ufs Vereini- 
gung mit einem festen Kontingent am Absatz des 

Nachbarkartells. 

Sehr häufig wird auch eine Einigung zwischen zwei oder 
mehreren miteinander konkurrierenden Nachbarvereinigunger^ 
dadurch erzielt, daß die mächtigste Vereinigung die andern 
mit je einem Kontingent, das ihrem üblichen, nicht durch 
Kampfpreise vergrößerten Absatz in das von allen umworbene 
Gebiet entspricht, als Gesellschafterinnen in sich aufnimmt. 
Dann dürfen also die Verkaufsvereinigungen B, C usw. zwar 
auch weiter noch in den fraglichen Bezirk ein bestimmtes 
Kontingent von X Millionen Ziegeln Hefern; das Recht des 
Verkaufs steht aber künftighin in dem bisher gemeinsamen 
Absatzgebiet allein der Verkaufsvereinigung A zu, zu deren 
Vertragsbezirk es nun grundsätzlich gehört. Die Vereinigung A 
nimmt die Kontingente der Vereinigungen B, C usw. zu ihrem 
Mindestpreis zuzüglich einer für je 1000 Stück vereinbarten 
Provision ab und verteilt die Abnahme der Ziegel möglichst 
gleichmäßig auf das Jahr prozentual dem Absatz innerhalb 
ihres Bezirks. Diese Abmachungen werden zuweilen dahin 
erweitert, daß, falls B, C usw. in ihrem Gebiet eine Ein- 
schränkung der Erzeugung verfügen, A auch nur zur Ab- 
nahme eines entsprechenden Teils des ursprünglichen Kon- 
tingents verpflichtet ist. Wenn aber die Verkaufsvereinigung A 
auch diese Menge nicht absetzen kann, schafft sie für den 
Rest einen Geldausgleich. 



— 120 



Auf diesen grundlegenden Abmachungen beruhen bei- 
spielsweise die Verträge, die zum Ausgleich gemeinsamer 
oder gegenseitiger Ansprüche auf demselben Absatzmarkt 
in den Jahren 1903 bis 1Q08 die Ziegel-Verkaufsvereinigungen 
von Hannover, Hildesheim, Lehrte, Braunschvveig (mit Wol- 
fenbüttel), Stadthagen, Helmstedt und Göttingen unterein- 
ander und einerseits und die letzte Vereinigung und die von 
Cassel, Holzminden und Einbeck untereinander und ander- 
seits abgeschlossen haben. 



111. Die Gründung einer gemeinsamen Ver- 
kaufsstelle im bestrittenen Gebiet. 

Drittens geschieht ein Übereinkommen über den Absatz 
in einem wie oben gekennzeichnet bestrittenen Gebiet zu- 
weilen auch so, daß die benachbarten Kartelle in diesem Be- 
zirk eine gemeinsame Verkaufsstelle in Form einer Gesell- 
schaft m. b. H. mit den einzelnen Vereinigungen als Gesell- 
schafterinnen errichten. 

Als Beispiel für diesen Fall diene folgender Vorgang: 
Für die Ziegel-Verkaufsvereinigungen von Gera, Pößneckund 
Apolda bildete die Stadt Jena und ihre Umgebung einen von 
allen dreien umstrittenen Absatzmarkt. Man einigte sich da- 
hin, daß man in Jena eine gemeinsame Verkaufsstelle errich- 
tete in Form einer Gesellschaft m. b. H., deren Mitglieder 
die drei genannten Vereinigungen wurden.*) 



IV. Die Gründung einer neuen selbständigen 
Verkaufsvereinigung durch die in das be- 
strittene Gebiet hauptsächlich liefernden 

Ziegeleibesitzer. 

Ein vierter Weg zur Lösung der Frage des Schutzes der 
Grenzen im Fall ihrer Überschneidung ist endlich der, daß 



— 1-21 — 

die beteiligten Kartelle die Ziegeleibesitzer, die besonders 
in das für jeden Teil noch natürliche Absatzgebiet liefern, be- 
stimmen, sich untereinander wiederum zu einer Verkaufs- 
vereinigung zu vereinigen. Dieser Weg wird wohl meistens 
gewählt, jedoch sehr oft, ohne daß es sich später noch 
aus dem augenblicklichen Zustand des Kartells erkennen läßt. 
Die Mitglieder der neuen Vereinigung bleiben dann je nach 
Lage der örtlichen Verhältnisse entweder auch noch Kartell- 
genossen ihrer ursprünglichen Vereinigung mit entsprechen- 
den Rechten und Pflichten im dortigen Bezirk oder sie ver- 
einbaren als Kartell mit den altern Verbänden Abmachungen 
der schon besprochenen Art oder auch sogenannte Schutz- 
verträge. Der letzte Fall tritt dann ein, wenn sie durch die 
Gründung einer se^bständigen Verkaufsvereinigung zu einer 
solchen Nachbarvereinigung der andern werden, deren Gren- 
zen sich mit denen jener nur mehr berühren. 



Sozusagen alle vier bisher besprochenen Wege zur Er- 
zielung einer Einigung über die Abgrenzung der gegen- 
seitigen Interessengebiete verfolgt in seinen Endbestrebungen 
der im Jahre 1909 gegründete Verkaufsverein süddeutscher 
Ziegelwerke, Gesellschaft m. b. H., in Stuttgart. Er schließt 
mit schon bestehenden und von ihm erst gegründeten Ziegel- 
verkaufsstellen zur gegenseitigen Regelung der Verkaufs- 
preise und des Absatzes Kartellverträge in derselben Art ab, 
wie sie oben erläutert sind. Sein Einflußgebiet erstreckte 
sich zeitweilig über Württemberg, Hohenzollern, Baden, die 
bayrische Rheinpfalz und Elsaß-Lothringen. Damals hatte 
er durch entsprechende Verträge aufs engste miteinander 
verknüpft die Ziegel-Verkaufsvereinigungen von Stuttgart, 
Ulm, Heilbronn, Karlsruhe i. B., Pforzheim und Singen. 



*) Vgl. Deutsche Töpfer- und Ziegler-Zeitung, Jahrgang 41 (1910), 
Nr. 46, Seite 363. 






2. Abschnitt. 

Der Sdiu% der Grenzen im Fall ihrer bloQen 

Berührung. 

Wenn die Grenzen der Kartellbezirke zweier oder mehre- 
rer benachbarter Ziegel-Verkaufsvereinigungen sich einander 
nur berühren, so begnügen sich diese Nachbarvereinigungen 
meistens damit, sich, bei Wahrung völliger Selbständigkeit 
und nur unter Festsetzung einer Vertragsstrafe für jeden Fall 
der Übertretung, ihre natürlichen Absatzgebiete gegenein- 
ander durch sogenannte Schutzverträge zu sichern. Seltener, 
bisher nur in zwei Fällen, gründen sie als GesamtmitgHeder 
in der Form einer Gesellschaft m. b. H. ein Zentralkartell, das 
dann mit teilweise ziemlich weitgehenden ßefugnissen den 
örtlichen Kartellen gegenüber ausgestattet ist 



I. Die Schutzverträge und ihre wichtigsten 

Bestimmungen. 

Die sogenannten Schutzverträge lauten zumeist haupt- 
sächlich dahin, daß es den vertragschließenden Verkaufs- 
vereinigungen untersagt ist, in das benachbarte Kartellgebiet 
Ziegel unmittelbar oder wissentlich mittelbar zu liefern oder 
liefern zu lassen. Der Umfang der Kartellgebiete wird je- 
weilig durch Angabe der begrenzenden Fluren und Ort- 
schaften näher bezeichnet. Bestellungen und Anfragen auf 
Ziegel, die bei einer Vereinigung eingehen, aber für den Be- 



•u' 



- 



123 



zirk einer Nachbarvereinigung in Frage kommen, müssen 
unverzüglich an ihre Geschäftsstelle abgegeben werden. Auf 
jede Übertretung ist eine Vertragsstrafe etwa von 20 M. für je 
1000 Ziegel zugunsten des Geschädigten festgesetzt. 

Mit diesen wenigen, meist denkbar kurz gefaßten Ver- 
einbarungen ist in der Regel auch schon der Inhalt der 
Schutzverträge nach der hier allein interessierenden Seite hin 
erschöpft. Er wird zuweilen höchstens noch ergänzt durch 
Bestimmungen, wie sie oben im 1. Abschnitt dieses Teils 
unter II. erwähnt sind. 

Solche Schutzverträge bestehen zwischen den Verkaufs- 
vereinigungen von Dülken, Süchteln und Viersen, und 
namentlich seit dem Jahre 1908 zwischen den Ziegelkonven- 
tionen von Dresden, Pirna, Deuben, Neustadt - Kamenz, 
Kötzschenbroda und Meißen. Auch die braunschweigischen^ 
hannoverischen und süddeutschen Ziegelkartelle haben ihre 
anderweitigen Abmachungen über den Grenzenschutz größ- 
tenteils noch auf diese Weise ergänzt. 



II. Die Zentralkartelle, ihre Organisation und 

ihr Wesen. 

Eine viel engere Verknüpfung benachbarter Verkaufsver- 
einigungen als die bisherigen Schutzverträge usw. stellt der 
Zusammenschluß mehrerer örtlicher Ziegelkartelle zu einem 
umfassenden, mit den mannigfachsten, die Selbständigkeit der 
einzelnen Vereinigungen mehr oder weniger einschränkenden 
Befugnissen ausgestatteten Zentralkartell dar. 

Solche Zentralkartelle sind bis heute zwei bekannt: das 
Rheinisch-Westfälische Ziegelsyndikat, Gesellschaft m. b. H., 
in Dortmund, und das Thüringer Ziegelstein-Syndikat, Gesell- 
schaft m. b. H., in Meiningen. 

Das Rheinisch -Westfälische Ziegelsyndikat wurde im 
Jahre IQOO gegründet und umfaßte zur Zeit seiner höchsten 
Blüte, 1904, die 19 Ziegel-Verkaufsvereinigungen von Apler- 
beck, Bochum, Camen, Castrop, Dortmund, Essen, Gelsen- 
kirchen, Hagen i. W., Hamm i. W., Herne, Lüdenscheid, 



11 



— 124 — 

Lünen - Derne, Oberhausen, Recklinghausen, Schwelm, 
Schwerte, Unna, Waltrop und Witten a. d. Ruhr. Bei seiner 
Auflösung am 31. Dezember 1910 gehörten ihm noch die 
Verkaufsvereinigungen von Dortmund (mit Apierbeck), 
Bochum, Essen, Herne, Lünen (mit Camen, Waltrop, Ahlen 
und Hamm i. W.), Münster, Osnabrück, Recklinghausen, 
Unna und Witten a. d. Ruhr an. Das Thüringer Ziegelstein- 
syndikat vereinigt seit dem Jahre 1908 in sich die Ziegel- 
Verkaufsvereinigungen von Meiningen, Eisenach und Sonne- 
berg, denen sich später noch die von Vacha anschloß. 

Die Satzungen dieser beiden Zentralkartelle geben von 
dem Wirken einer solchen Organisation im ganzen folgendes 
Bild: 

Das übergeordnete Syndikat überwacht erstens von einer 
Zentralstelle aus die Innehaltung der Grenzen der den ein- 
zelnen ihm angeschlossenen Vereinigungen vertraglich zu- 
stehenden Absatzgebiete, innerhalb deren allein sie Angebote 
und Verkäufe abzugeben oder zu tätigen sich verpflichten 
müssen. Bei entsprechenden Verstößen verhängt es zu seinen 
Gunsten festgelegte Strafen. Über Anzahl, Preis und Emp- 
fänger gelieferter Ziegel haben die Syndikatsmitglieder, das 
sind die einzelnen Verkaufsvereinigungen, der Zentrale 
monatlich zu berichten. Zudem hat das Syndikat das Recht, 
zur Überwachung des Absatzes die Bücher und alle son- 
stigen geschäftlichen Schriftstücke der Einzelkartelle jederzeit 
durch seinen Aufsichtsrat prüfen zu lassen. 

Zweitens behält sich das Syndikat oder Zentralkartell für 
einzelne Befugnisse der örtlichen Verbände, wie für die Ein- 
schätzung der Leistungsfähigkeit, die Kontingents- und Preis- 
festsetzung, die letzte Entscheidung oder die Genehmigung 
vor. 

Die Einschätzung der Leistungsfähigkeit steht zwar 
grundsätzlich den Organen der Einzelkartelle zu. Das Er- 
gebnis ihrer Feststellungen wird in der Regel auch dem 
Syndikatsvertrag untergelegt. Erhebt aber innerhalb einer 
Verkaufsvereinigung das eine oder andre Mitglied wegen 
seiner Höchstleistung Widerspruch, so wird die Einschätzung 
des unzufriedenen Werkes durch einen Ausschuß des Syn- 



— 125 — 

dikats wiederholt. Die Feststellungen dieses Ausschusses 
sind endgültige. 

Bei der jährlichen Kontingentsfestsetzung oder Einschrän- 
kung der Gesamterzeugung ihrer Mitglieder gehen die beiden 
Zentralkartelle verschieden vor. Die Bestimmungen darüber 
sind aber die einzigen, in denen sich das Thüringer Ziegel- 
stein-Syndikat und das Rheinisch-Westfälische Ziegel-Syn- 
dikat wesentlich voneinander unterscheiden. Während näm- 
lich das erste seinen ihm untergeordneten Verkaufsvereini- 
gungen darin völlig freie Hand läßt, verpflichtet das zweite 
sie, „durch ihre Mitglieder alljährlich nur so viel herstellen 
zu lassen, wie dies für die Vereinigung durch den Beirat des 
Syndikats bestimmt ist. Zu dem Zwecke setzt der Beirat 
alljährlich für das nachfolgende Jahr unter Zugrundelegung 
der Absatzverhältnisse der kontrahierenden Vereinigung und 
(allerdings) nach vorhergegangener Beschlußfassung der- 
selben die zulässige Höchstsumme der Erzeugung für letztere 
fest.^'*) Diese Verfügung bedeutet einen sehr wesentlichen 
Schritt zur engsten überhaupt möglichen Verknüpfung 
mehrerer Ziegelkartelle, wie sie damit eben die Satzungen 
des Rheinisch-Westfälischen Ziegel-Syndikats wenigstens an- 
nähernd zum Ausdruck bringen. Seine Art der Kontingents- 
festsetzung hebt daher dieses Zentralkartell im Punkte der 
strengsten möglichen Durchführung des Kartellgedankens in 
der Ziegelindustrie noch eine Stufe über das Thüringer 
Ziegelstein-Syndikat hinaus. 

Die Preisfestsetzung der einzelnen Verkaufsvereinigungen 
wird dadurch beschränkt, daß die Preise nicht unter einem 
vom Zentralkartell jeweilig vorgeschriebenen Mindestpreis 
bleiben dürfen. Arbeitet ein einzelnes Werk mit besonders 
hohen Selbstkosten, so steht es nur dem Aufsichtsrat des 
Syndikats zu, ihm nach Anhörung des Urteils der Ein- 
schätzungskommission des Syndikats einen höhern Mindest- 
preis zu bewilligen. 

Drittens ist die Geschäftsstelle des Zentralkartells Ver« 



*) Vgl. § 9 der Satzungen des Rheinisch-Westfälischen Ziegel- 
Syndikats, Gesellschaft m. b. H., Dortmund. 






— 126 — 

kaufsstelle für Lieferungen in freies Gebiet, soweit diese 
auf einem Kanal oder einer Eisenbahn erfolgen. Dahei 
müssen die einzelnen Verkaufsvereinigungen alle Anfragen, 
Angebote usw., die sich auf solche Abschlüsse beziehen, so- 
fort der Zentrale des Syndikats übermitteln. Diese über- 
weist die Ausführung der Aufträge der Vereinigung, die den 
niedrigsten Frachtsatz zur Verbrauchsstelle hat, es sei denn, 
daß eine andre in ihrer prozentischen Beteiligung am Qe- 
samtabsatz beträchtlich zurückgeblieben ist. Die Berechnung 
der so abgesetzten Ziegel erfolgt durch das Syndikat; für 
ihre Beschaffenheit und ihre vorschriftsmäßige Lieferung aber 
trägt das beauftragte Einzelkartell die Verantwortung, Diese 
Selbstverkäufe des Syndikats sind erklärlicherweise zumeist 
ziemlich geringfügig: so reichten sie im Rheinisch-Westfäli- 
schen Ziegel-Syndikat nur selten über 4 v. H. des Gesamt- 
absatzes hinaus; doch auch sonst erwächst ihm aus dieser 
Sonderberechtigung nicht der geringste geldliche Nutzen. 
Man beabsichtigt mit dieser Bestimmung nur, die plan- 
mäßige Bearbeitung weiter gelegener Außengebiete dem 
Zentralkartell allein vorzubehalten, während man die nähere 
Umgebung eines Kartellbezirks dem einzelnen Syndikats- 
mitglied zum selbständigen Vorgehen überläßt. Das liefernde 
Kartell erhält den vollen erzielten Verkaufspreis und, wenn 
es vielleicht wegen zu hoher Frachtkosten unter Mindest- 
preis hat liefern müssen, schießt das Syndikat den aus- 
gefallenen Betrag aus eigner Kasse zu. 

Die gleiche Unterstützung gewährt das Zentralkartell den 
Vereinigungen, die unter dem Druck des Wettbewerbs der 
Außenseiter im eignen Gebiet unter Mindestpreis haben ver- 
kaufen müssen, vorausgesetzt, daß sie zu diesen Verkäufen 
die Genehmigung eingeholt hatten. So wirkt das Syndikat 
viertens als Unterstützungsstelle in einem seinen Mitgliedern 
von den Außenseitern aufgezwungenen Wettbewerbskampf. 

Die für diese Entschädigungen nötigen Summen werden 
zugleich mit dem Beitrag aufgebracht, den die Verkaufsver- 
einigungen als Mitglieder des Zentralkartells zur Deckung 
seiner Verwaltungs- und sonstigen Kosten jährlich zu ent- 
richten haben. Dieser Beitrag wird durch Umlage erhoben 



— 127 — 

und dabei vom Aufsichtsrat für je 1000 Stück versandter 
Ziegel festgesetzt. 

Ebenso wie bei den örtlichen Ziegelkartellen, werden 
endlich auch die Streitigkeiten aus dem Vertrag eines Zentral- 
kartells unter Ausschluß des ordentlichen Rechtswegs vor 
einem Schiedsgericht ausgetragen. Uneinigkeiten zwischen 
den einzelnen Vereinigungen werden gleichfalls, und zwar 
allein durch das Schiedsgericht des Syndikats entschieden, 
während dies in einem Streit sowohl eines Mitglieds mit 
seiner Vereinigung, als auch einzelner demselben Verkaufs- 
kartell angehörender Ziegeleibesitzer untereinander nur die 
letzte Instanz bildet. 

Abgesehen von den unter erstens bis drittens erörterten 
Befugnissen des Zentralkartells unterliegen die ihm an- 
geschlossenen Verkaufsvereinigungen keinen Beschränkungen 
in ihrer Handelsfreiheit. Sie behalten namentlich ihre volle 
Selbständigkeit in allen Fragen des Absatzes an ?ich inner- 
halb ihres Verkaufsgebiets; für ihn pflegt das Syndikat 
lediglich einige Richtlinien zu geben. Im übrigen aber ver- 
sieht es hauptsächlich nur die Aufgabe einer Aufsichtsbehörde 
über das Geschäftsgebaren der ihm untergeordneten Einzel- 
kartelle, einer Unterstützungsstelle im Kampf gegen Außen- 
seiter und eines Schiedsgerichts in Streitigkeiten sowohl der 
einzelnen Kartelle als auch ihrer Mitglieder. 

Bei diesen besondern Aufgaben mag hier noch die Frage 
interessieren, welcher Gruppe von Kartellen die Syndikate 
der rheinisch - westfälischen und der thüringischen Ziegel- 
Verkautsvereinigungen ihrer Zweckbestimmung nach einzu- 
ordnen sind. 

Diese Frage ist durch den oft gebrauchten Ausdruck 
„Zentralkartell** eigentlich schon stillschweigend erledigt. 
Nun sagt aber Grunzel vom Rheinisch - Westfälischen 
Ziegel-Syndikat in seiner Schrift „Über Kartelle**: „Eine 
Teilung der Absatzgebiete bezweckt neben der Zentralisierung 
des Verkaufs auch das im Jahre 1900 gegründete Rheinisch- 
Westfälische Ziegel-Syndikat in Dortmund***), und stellt es 
somit in die Reihe der Rayonnierungskartelle. Dazu ist zu 

*) Grunzel: „Ober Kartelle**, Leipzig 1992, Seite 65. 



/ 



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— 128 — 

* 

I bemerken, daß bei dem genannten Kartell zunächst von 
einer Zentralisierung des Verkaufs nach den vorhergehenden 
Darlegungen nicht die Rede sein kann. Aber auch der An- 
sicht, daß das Syndikat ein Rayonnierungskartell sei, muß 
widersprochen werden. Denn einer Rayonnierung im Sinne 
einer Aufteilung des rheinisch-westfälischen Industriebezirks 
in mehrere, einzelnen Gruppen von Ziegeleibesitzern zuzu- 
weisende Gebiete, um eine bessere Übersicht über die Markt- 
verhältnisse des ganzen Bezirks zu erhalten und an Fracht- 
kosten sparen zu können, liegt hier nicht vor. Da die 
Ziegeleierzeugnisse sozusagen einen örtlichen Schutzzoll ge- 
nießen, bedarf es zu einer bessern Gestaltung ihrer Absatz- 
verhältnisse auch nur eines Überblicks der Marktlage eines 
eng begrenzten Gebiets. Zur Erleichterung dieses Überblicks 
aber hatten sich entsprechende Kartelle schon vor der Grün- 
dung des Syndikats vielerorts gebildet. Aber auch der andre 
Zweck und Grundsatz eines Rayonnierungskartells, die Ver- 
teilung der Absatzgebiete unter dem Gesichtspunkt mög- 
lichster Frachtersparnis, ist im Rheinisch -Westfälischen 
Ziegel-Syndikat nicht ausgeführt worden. Da es sich dort 
um bereits geschlossene Gruppen von Ziegeleiunternehmern 
handelte, hätte die Transportfrage schon von vornherein 
nur noch in ganz beschränktem Maße geregelt werden kön- 
nen. Aber die Ziegelkartelle, die die Grenzen ihrer Bezirke 
jeweilig ohne Rücksicht auf die Nachbarvereinigung fest- 
gesetzt hatten, behielten auch nach ihrem Zusammenschluß 
die von ihnen beanspruchten Absatzgebiete in vollem Um- 
fang. Die Absatzverteilung hat sich so im Gegenteil oft, vor 
allem bei Verschiebungen der Bautätigkeit, recht ungünstig 
gezeigt, ein Mißstand, der durch das Syndikat auch später 
nicht beseitigt wurde, was aber, wenn es wirklich ein Rayon- 
nierungskartell hätte sein wollen, eine seiner ersten Auf- 
gaben hätte sein müssen. 

Alles das gilt ebenso für das Thüringer Ziegelstein- 
Syndikat; denn dies ist bekanntlich auf demselben Weg wie 
das Rheinisch-Westfälische Ziegel-Syndikat zustande ge- 
kommen und in den entscheidenden Zügen auch geradeso 
organisiert. 



-X 



— 129 - 

Beide Syndikate bleiben danach in erster Linie einfache 
Aufsichtsbehörden über die Tätigkeit und die Einrichtungen 
der ihnen angeschlossenen Einzelkartelle im oben erörterten 
Sinne. Da ihnen aber doch mannigfache Befugnisse zustehen, 
durch die sie die örtlichen Vereinigungen in ihrer Selb- 
ständigkeit immerhin in etwa beschränken, und wegen ihres 
gemeinsamen Vorgehens im Kampfe gegen Außenseiter usw. 
erweisen sie sich schließlich noch als Kartelle mehrerer 
selbständiger kleiner Kartelle und können somit höchstens 
der Gruppe der Zentralkartelle zugezählt werden. 



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Lebenslauf. 

Ich, Hans Faehre, bin geboren am 16. August 1885 
in Dortmund (Reg.-Bez. Arnsberg) als Sohn des verstor- 
benen Ober-Stadtsekretärs Otto Faehre und seiner Ehefrau 
Marie, geb. Albert, beide evangelischer Konfession. Von 
Ostern 1891 bis Ostern 1895 besuchte ich die evangelische 
Volksschule und daran anschließend das städtische Gym- 
nasium meiner Heimatstadt, wo mir am 3. März 1905 das 
Zeugnis der Reife zuerkannt wurde. Zum Sommer-Semester 
1905 bezog ich die Handelshochschule in Cöln a. Rh. und 
bestand an ihr im Frühjahr 1908 die kaufmännische Diplom- 
Prüfung. Am 1. Mai desselben Jahres trat ich bei der Deut- 
schen Nationalbank, Kommanditgesellschaft auf Aktien, [>ort- 
mund, als Volontär ein und wurde dort nach etwa einem 
Jahre als Beamter angestellt. Am 30. März des Jahres 1910 
verließ ich diese praktische Tätigkeit mit der Absicht, zur 
Universität zu gehen, um meine auf der Handelshochschule 
begonnenen volkswirtschaftlichen Studien zu vertiefen und 
mit einem akademischen Examen abzuschließen. Vom 
27. April 1910 bis zum Schlüsse des Winter-Semesters 
1912/13 war ich als Student der Staats Wissenschaft an der 
Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn imma- 
trikuliert. Dort habe ich an den Seminarübungen der Herren 
Professor Dr. Schumacher und Professor Dr. Dietzel teil- 
genommen. 

Meine Doktorarbeit habe ich unter Anleitung des Herrn 
Professor Dr. Schumacher angefertigt, dem ich auch an dieser 
Stelle für die wertvollen Ratschläge und das Interesse, das 
er memer Arbeit entgegengebracht hat, meinen ergebensten 
Dank aussprechen möchte. 

Die Promotionsprüfung bestand ich am 9. Juli 1913. 



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Druck von Böckler & Schutt G. m. b. H. 
:-: Berlin N r)4, Brunnenstrasse 10. :-: 



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